Die robusten Benzberg-Muldenkipper sind bestens für den Industrie- und Bergbaubereich geeignet.

Bild: B&R

Robuste Muldenkipper Modulare Steuerungssysteme im Offroad-Schwerlasttransport

07.01.2019

In unwegsamem Gelände sind Muldenkipper unverzichtbare Helfer, um große Lasten effizient zu bewegen. Der Fahrzeughersteller Benzberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, besonders robuste Lösungen für den Industrie- und Bergbaubereich zu entwickeln. Dafür hat er gemeinsam mit B&R eine neue modulare Steuerung konzipiert.

Kunden im Offroad-Schwerlasttransportwesen haben vor allem mit einem Problem zu kämpfen: Es gibt keine Fahrzeuge auf dem Markt, die hohen Anforderungen unter extremen Umgebungsbedingungen standhalten und zugleich ohne großen Serviceeinsatz betreibbar sind. Dieses Manko erkannte Herbert Schneeberger, Unternehmensgründer und Geschäftsführer des oberösterreichischen Fahrzeugherstellers Benzberg. Sein Ziel bei der Neugründung des Unternehmens vor sechs Jahren war klar: Individuelle Sonderlösungen im Schwerlasttransport sollen möglichst realitätsnah umgesetzt werden.

Neben Benzbergs Hauptstandort in Schörfling am Attersee gibt es eine Komponentenproduktion in Fornach und ein Montagewerk in Liezen. Insgesamt werden rund 65 Mitarbeiter beschäftigt. Fast 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Benzberg mit Sonderfahrzeugen. Die verbleibenden 30 Prozent entfallen auf die Herstellung von Tiefbau-Muldenkippern.

Neue B&R-Steuerung

Für den Transport von tonnenschweren Lasten in unwegsamem Gelände benötigen die Benzberg-Fahrzeuge spezielle Achsen- und Hydraulikauslegungen. Zu diesem Zweck wurde mit dem Unternehmen Scharmüller, einem Hersteller von Anhängerkupplungen, ein modulares Achskonzept entwickelt, das bei den Muldenkippern sowohl für Fahrkomfort als auch für die nötige Stabilität sorgt.

Auch für die Entwicklung eines neuen Steuerungssystems zur präzisen Steuerung des Hangausgleichs fand Benzberg einen kompetenten Partner: „Auf unserer Suche nach einem Entwicklungspartner, mit dem wir einen neuen Prototyp bauen konnten, wurde uns B&R empfohlen. Nach eingehender Prüfung haben wir entschieden, die Zusammenarbeit mit unserem bisherigen Hersteller zu beenden und zu B&R zu wechseln. Dabei war uns auch die geografische Nähe von B&R zu unserem Standort wichtig, weil dies die Umsetzung eines gemeinsamen Projekts wesentlich vereinfacht“, sagt Schneeberger.

Spannende Zusammenarbeit

Die Anforderungen an die neue Steuerung waren klar definiert: Die eingesetzten Systeme mussten modular, extrem robust, schmutz- und wasserresistent, temperaturbeständig und weltweit einfach zu warten sein. „Die Zusammenarbeit war für uns sehr spannend“, verrät Bernhard Schmidthammer, Vertriebsmanager bei B&R. „Benzberg und Scharmüller sind bei uns Pilotkunden – das bedeutet, dass wir gemeinsam ein neues Produkt entwickelt haben. Durch die enge Zusammenarbeit im Team wurde enormes Know-how aus verschiedenen Bereichen eingebracht – eine ideale Ergänzung.“

Das gemeinsame Projekt startete im Dezember 2016. Das Projektteam setzte sich aus jeweils zwei Mitarbeitern von B&R und Benzberg/Scharmüller zusammen. Alle zwei Wochen kam das Team zusammen, um die notwendigen Meilensteine zu erarbeiten, die dann Schritt für Schritt umgesetzt wurden. Insgesamt erstreckte sich die Entwicklungsphase über rund sechs Monate. Anschließend begann die Inbetriebnahme und Offroad-Testphase, die rund acht Wochen andauerte und rund 3.000 Fahrstunden beinhaltete. Nach der Testphase dann der Feinschliff: Zwei Wochen lang wurden die Testergebnisse ausgewertet und die Programmierung entsprechend nachjustiert.

Steuerung mit Touchdisplay

Für die Steuerung des Hangausgleichs sorgt nun das X90-Steuerungssystem von B&R, das sich mit einem Touchdisplay bedienen lässt. Zusätzlich kommen ein Wiegesystem und eine GPS-Überwachung zum Einsatz. Das Wiegesystem zeigt Informationen bezüglich des Ladevolumens an und führt dank seiner exakten Abrechnung und genauen Berichterstattung zu einer deutlichen Effizienzsteigerung. Mit der GPS-Überwachung, die bei vielen Fahrzeugen in der Baubranche bereits zum Standard gehört, lassen sich nicht nur Fahrzeuge orten, sondern auch Streckenverläufe nachvollziehen, Maschinenlaufzeiten exakt erfassen und Wartungsintervalle festlegen.

Ab 2018 in Serie

„Der Prototyp ist fertig gebaut – die verbleibenden 10 Prozent, die noch bis zum Abschluss des Projekts fehlen, betreffen die mitrotierenden Antriebsachsen“, freut sich Schneeberger. „Damit sind dann alle Punkte erfüllt, die beim Projektstart definiert worden waren. Und als letzter Schritt folgt die Serienreife.“ Das Projekt war für alle Beteiligten eine spannende Herausforderung – umso größer ist natürlich die Freude, dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert hat und die B&R-Lösung alle gestellten Anforderungen bestens erfüllt. Herbert Schneebergers Fazit: „Besonders positiv fiel uns die Robustheit der B&R-Produkte unter extremen Umgebungsbedingungen auf. Auch die Zusammenarbeit mit B&R war sehr konstruktiv und freundschaftlich, fast familiär. Da wir ein Familienunternehmen sind, wurde dies bei uns im Haus sehr positiv wahrgenommen.“

Die neuen Muldenkipper werden ab 2018 in Serie gefertigt. Bis dahin werden alle Zwei-, Drei- und Vierachser von Benzberg denselben Softwarestand haben. Somit können Kunden ihr Fahrzeug ganz individuell nach ihren Anforderungen konfigurieren.

Bildergalerie

  • Mit dem X90-Modul lässt sich der Zustand einer Arbeitsmaschine permanent überwachen, wodurch Kosten für ungeplante Serviceeinsätze vermieden werden und die Maschinenverfügbarkeit steigt.

    Bild: B&R

  • Bernhard Schmidthammer (B&R, links), Benzberg-Geschäftsführer Herbert Schneeberger (Mitte) und Josef Joachimbauer (B&R, rechts) vor einem Benzberg-Muldenkipper.

    Bild: B&R

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel