Fast zwei Millionen Euro hat Richard Geiss in die jüngste Erweiterung ihrer Destillationskolonnen in Offingen investiert.

Bild: Richard Geiss

Destillieren in Reinform Recyceltes wie Frischware handeln

06.09.2018

Ein Unternehmen aus dem Bereich der Lösemittelrückgewinnung hat 1,9 Millionen Euro in die jüngste Erweiterung ihrer Lösemittel-Aufbereitungsanlage in Offingen bei Günzburg investiert. Zwei neue Destillationskolonnen zur Aufbereitung von halogenfreien Lösemitteln wurden nun in Betrieb genommen. Damit sollen nach dem Aufbereitungsprozess Recyclate entstehen, die sich fast nicht mehr von der Frischware unterscheiden lassen.

Durch die Installation der neuen Destillationsanlagen hat sich die Destillationskapazität des Anbieters halogenfreier Lösemittel von 12.000 auf 19.000 Tonnen im Jahr erhöht. „Wer in Recycling investiert, der investiert in die Umwelt und in Nachhaltigkeit“, sagt Bastian Geiss, geschäftsführender Gesellschafter bei Richard Geiss. „Mit den neuen Kolonnen können wir jetzt jedes Jahr 7.000 Tonnen mehr als bisher an Lösemitteln aufbereiten. Das bedeutet, dass jedes Jahr 7.000 Tonnen weniger an neuen Lösemitteln produziert werden müssen.“

Ethanol das ganze Jahr über nutzen

„In ganz Europa gehen die Recyclingquoten deutlich nach oben, die Nachfrage nach Destillation und Lohnaufbereitung ist groß. Genau für diesen Run sind wir jetzt bestens gerüstet“, zieht Bastian Geiss ein erstes Fazit. Die Anlage sei in erster Linie für die Aufbereitung von Altwaren, also verschmutzten Lösemitteln, gedacht. „Unser erster Auftrag, den wir auf der Anlage fahren, ist aber kein Recyclingauftrag, sondern vielmehr eine Destillation von Frischware für den späteren Einsatz im Hygienebereich“, fährt Geiss fort.

Denn der Kunde sei durch Umstrukturierungsmaßnahmen nicht mehr in der Lage, sein Lösemittel werksintern zu destillieren. „Das übernehmen wir jetzt, sozusagen als verlängerte Werkbank“, erklärt Geiss. Die Lohndestillation könne sowohl von Destillateuren als auch von Frischwarenherstellern genutzt werden, „um eigene Kapazitätsspitzen und Engpässe bei der Aufbereitung oder Produktion von Frischware abzufangen.“

Früher lief im Aufbereitungsprozess die Trocknung der Lösemittel hintereinander ab, jetzt passiert das parallel. „So erreichen wir eine vollkontinuierliche Trocknung und ein noch höheres Vakuum – dies ist entscheidend für die Qualität der Destillate“, betont Geiss. Die Reinheit des bei Geiss aufbereiteten Lösemittels Ethanol beispielsweise soll dadurch von 94 auf 99,9 Prozent steigen. Das 94-prozentige Ethanol fand fast ausschließlich im Winter, nämlich in Frostschutzmitteln Anwendung. Das Ethanol von 99,9 Prozent hingegen könne das ganze Jahr über in fast allen Bereichen eingesetzt werden.

Labor für kritische Stoffe

Die beiden neuen Destillationskolonnen sollen zudem eine größere Bandbreite an Stoffen abdecken. Abgesehen von säurehaltigen Lösemitteln können damit nahezu alle Stoffe destilliert werden. Das bringe vor allem für Kunden, die unterschiedliche Lösemittel einsetzen und daher auch unterschiedliche Aufbereitungskampagnen benötigen, einen großen Vorteil.

Neben der Lösemittel-Aufbereitungsanlage hat Richard Geiss auch die Laboranalytik ausgebaut und in ein RFA-Gerät sowie ein neues Spektrometer investiert. „Selbst kritische Stoffe, die wir früher zur Analyse an ein externes Labor abgeben mussten, können wir jetzt selbst bestimmen“, erzählt Geiss. Die Destillate können somit nach Spezifikationen von Frischware definiert werden und sind dadurch oftmals auch in kritischen Bereichen einsetzbar. Tetrahydrofuran (THF) und N-Methyl-2-pyrrolidon (NMP) finden beispielsweise im Bereich der Klebstoffe und Farblacke Anwendung.

Bildergalerie

  • Durch die neuen Destillationskolonnen hat sich die Bandbreite an Stoffen, die destilliert werden können, vergrößert.

    Bild: Richard Geiss

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