Erste Anlage in Deutschland

Rohstoff aus Batterieabfällen: Wendepunkt für Europas Rohstoffkrise?

Tozero hat bereits die erfolgreiche Qualifizierung seines recycelten Lithiums und Graphits für Lithium-Ionen-Batterien gemeinsam mit führenden Kathoden- und Anodenherstellern nachgewiesen.

Bild: iStock, Bet_Noire
14.04.2026

Das Batterie-Recycling-Start-up Tozero verschafft Europa erstmals eine heimische Quelle für kritische Materialien: In Bayern wurde eine industrielle Demonstrationsanlage in Betrieb genommen, die erstmals in der Lage ist, Altbatterien im großen Maßstab in Lithium, Graphit und ein Nickel-Kobalt-Gemisch umzuwandeln. Aus diesem Material kann Tozero hochreines Lithiumcarbonat herstellen – das entspricht rechnerisch der Einsparung von Batterien für 6.000 Elektrofahrzeuge.

Die Demonstrationsanlage befindet sich in Bayern im Chemical Park Gendorf, wurde in Rekordzeit von sechs Monaten aufgebaut und kann pro Jahr mehr als 1.500 t Batterieabfälle verarbeiten. Aus diesem Material kann Tozero hochreines Lithiumcarbonat herstellen – das entspricht rechnerisch der Einsparung von Batterien für 6.000 Elektrofahrzeuge, die sonst auf Deponien landen würden – sowie Graphit und ein Nickel-Kobalt-Gemisch im industriellen Maßstab zurückgewinnen. Mit Tozeros proprietärem, säurefreiem hydrometallurgischem Verfahren erfolgt das Recycling in einem einzigen, überlegenen Prozesszyklus; die zurückgewonnenen Materialien sind so rein, dass sie direkt wieder in die Produktion eingespeist werden können.

Erstmals eine heimische Quelle für kritische Materialien

Tozero hat bereits die erfolgreiche Qualifizierung seines recycelten Lithiums und Graphits für Lithium-Ionen-Batterien gemeinsam mit führenden Kathoden- und Anodenherstellern nachgewiesen. Darauf aufbauend will das Unternehmen den Kreislauf für Batteriematerialien schließen und Europas Ziel unterstützen, unabhängiger bei kritischen Rohstoffen zu werden. Das steht im Einklang mit dem EU Critical Raw Materials Act, der vorsieht, dass 25 Prozent der Versorgung aus Recyclingquellen stammen sollen.

Tozero verschafft Europa damit erstmals eine heimische Quelle für kritische Materialien – und reduziert die überwältigende Abhängigkeit von Importen aus China. Die Anlage soll recyceltes Lithium und Graphit an Unternehmen aus verschiedenen Branchen liefern, darunter Bauwirtschaft, Keramik und Schmierstoffe; weitere Materialien und Industrien sollen folgen.

„Europa verfügt noch nicht über die kritischen Rohstoffe, die es braucht, um seine eigene Energiewende und Batterieindustrie aufzubauen und zu skalieren“, sagte Sarah Fleischer, Mitgründerin und CEO von Tozero. „Unsere Technologie verändert das, indem sie es uns ermöglicht, Altbatterien zu recyceln und diese Materialien erstmals im industriellen Maßstab zu gewinnen. In knapp vier Jahren ist Tozero von Laborexperimenten zum industriellen Betrieb gekommen – und wir beweisen fortlaufend, dass Recycling nicht nur ein Pilotprojekt ist, sondern in einem Umfang umgesetzt werden kann, der Europa eine heimische, zirkuläre Versorgung mit den kritischen Materialien liefert, auf denen seine Zukunft basiert.“

„Die Skalierung unserer Technologie vom Labor zur industriellen Produktion in so kurzer Zeit ist für jede Deep-Tech-Gründerin und jeden Deep-Tech-Gründer ein Meilenstein – und markiert den Übergang von der Entwicklung zur realen Validierung im industriellen Maßstab. Es ist ein Meilenstein, auf den ich sehr stolz bin – besonders, wenn ich sehe, wie das Team diese Anlage zum Leben erweckt hat“, sagte Dr. Ksenija Milicevic Neumann, Mitgründerin und CTO von Tozero.

