Rochester Electronics fertigt bereits abgekündigte Bauelemente originalgetreu nach.

Bild: iStock, Tom Kelley Archive

Obsoleszenz bei Komponenten Original statt Kopie

30.04.2019

Bauteile werden immer schneller abgekündigt. Branchen mit langen Produktlebenszyklen, wie die Medizintechnik, stellt das vor erhebliche Probleme. Der Elektronikdienstleister Rochester Electronics hat sich speziell auf diese Schwierigkeiten spezialisiert und kann viele bereits abgekündigte Komponenten originalgetreu nachfertigen.

Die anhaltende Verknappung bestimmter Bauelemente bereitet vielen Elektronikherstellern Bauchschmerzen. Abkündigungen und Lieferprobleme von einzelnen Komponenten stellten aber bereits zuvor Hersteller vor große Herausforderungen. Gerade in Bereichen, in denen Geräte und Maschinen sehr lange im Einsatz sind, etwa in der Bahn- oder Medizintechnik, treten diese Probleme häufig auf.

Rochester Electronics wurde beispielsweise von einem Anbieter für medizinische Bildgebungs- und Labordiagnosegeräte gebeten, ihm bezüglich der drohenden Obsoleszenz von Halbleiterkomponenten und anhaltender Lieferprobleme zu helfen. Diese Schwierigkeiten hätten sich auf seine gesamte Produktpalette negativ auswirken können. Zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme musste er eine Reihe von Herausforderungen meistern.

Die brisantesten darunter waren:

  • Der Produktlebenszyklus der eigenen Produkte betrug zwischen zehn und 25 Jahren. Gleichzeitig lagen die Lebenszyklen der eingebauten elektronischen Komponenten deutlich darunter und verkürzten sich immer mehr.

  • Die Bauteilverknappung in einem angespannten Beschaffungsmarkt machte es nahezu unmöglich, zuverlässige Quellen für kritische Halbleiterbauteile zu finden. Die Kapazitäten der Ingenieure, die für die Suche nach diesen alternativen Quellen und deren Qualifizierung verantwortlich waren, stießen an ihre Grenzen. Produktionsausfälle und Neuplanungen waren an der Tagesordnung und die Liefertermine an eigene Kunden gefährdet.

  • Schwierigkeiten und Unsicherheiten bei der Beschaffung veralteter elektronischer Komponenten führten zu teuren Prüfungen und zusätzlichen Tests. Weitere interne Ressourcen aus den Bereichen Beschaffung, Komponentenentwicklung und Qualität sowie externe Prüfinstitute wurden benötigt.

  • Ein Teil der Gerätepalette des Kunden wurde in den 90er Jahren entwickelt und umfasste Komponentenpakete wie DIP und Metal-Can, die auf dem Markt nicht mehr erhältlich sind. Dieser Umstand verschärfte die Beschaffungsrisiken, da sich Fälscher gerade auf diese höherwertigen, einzigartigen und veralteten Komponenten konzentrieren.

  • Sie sahen sich der drohenden Situation einer Neukonzeption, Requalifikation und Rezertifizierung großer Anlagen gegenüber. Bei einigen Produkten wurde auch bereits eine vorzeitige Einstellung der Produktion oder eine Verkürzung der Nutzungsdauer diskutiert. Ungefähr 25 Prozent der technischen Ressourcen wurden aufgewendet, um den negativen Auswirkungen der Obsoleszenz zu begegnen. Sie fehlten für die Entwicklung neuer Produkte.

Die Verantwortlichen gingen davon aus, dass die Beschaffung über nicht autorisierte Händler auf dem grauen Markt die einzige Lösung für veraltete oder mangelhafte Komponenten sei. Es wurde versucht, das Beschaffungsrisiko dafür so weit wie möglich zu minimieren, indem teure Tests durch Drittanbieter und interne Revalidierung nach Erhalt der Komponenten eingeführt wurden. Diese Methode war trotz all dieser Tests allerdings mit einem erheblichen Risiko verbunden. Schließlich ist der Hersteller gegenüber seinen Kunden haftbar bezüglich der verwendeten Komponenten. Das Risiko konnte jedoch nicht gemindert werden, solange die bisherigen Beschaffungsquellen nicht nachweisen konnten, dass die Ersatzprodukte authentisch und rückverfolgbar sind.

Vom Originalhersteller autorisiert

Rochester wurde eine Liste mit 1.200 kritischen Halbleiterkomponenten - von diskreten Transistoren bis hin zu Prozessoren - übergeben, die für die laufende Versorgung ihrer Endgeräte entscheidend sind. Sie enthielt Komponenten in allen möglichen Phasen des Produktlebenszyklus - bereits abgekündigt, End of Life (EoL), Last Time Buy und noch aktiv. Über 65 Prozent der benötigten Bauteile konnten von Rochester mit Lagerware, Dies und Wafern für den fortlaufenden Nachbau oder alternativ mit höherwertigeren und schnelleren Komponenten abgedeckt werden.

