„Alles aus einer Hand“ hat sich Richard Geiss mit ihrer Marke RG4Chemicals auf die Fahnen geschrieben. Dass der Lösemittelspezialist mit Sitz in Offingen (Bayerisch-Schwaben) dieses Versprechen in der Praxis einlöst, kann Helmut Mühlberger von der Rosenberger Hochfrequenztechnikmit Hauptsitz in Fridolfing (Oberbayern) unterschreiben. „Die Richard Geiss GmbH und der Anlagenhersteller Vapic haben uns als starke Partner bei einem Installationsprojekt begleitet und dabei bewiesen, dass wir uns voll und ganz auf sie verlassen können – gerade auch dann, wenn’s knifflig wird“, erklärt Mühlberger, Gruppenleiter Einzelteilfertigung bei Rosenberger. Die Rosenberger Gruppe beschäftigt weltweit mehr als 15.000 Mitarbeiter. Allein am Stammsitz in Fridolfing arbeiten rund 3.500 Menschen auf dem circa 133.000 m2 großen Firmengelände.
Im Sommer 2023 nahm der Anbieter von Verbindungslösungen für die Hochfrequenztechnik am Produktionsstandort in Fridolfing eine neue Entfettungsanlage in Betrieb – mit einer Besonderheit: Bei der neuen Anlage haben sich Helmut Mühlberger und sein Team der Oberflächentechnik ganz bewusst für eine Kohlenwasserstoff-Alkohol-Anlage mit Isoclean RG 59 von Richard Geiss als Reinigungsmedium entschieden, um künftig die gesamte Bandbreite an Reinigungslösungen einsetzen zu können. In Fridolfing stehen bereits vier Entfettungsanlagen mit Perchlorethylen (PER) als Reinigungsmedium, eine Kohlenwasserstoff-Anlage sowie eine geschlossene Vakuum-Anlage, die auf wässriger Basis reinigt. Alle bei Rosenberger in Fridolfing installierten Anlagen stammen von Vapic, einem Spezialisten für die industrielle Bauteilreinigung mit Sitz in Neubulach, Baden-Württemberg.
Enormer Bedarf
Der Entfettungsbedarf ist enorm: Allein im Geschäftsjahr 2025 hat Rosenberger in Fridolfing zwei Milliarden Bauteile gereinigt, pro Monat laufen über 130 Millionen Steckverbinder für die Hochfrequenztechnik durch die unterschiedlichen Entfettungsanlagen. Aktuell boomen Messgeräte für KI-Chips, die Rosenberger ebenfalls in Fridolfing entwickelt und produziert. Die Entfettung in Fridolfing läuft durchgehend auf Hochtouren, an sechs Werktagen, rund um die Uhr im 6/24-Modus.
PER-Umrüstung umgangen
Bei der jüngsten KW-Alkohol-Anlage erwies sich die Inbetriebnahme als kniffliger als ursprünglich geplant. „Gemeinsam mit der Richard Geiss GmbH und Vapic haben wir es geschafft, einen stabilen Prozess zu entwickeln, der keine Wünsche offenlässt. Das hohe Engagement aller Beteiligten hat sich voll ausgezahlt. Jetzt erreichen wir mit der KW-Alkohol-Lösung dieselbe Güte und Oberflächenspannung wie mit einer PER-Anlage“, sagt Mühlberger. Da Rosenberger seine Bauteile nicht nur in die Automobilindustrie liefert, sondern auch in die Luft- und Raumfahrt sowie die Telekommunikations- und Medizintechnik, sind die Ansprüche an den Reinigungsgrad bei der Entfettung besonders hoch.
Sensibles System
„Uns war im Vorfeld klar, dass der Entfettungsprozess bei Rosenberger mit einem Gemisch aus Kohlenwasserstoffen und modifizierten Alkoholen sensibler sein wird als die herkömmliche Entfettung mit PER in den bisher installierten Anlagen. Umso mehr Energie mussten wir in die ständige Überwachung und Optimierung des Prozesses investieren“, erklärt Lech Andrzejewski-Eser, der betreuende Außendienstmitarbeiter im Bereich Oberflächenreinigung bei Richard Geiss.
Täglicher Informationsaustausch
In der Hochzeit der Analyse meldeten Markus Obermayer, Projektleiter Prozessoptimierung bei Rosenberger, und sein Team täglich die Messwerte aus dem Lösemittelbad an die Experten der Richard Geiss GmbH. „Da kam postwendend die Antwort: ,Okay, gebt jetzt mal 150 oder 200 ml Stabilisator dazu.‘ Diesen Prozess haben wir jetzt so optimiert, dass die Stabilisator-Zugabe nach festen Intervallen stattfindet, die sich über den ganzen Tag verteilen“, sagt Obermayer. Stets im Einsatz war bei Rosenberger in dieser Phase der Quick-Test-Koffer zur Vor-Ort-Analyse des Lösemittelbads auf Basis des Isoclean RG 59. Dieser Testkoffer ist mit allen notwendigen Messgeräten, Testreagenzien sowie einer Arbeitsanleitung für die selbständige Lösemittelüberwachung vor Ort ausgestattet. „Den Testprozess kennt unser Team mittlerweile schon auswendig, denn auch unsere PER-Anlagen überwachen wir seit vielen Jahren mit dem Drei-Stufen-Testkoffer von Richard Geiss“, erklärt Obermayer.
Sicherheit im Entfettungsprozess
Bei der Prozessanalyse der neuen KW-Alkohol-Anlage haben Markus Obermayer und Helmut Mühlberger stark vom Rundum-Service von Richard Geiss profitiert: Die Spezialisten im Geiss-Labor untersuchten fortlaufend die Proben aus dem Lösemittelbad, gaben die richtigen Empfehlungen für die Stabilisator-Zugaben und überwachten die Sicherheit im Entfettungsprozess.
Service der Lohnreinigung
Neben dem umfassenden Betreuungsservice bei der Anlageninstallation und im Reinigungsprozess in Fridolfing nutzt Rosenberger bei Richard Geiss auch das Angebot der Lohnreinigung. „Das hilft uns wirklich sehr. Denn gerade bei Zukaufteilen, die wir nicht selbst in Fridolfing produzieren, sondern zum Teil auch von Fremdproduzenten aus Asien beziehen, ist das eine Lösung, die uns eine enorme Sicherheit bietet. Denn die Richard Geiss GmbH kann den eigenen Entfettungsprozess bei sich in Offingen viel schneller an neue und vor allem auch laufend wechselnde Bauteilherausforderungen anpassen als wir in Fridolfing“, erklärt Mühlberger.
Verschärfter Freigabeprozess
Die Prozessoptimierung der Einzelteilfertigung und -entfettung wirkt sich bei Rosenberger auch auf die Beschaffung aus. „Wir haben unsere Einkaufsregularien verschärft. So müssen Vorlieferanten mittlerweile dokumentieren, mit welchen Ölen ihre Bauteile hergestellt wurden. Erst dann erhalten sie von uns die Freigabe“, erklärt Mühlberger.
Anlage umgerüstet
Auch Anlagenbauer Vapic war natürlich voll in den Optimierungsprozess involviert und nahm mehrere Veränderungen an der Anlagentechnik vor. „In der ursprünglichen Konfiguration waren einige Bestandteile noch sehr PER-orientiert. Das war Absicht, weil wir uns eine hybride Lösung als Hintertür offenlassen wollten. Wir haben dann schnell gemerkt, dass es allerdings besser ist, den Absorber oder auch die Aktivkohleeinheit komplett zu umfahren“, so Mühlberger. Außerdem nahm Vapic Anpassungen am Wasserabscheider und an den Vorlagebehältern vor.
Klare Fokussierung notwendig
Was alle Beteiligten aus dem Projekt mitnehmen: Wenn der Entfettungsprozess mit Kohlenwasserstoff und Alkohol funktionieren soll, muss die Anlage von Anfang an zu 100 Prozent auf diese Lösung zugeschnitten sein. „Anders macht es einfach keinen Sinn“, erklärt Michel Lubinsky-Fischer, Vertriebsbereichsleiter Oberflächen- und Textilreinigung bei Richard Geiss. Das Projekt bei Rosenberger sei ein Paradebeispiel für hervorragendes Teamwork und gelebte Partnerschaft. „Wir haben eindrucksvoll bewiesen, dass wir die vier Säulen unserer Marke RG4Chemicals – also: versorgen, begleiten, entsorgen und das Versprechen von Qualität – wirklich auch im Alltag leben“, so Lubinsky-Fischer.
Planung läuft
Dank der Erfahrung, die Rosenberger, Geiss und Vapic aus dem aktuellen Anlagenprojekt gemeinsam gewonnen haben, ist ein neues Selbstbewusstsein gewachsen. 2027 soll die älteste PER-Anlage in Fridolfing ersetzt werden. „Wir haben so viel an Prozess-Know-how gewonnen, dass wir auch die neue Anlage mit Isoclean RG 59 von Geiss fahren werden“, sagt Markus Obermayer.
Gewachsenes Know-how
Das Know-how für die optimale Oberflächenbearbeitung ist bei Rosenberger Hochfrequenztechnik über Jahrzehnte hinweg gewachsen. Helmut Mühlberger ist seit mittlerweile 40 Jahren im Unternehmen und leitete über 15 Jahre lang den Bereich Oberflächentechnik, ehe er den Posten als Gruppenleiter der Einzelteilfertigung übernahm. Auf die Qualitätsprodukte, die Kompetenz und den umfassenden Service von Richard Geiss vertraut Rosenberger in Fridolfing seit über 15 Jahren. „Wir sind damals im Reinigungsprozess komplett von Frischware auf Destillate umgestiegen und haben uns bewusst für die Richard Geiss GmbH als regionalen Partner entschieden, der uns seither wirklich einen Rundum-Service bietet“, so Mühlberger. Die Profis von Geiss übernehmen die Belieferung mit Destillaten, die Entsorgung der Altware, regelmäßige Laboranalysen sowie die Schulung der Mitarbeiter.