Ein Wendepunkt für Europas Rohstoffsouveränität


Nach dem Erfolg soll die industrielle Demonstrationsanlage nun als Blaupause für einen kommerziellen Vollbetrieb dienen, der für 2030 geplant ist und mehrere tausend Tonnen Lithiumcarbonat und Graphit produzieren kann. Gleichzeitig steht sie beispielhaft dafür, wie Europa eine nachhaltige und unabhängige Versorgung mit kritischen Rohstoffen sichern kann, die die wachsende Batterieindustrie benötigt.

Die weltweite Nachfrage nach Lithium dürfte sich bis 2030 vervierfachen, während in der EU allein die Graphitnachfrage bis 2040 – getrieben durch Elektrofahrzeuge, netzgekoppelte Speicher und industrielle Elektrifizierung – voraussichtlich um das bis zu 25-Fache steigen wird. Dennoch ist Europa weiterhin fast vollständig auf Importe angewiesen: China kontrolliert die globalen Graphitlieferketten, und 99 Prozent des in Europa benötigten Lithiums kommen aus dem Ausland. Paradoxerweise sitzt Europa zugleich auf einem wachsenden „Lager“ genau jener Materialien, die es dringend sucht – in den zunehmenden Mengen an Altbatterien, die vor allem durch den EV-Hochlauf auf dem Kontinent anfallen. Bislang war es jedoch nicht möglich, diese Stoffe effektiv zurückzugewinnen.

Das erwartete exponentielle Wachstum der Materialnachfrage dürfte ab 2035 zu einer globalen Angebotslücke von mehr als 33 Prozent führen. Damit wird Batterierecycling unverzichtbar und zu einer zentralen alternativen Quelle für kritische Rohstoffe. Mit seinem Durchbruchverfahren will Tozero diesen Übergang ohne „Green Premium“ ermöglichen – stattdessen mit einem „Green Discount“. Als „Miner von morgen“ sei Tozero auf einem beschleunigten Pfad, die Lücke bei kritischen Rohstoffen nachhaltig mit zu schließen.

Tozeros Ansatz ermöglicht es der Industrie nicht nur, sowohl bestehende als auch zukünftige Materialien aus diesem Bestand wiederzuverwenden und damit die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu senken; er schafft zudem eine zirkuläre, heimische Lieferkette, die Europas Wettbewerbsfähigkeit im globalen Rennen um Energietechnologien der nächsten Generation stärkt.

Aufbau im Rekordtempo

Tozero wurde 2022 von Sarah Fleischer (Serienunternehmerin und Maschinenbauingenieurin) und Dr. Ksenija Milicevic Neumann (führende Metallurgie-Expertin) gegründet und ist schnell skaliert. Im April 2024 – neun Monate nach Eröffnung der Pilotanlage – war das Unternehmen nach eigenen Angaben das erste in Europa, das recyceltes Lithium an kommerzielle Kunden lieferte. Seitdem hat Tozero Pilotprojekte mit BMW, MAN und weiteren Automobil-OEMs abgeschlossen und dabei eine stabile Lithium-Rückgewinnungsrate von über 80 Prozentnachgewiesen – und erfüllt damit bereits das EU-Ziel für 2031. Im Februar 2025 wurde Tozero nach eigenen Angaben zudem als erstes Unternehmen in Europa qualifiziert, 100 Prozentrecycelten Graphit für die Produktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen im industriellen Maßstab einzusetzen.

Das Unternehmen arbeitet mit Partnern in 10 europäischen Ländern zusammen und wurde international für Wirkung und Innovation ausgezeichnet: unter anderem als Tech Pioneer des Weltwirtschaftsforums, als Gewinner der Hello Tomorrow Global Challenge und der EPiC Challenge sowie als Teil von Norrskens Top 100 Impact-Startups in drei aufeinanderfolgenden Jahren.

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