Alle von Rochester gelieferten Bauteile sind von Originalherstellern vollständig autorisiert, rückverfolgbar und haben außerdem eine zwölfmonatige Garantie. Die von dem Unternehmen hergestellten Bauteile werden vollständig mit den Prüfverfahren der Originalhersteller getestet, besitzen die Werte der Datenblätter und sind mit der Artikelnummer der Originalteile gekennzeichnet.

Rochester stimmte zu, die Liste alle sechs Monate neuerlich zu bewerten. Bei diesem Prozess weist das Unternehmen hin auf hinzugekommene Waren, Fertigungskapazitäten und Änderungen hinsichtlich der Verfügbarkeit, auf Verlängerung der Lieferzeiten und angekündigte Abkündigungen.

15 Milliarden Bauteile auf Lager

Der Kunde hat alle obsoleten Komponenten, die von Rochester nachgebaut werden, in seine Komponentendatenbank aufgenommen. Außerdem erklärte er sich bereit, seine Beschaffungsprozesse zu ändern. Das sorgt dafür, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, EoL-Halbleiter über autorisierte Quellen zu beziehen, bevor die Anfrage an Drittanbieter weitergeleitet wird.

Dadurch war es dem Kunden möglich:

  • Kosten, die durch die Notwendigkeit entstanden sind, Tests bei Drittanbietern durchzuführen und die Anzahl der damit einhergehenden Qualitätssicherungsprozesse zu reduzieren.

  • Beschaffungskosten zu reduzieren, da die Margen für Zwischenhändler wegfallen.

  • kostspielige Produktionsausfälle zu vermeiden, indem bei Bedarf auf autorisierte Bestände zugegriffen werden kann.

  • den Ressourcenbedarf bezüglich Beschaffung, Komponentenentwicklung, Qualitätssicherung, Entwicklung und Projektmanagement zu reduzieren und somit Mittel für die Entwicklung neuer Produkte freizubekommen.

  • den Produktlebenszyklus der eigenen Produkte zu verlängern, was zu einer besseren Investitionsrendite und einer höheren Endkundenzufriedenheit führt.

  • Projektkosten und Risiken zu minimieren.

Rochester bietet eine sehr kostengünstigste autorisierte Lösung mit besonders geringem Risiko für Kunden, die:

  • einen sehr langen Produktions- und Servicebedarf haben,

  • über eine große Anzahl an installierten Geräten verfügen, die eine vollständige abwärtskompatible Unterstützung benötigen,

  • in einem anspruchsvollen Umfeld für Redesign und Rezertifizierung aktiv sind und

  • über begrenzte Entwicklungsressourcen verfügen.

Als autorisierter Partner von mehr als 70 Halbleiterherstellern und weltweit größter Lieferant von EoL- und aktiven Halbleiterkomponenten hat Rochester mehr als 15 Milliarden Bauteile auf Lager. Ein Großteil dieser Bestände ist nur für Erstausrüster und Bestücker verfügbar. Das Unternehmen ist außerdem lizenzierter Halbleiterhersteller.

Zu 100 Prozent mit den Originalspezifikationen konform

Durch den großen Bestand von mehr als 15 Milliarden vollständig getesteten und originalen Die auf Lager, kann Rochester über 20.000 verschiedene Produktfamilien herstellen. Darunter sind zum Beispiel auch Baugruppen in älteren Gehäuseformen wie DIP und Keramik, RoHs- oder Pb-Versionen, auch wenn sie nicht vom OCM angeboten wurden und Baugruppen, die kundenspezifische Tests, Gehäuse oder Verpackungen benötigen.

Alle von Rochester gebauten Komponenten werden mit den originalen OCM-Testprogrammen getestet. Sie sind zu 100 Prozent konform mit den Originalspezifikationen und werden mit einer Garantie und Konformitätszertifikat geliefert. Sie sind ausschließlich für Erstausrüster und Bestücker erhältlich.

Zusätzlich zu den eigenen Produktionskapazitäten von Rochester bieten starke Partnerschaften mit den ursprünglichen Halbleiterlieferanten auch die Möglichkeit, dass Rochester sich mit der Wiederaufbereitung von Fertigwaren und Wafern beschäftigt. Dadurch ist es möglich, Wafer wiederaufzubauen und dadurch künftige Obsoleszenzrisiken auszuschließen.

Bildergalerie

  • Ältere Bauelemente sind oft nicht mehr in ausreichenden Mengen erhältlich. Abhilfe dafür bieten Dienstleister wie Rochester Electronics, die abgekündigte Komponenten lizenziert nachbauen.

    Bild: Rochester Electronics

  • Gerade für Medizintechnikhersteller sind die geringeren Lebenszyklen elektronischer Bauelemente problematisch.

    Bild: Rochester Electronics

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel