Laut einem geleakten Entwurf zur Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) plant das Bundeswirtschaftsministerium massive Einschnitte für neue Solarstromanlagen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) stuft dies als Frontalangriff auf die Energiewende in Deutschland ein. Sollte der Gesetzesentwurf in der vorliegenden Fassung umgesetzt werden, wären zehntausende Arbeitsplätze in der Solarbranche ebenso gefährdet wie das Erreichen der Klimaziele. Die Solarbranche appelliert an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, von den Plänen Abstand zu nehmen, da diese nicht vom Koalitionsvertrag gedeckt sind.
Wird der PV‑Boom gestoppt?
Aus dem geleakten Referentenentwurf geht hervor, dass die Förderung neuer privater Solarstromanlagen komplett gestrichen werden soll. Selbst Betreiber neuer Photovoltaik-Kleinanlagen sollen ihren in das öffentliche Stromnetz eingespeisten Solarstrom künftig zudem direkt an der Strombörse vermarkten müssen.
Sollten diese Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, dürfte die Errichtung neuer Solarstromanlagen auf privaten Gebäuden weitgehend zum Erliegen kommen. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov im Auftrag des BSW-Solar unter 1.048 Immobilienbesitzern würden sich nur noch 40 Prozent der Befragten eine Dachanlage anschaffen, wenn die Förderung weitgehend oder ganz gestrichen würde. Die Einschnitte treffen auf eine ohnehin in den letzten zwei Jahren stark rückläufige PV-Nachfrage im Heimsegment. Während 2023 noch PV-Dächer mit einer Leistung von rund 8 GW neu installiert wurden, waren es 2025 nur noch rund 5 GW.
Neue EEG‑Pläne könnten den Ausbau abwürgen
„Die Abschaffung der EEG-Vergütung und der Zwang zur Direktvermarktung würden die Bürger-Energiewende zum Erliegen bringen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Die EEG-Einspeisevergütung sei für die meisten neuen Solaranlagenbetreiber nach wie vor zwingend notwendig, um eine ausreichende Rentabilität zu gewährleisten. Ein Förderstopp für Solaranlagen widerspricht zudem dem Wählerwillen. Eine deutliche Mehrheit von rund 78 Prozent der Bevölkerung wünscht sich, dass die Bundesregierung den Ausbau der Solarenergie beschleunigt oder auf aktuellem Niveau weiterführt. Unter Anhängern der Union sind es einer YouGov-Umfrage im Auftrag des BSW-Solar zufolge sogar rund 86 Prozent.
Körnig hält die vom BMWE geplante Direktvermarktungspflicht für alle Solaranlagen für ähnlich gefährlich wie die geplanten Einschnitte bei der EEG-Förderung. Die dafür notwendigen (Marktkommunikations-)Prozesse werden von den Netzbetreibern noch nicht im Massengeschäft beherrscht. Zudem fehlt es weiterhin nahezu flächendeckend am für die Direktvermarktung kleiner Solarstromanlagen notwendigen Einbau von intelligenten Messsystemen. Eine zeitnahe Verpflichtung zur Direktvermarktung für kleine Solaranlagen lehnt die Solar- und Speicherbranche deshalb ab.
Geplanter Zwang zur Direktvermarktung
Dr. Verena Fluri, Expertin für Energiewirtschaft am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme und Autorin der kürzlich veröffentlichten Studie zur Direktvermarktung kleiner PV-Anlagen, erläutert: „Unsere Studie zeigt, dass die Prozesse in der Direktvermarktung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht reif für eine großskalige Nutzung im PV-Eigenheimsegment sind. Ein Wechsel in die Direktvermarktung würde die Wirtschaftlichkeit von PV-Kleinanlagen deutlich verschlechtern und viele neue Anlagen unwirtschaftlich machen.“
Da die Schaffung dieser Voraussetzungen noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen werde, käme eine Verpflichtung zur Direktvermarktung kleiner PV-Anlagen faktisch einem weitgehenden Ausbaustopp gleich.