Die Schätzung der Bundesregierung, wonach zwischen 70 und 80 Prozent der in Europa installierten Wechselrichter von chinesischen Herstellern stammen, lässt vermuten, dass die Gefahr seltener von einzelnen böswilligen Akteuren ausgeht als vielmehr von der Häufung bestimmter Anbieter. Für einen koordinierten Fernzugriff auf Tausende vernetzter Geräte bedarf es daher keiner dramatischen Sicherheitslücke. Es reicht vielmehr aus, wenn die Überwachung nur ein einziges Mal versagt.
Drittanbieter als Security-Lücke
Die Überprüfung von §41 des BSI-Gesetzes und die Diskussion über eine EU-Liste risikoreicher Anbieter werden Zeit in Anspruch nehmen, bis sie zu einem Ergebnis führen. Was deutsche Energieversorger jedoch sofort angehen können, ist die Zugriffsebene selbst.
Eine Studie von Keeper Security aus dem Jahr 2026 zeigt auf, dass die mangelnde Kontrolle des Zugriffs durch Drittanbieter mittlerweile zu den größten Cybersicherheitslücken zählt, die von deutschen Unternehmen genannt werden (25 Prozent). Zudem gibt ein vergleichbarer Anteil (23 Prozent) Vorfälle mit Drittanbietern als Grund für den steigenden Sicherheitsdruck an.
Konkrete Maßnahmen bei Wechselrichtern
Bei den Debatten über die Herkunft der Anbieter geht es darum, woher eine Komponente stammt. Die sinnvollere Frage ist jedoch, was sie nach der Installation leisten kann, etwa ob Aktivitäten auf dieser Komponente auf Sitzungsebene sichtbar sind und ob der Zugriff nach Abschluss der Aufgabe erlischt, anstatt auf unbestimmte Zeit offen zu bleiben. Kontrollen nach dem Least-Privilage-Prinzip und dem Zero-Trust-Ansatz, die auf jedes vernetzte Gerät unabhängig vom Hersteller angewendet werden, verhindern, dass ein Wechselrichter zu einer „offenen Tür“ ins Netz wird.
Die Segmentierung von Wechselrichter-Netzwerken zentraler Betriebssysteme und die Überprüfung der Zugriffsprotokolle der Hersteller in festgelegten Abständen – nicht erst nach einem Vorfall – sind konkrete Maßnahmen, die bereits jetzt ergriffen werden können, während Berlin und Brüssel noch darüber diskutieren, wo die Grenze gezogen wird.