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Schneller mit einbaufertigen Energieketten Modulare Lagertürme

30.10.2018

Der Platz im Lager wird in der heutigen Losgröße-1-
Fertigung immer knapper. Ein Intralogistik-Hersteller hat hierfür eine Lösung und auch den passenden Kabel-
Spezialisten gefunden. Einbaufertige Energieketten 
verkürzen die Produktionszeiten signifikant.

SSI Schäfer, der Hersteller für intralogistische Produkte und Systeme, hat sich eine Lösung ausgedacht, wie man den knappen Platz in Fabriken besser nutzen kann. So entstand vor gut zehn Jahren das Logimat-Konzept: Die Lagerlifte zum Kommissionieren sind bis zu 24 Meter hoch, darin sind übereinander Schubladen gestapelt, die sich motorgetrieben herausziehen und nach unten fahren lassen. In wenigen Sekunden erscheint das Fach mit dem gewünschten Teil in der Ausgabeluke. Aufgrund der großen Nachfrage sind die Stückzahlen förmlich explodiert und das Unternehmen kam kaum noch mit der Produktion hinterher. 2014 entschloss sich das Unternehmen, das Logimat-Konzept einem Redesign zu unterziehen, wobei das Einsparen von Arbeitszeit bei der Montage ganz oben auf der Wunschliste stand. „Die Kunden sind ungeduldiger geworden. Statt früher zwölf Wochen von der Bestellung bis zur Lieferung, dauert es heute nur noch vier Wochen. Hierbei bekommen wir Unterstützung von Lapp“, sagt Robert Selzer, Geschäftsführer von SSI Schäfer in Hranice, Tschechien.

Energieketten zum Einhängen

Seit 2018 fertigt Lapp in seinem Werk im tschechischen Otrokovice Energieketten für das System Logimat. Sie enthalten alle Leitungen in der richtigen Länge inklusive Steckverbinder. Bei SSI Schäfer wird die Kette nur noch eingehängt, die Steckverbinder geschlossen und fertig ist die Lösung. Auch das Engineering haben Lapp-Ingenieure nach Vorgaben des Kunden geleistet. „Wir stellen die komplette Elektroinstallation als Kabelkonfektion her und liefern eine Systemlösung für verschiedene Maschinenkonstruktionen“, sagt René Sedlák, Geschäftsführer von Lapp in Tschechien. „Durch die gemeinsame Entwicklung konnten wir eine passende Lösung anbieten, die den Anforderungen des Kunden entspricht.“

Im größten Logimat-Turm, mit 24 Meter Höhe, überbrückt die Energiekette eine Strecke von etwa zwölf Metern. Darin stecken Ölflex-Servoleitungen sowie Datenleitungen der Marke Unitronic – insgesamt fünf unterschiedliche Leitungstypen, allesamt in der flexiblen Version für bewegliche Anwendungen, die für millionenfache Wechselbiegezyklen ausgelegt sind. Alle Teile hat der Kabel-Hersteller stets am Lager, um auch in Nachfragespitzen schnell liefern zu können. Ist die Kette bestückt, prüft Lapp sie vor der Auslieferung auf Herz und Nieren und stellt damit die immer gleichbleibend hohe Qualität sicher. Kunden, die eine Energiekette selbst bestücken möchten, haben diese Expertise in der Verbindungstechnik nicht und so können sie die Qualität nicht immer auf höchstem Niveau gewährleisten. „Wir sind fast jede Woche bei SSI Schäfer und arbeiten sehr eng mit der technischen Abteilung des Kunden zusammen“, sagt Pavla Borovianova, Produktmanagerin bei Lapp in Tschechien. Lapp ist übrigens nicht nur Lieferant für SSI Schäfer, sondern ebenso Kunde. Das Werk in Otrokovice hat einen Logimat-Turm für die eigene Lagerhaltung von Stückmaterial angeschafft. „Damit können wir Kunden einen schnelleren Service bieten. Mit dieser Investition haben wir bis zu 70 Prozent Lagerfläche gespart“, so René Sedlák.

Eine wichtige Anforderung beim Redesign von Logimat ist die erforderliche UL-Zertifizierung aller erforderlichen Komponenten. Die Logimat-Türme von SSI Schäfer gehen in alle Welt, auch nach Nordamerika, dort gelten andere Normen und Standards. Lapp hat es sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele seiner Komponenten für alle Märkte zu zertifizieren. Für die Kunden senkt das die Komplexität und die Zahl der Teile, denn es spielt für die Bestückung einer Anlage keine Rolle mehr, in welchem Land sie betrieben wird. Gerade bei Schleppketten gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Europa und Nordamerika. So muss in einer Schleppkette für den nordamerikanischen Markt jede Leitung in einem separaten Fach liegen. Das soll die elektrostatische Aufladung minimieren und das Entzünden von Bränden verhindern.

Systemlösungen zunehmend gefragt

Unter dem Namen Ölflex Connect bündelt Lapp alle globalen Aktivitäten der Konfektionierung inklusive Beratung für die Kunden. Dieses Geschäft mit kompletten Systemlösungen wächst stark. Eine Säule ist Chain, das Angebot kompletter Energiekettensysteme. Das Unternehmen hat dazu sein internationales Netzwerk für die Produktion fertiger Verkabelungslösungen weiter ausgebaut. Der Standort Otrokovice in Tschechien fertigt für Kunden in ganz Europa Verbindungssysteme von einfachen Lösungen bis hin zu kompletten Energieketten. Er ist Teil eines internationalen Produktionsnetzwerks mit Werken in Europa, Asien und den USA.

Um die Systemlösungsaktivitäten auf allen Kontinenten zu stärken, hat Lapp neben mehreren Fertigungsstandorten drei Kompetenzzentren eingerichtet: in Singapur, in New Jersey sowie das europäische Kompetenzzentrum mit Sitz in Stuttgart. Neben diesen Kompetenzzentren und dem Fertigungsstandort Otrokovice unterhält Lapp in Desio (Italien), Nyköping (Schweden), Shanghai (China) und Bangalore (Indien) Standorte, die nationale Märkte bedienen. Darüber hinaus dienen alle Landesgesellschaften als direkte Ansprechpartner für die Kunden.

Bildergalerie

  • In den Logimat-Türmen sind übereinander Schubladen gestapelt, die sich motorgetrieben herausziehen und nach unten fahren lassen.

    Bild: Lapp

  • Unter dem Namen Ölflex Connect hat Lapp alle globalen Aktivitäten der Konfektionierung inklusive Beratung für die Kunden gebündelt, eine Säule ist Chain, das komplette Energiekettensysteme anbietet.

    Bild: Lapp

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