Fehlerhafte Verpackungen sicher am laufenden Band aufspüren

Leck in der Folie?

Im Projekt „OCTInline“ hat das Fraunhofer IKTS ein Prüfsystem entwickelt, das Siegelnähte in Folienverpackungen per optischer Kohärenztomographie inline und zerstörungsfrei kontrolliert.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit ChatGPT
04.08.2026

Fehlerhafte Siegelnähte in Folienverpackungen gefährden die Produkt- und Patientensicherheit, insbesondere in der Medizin- und Lebensmittelindustrie. Fraunhofer IKTS setzt deshalb auf die Optische Kohärenztomographie: Das System liefert dreidimensionale Bilder der inneren Strukturen bei laufendem Betrieb.

Jedes Jahr werden Milliarden von Produkten in Folienverpackungen eingeschweißt. Besonders in regulierten Bereichen wie der Medizin- und Lebensmittelindustrie müssen diese Verpackungen zuverlässig dicht sein. Im Projekt „OCTInline“ haben Forschende des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme IKTS ein neuartiges Prüfsystem entwickelt. Mithilfe der Optischen Kohärenztomographie (OCT) können Fehler in Siegelnähten noch während des Verpackungsprozesses in Echtzeit erkannt werden – zerstörungsfrei und mit einer Auflösung bis in den Mikrometerbereich.

„Die Optische Kohärenztomographie ist ein bildgebendes Verfahren auf Basis von Infrarotlicht“, erläutert Conner Phillips, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe Charakterisierungsverfahren am Fraunhofer IKTS. „Es wurde ursprünglich für die Augenheilkunde entwickelt, kann aber die Struktur verschiedenster Materialien unterhalb der Oberfläche dreidimensional und zerstörungsfrei abbilden und so erkennen, wo Inhomogenitäten oder Defekte vorliegen.“ Dazu sendet das System nahinfrarotes Licht in das Material und erfasst die reflektierten Signale. Aus diesen Daten entstehen hochaufgelöste, dreidimensionale Bilder der inneren Struktur. Materialfehler, Lufteinschlüsse oder unzureichend verschweißte Bereiche werden sichtbar, ohne dass die Verpackung oder das Produkt beschädigt werden.

Fehler erkennen bei voller Produktionsgeschwindigkeit

Im öffentlich geförderten Projekt „OCTInline“ haben die Forschenden des IKTS die OCT-Technologie direkt in den Versiegelungsprozess der Verpackungsmaschine eines Industriepartners integriert. So prüft das System im laufenden Prozess bei einer Produktionsgeschwindigkeit von bis zu 25 m pro Minute kontinuierlich und zerstörungsfrei die Qualität der entstehenden Siegelnaht. „Wir können dabei Poren bis zu einer Größe von acht Mikrometern in der Siegelnaht entdecken und visualisieren“, sagt Ralf Schallert, Gruppenleiter für Charakterisierungsverfahren am Fraunhofer IKTS.

Die eigentliche Herausforderung liegt in der Kombination von hoher Auflösung und hoher Produktionsgeschwindigkeit. Je kleiner die Defekte sind, desto mehr Daten müssen erfasst und verarbeitet werden. Auch die Integration in den industriellen Prozess stellte das Projektteam vor Herausforderungen. Bereits kleinste Schwingungen der Folie können die Messung beeinflussen. „Wir mussten einen Balancepunkt zwischen Schärfentiefe, Belichtungszeit und der Bewegung der Folie finden“, so Phillips.

Neue Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Verpackungen steigern die Bedeutung einer zuverlässigen Siegelnahtprüfung. Immer mehr Hersteller setzen auf recyclingfähige Monofolien, da diese sich besser wiederverwerten lassen als mehrschichtige Verbundmaterialien. „Monofolien sind aus ökologischer Sicht sehr interessant, leider treten hier aber häufiger fehlerhafte Siegelnähte auf“, sagt Schallert. „Dadurch steigt der Bedarf an einer kontinuierlichen Kontrolle.“

Werkzeugverschleiß im Blickund Produktionsausfälle vermeiden

Die Echtzeitprüfung bietet Herstellern mehrere Vorteile. Durch die schnelle Erkennung von Fehlern lassen sich Ausschuss und Materialverbrauch reduzieren. Zusätzlich liefert das System Informationen über den Zustand von Maschinen und Werkzeugen. „Viele Fehler entstehen, weil Druck und Temperatur nicht optimal auf das Material abgestimmt sind oder weil sich das Werkzeug mit der Zeit abnutzt“, erläutert Schallert. „Mit den OCT-Daten können wir solche Veränderungen sichtbar machen und auch frühzeitig erkennen, wann beispielsweise ein Werkzeugwechsel notwendig wird.“

Ein Demonstrator des Systems wird seit Juli 2026 beim Projektpartner Kallfass Verpackungsmaschinen in Nürtingen eingesetzt und dort potenziellen Kunden vorgestellt. „Die Verpackungsindustrie ist nur eines von vielen Einsatzfeldern dieser Technologie“, ergänzt Schallert. Die Systeme können individuell an unterschiedliche Materialien und Anforderungen angepasst werden. Dadurch lässt sich die Technologie für sehr unterschiedliche industrielle Fragestellungen nutzen.

Grundsätzlich eignet sie sich für transparente und teiltransparente Materialien sowie für zahlreiche Aufgaben der industriellen Qualitätssicherung. Neben Verpackungen können beispielsweise auch funktionale Beschichtungen, keramische Komponenten oder additiv gefertigte Bauteile untersucht werden. „Überall dort, wo dünne Schichten, innere Strukturen oder kleinste Defekte zuverlässig erkannt werden müssen, kann die OCT einen wichtigen Beitrag leisten – von der Medizintechnik über funktionalisierte Oberflächen bis hin zum industriellen 3D-Druck“, so Schallert.

Bildergalerie

  • Mithilfe des Prüfsystems auf Basis der optischen Kohärenztomographie (OCT) des Fraunhofer IKTS können Fehler in Siegelnähten bereits während des Verpackungsprozesses zerstörungsfrei, hochauflösend und in Echtzeit identifiziert werden.

    Mithilfe des Prüfsystems auf Basis der optischen Kohärenztomographie (OCT) des Fraunhofer IKTS können Fehler in Siegelnähten bereits während des Verpackungsprozesses zerstörungsfrei, hochauflösend und in Echtzeit identifiziert werden.

    Bild: Fraunhofer IKTS

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