Neue Anforderungen an moderne Datacenter-Projekte

KI treibt den Datacenter-Boom

Künftig wird nicht allein die Größe eines Projekts über dessen Erfolg entscheiden, sondern vor allem die Fähigkeit, komplexe Infrastrukturvorhaben effizient und nachhaltig umzusetzen“, weiß Paulos Marx, geschäftsführender Gesellschafter von RPM Technical Solutions.

Bild: iStock, Negro Elkha
15.07.2026

Europas Rechenzentrumsmarkt wächst rasant, doch Kapital allein reicht nicht aus. RPM Technical Solutions warnt: Der Fachkräftemangel, knappe Netzanschlüsse und die steigende Komplexität von Projekten werden zum eigentlichen Wachstumshemmnis im Datacenter-Boom.

Europas Rechenzentrumsmarkt wächst schneller als jemals zuvor. Doch mit jedem neuen Megawatt steigen nicht nur die Investitionen, sondern auch die technischen Anforderungen an Planung, Energieversorgung und Projektrealisierung. Parallel dazu investieren Hyperscaler, Colocation-Anbieter und Unternehmen in den Neubau sowie die Erweiterung bestehender Standorte. Für Betreiber und Investoren eröffnen sich dadurch attraktive Wachstumschancen. Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Planung, Energieversorgung und Projektumsetzung erheblich. „Künftig wird nicht allein die Größe eines Projekts über dessen Erfolg entscheiden, sondern vor allem die Fähigkeit, komplexe Infrastrukturvorhaben effizient und nachhaltig umzusetzen“, weiß Paulos Marx, geschäftsführender Gesellschafter der RPM Technical Solutions GmbH, und ergänzt: „Der Markt wächst mit beeindruckender Geschwindigkeit. In dem Zuge beobachten wir, dass die technische und organisatorische Komplexität der Projekte deutlich zunimmt. Wachstum allein reicht deshalb nicht aus – entscheidend ist die Qualität der Umsetzung.“

Neue Investitionen verlangen langfristige Infrastrukturstrategien

Längst ist der Ausbau von Rechenzentrumskapazitäten zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor geworden. Unternehmen benötigen zunehmend hochverfügbare IT-Infrastrukturen, während gleichzeitig die Anforderungen an Energieeffizienz, Resilienz und Skalierbarkeit steigen. Investoren sehen im Datacenter-Sektor weiterhin attraktive Renditechancen, stehen jedoch vor der Herausforderung, Projekte langfristig wirtschaftlich und zukunftssicher auszulegen. Insbesondere KI-Rechenzentren verändern die Anforderungen an Planung und Bau grundlegend. Höhere Leistungsdichten, neue Kühlkonzepte und deutlich größere Anschlussleistungen verlangen nach vollständig neuen Infrastrukturstrategien.

„Die eigentliche Investition besteht heute nicht nur im Gebäude, sondern in einer Infrastruktur, die über viele Jahre flexibel erweitert und an neue Anforderungen angepasst werden kann. Wer ausschließlich den kurzfristigen Bedarf plant, schafft morgen neue Engpässe“, sagt Marx. Vor diesem Hintergrund gewinnen modulare Ausbaukonzepte und skalierbare Energieinfrastrukturen zunehmend an Bedeutung. Bereits in der frühen Planungsphase müssen zukünftige Leistungsdichten, Erweiterungsflächen sowie Reserven in der elektrischen Versorgung berücksichtigt werden. Es rücken außerdem Fragen der Nachhaltigkeit stärker in den Fokus, etwa durch energieeffiziente Versorgungssysteme und die Optimierung des gesamten Anlagenbetriebs.

Engpass liegt zunehmend in der Projektumsetzung

Während Kapital für Datacenter-Projekte vielerorts verfügbar ist, entwickeln sich Planungskapazitäten, Lieferketten und qualifizierte Fachkräfte zunehmend zu limitierenden Faktoren. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Genehmigungsverfahren sowie die Integration komplexer technischer Systeme. Insbesondere Modernisierungen und Kapazitätserweiterungen im laufenden Betrieb verlangen ein hohes Maß an Koordination und technischem Know-how. Gleichzeitig gewinnt ein strukturiertes Commissioning zunehmend an Bedeutung.

Erst die systematische Prüfung sämtlicher technischen Gewerke unter realen Betriebsbedingungen schafft die Grundlage für einen sicheren Go-Live. „Die größte Herausforderung besteht heute nicht darin, ein Rechenzentrum zu bauen. Die Herausforderung besteht darin, es innerhalb engster Terminfenster sicher und ohne Kompromisse bei der Verfügbarkeit umzusetzen. Gerade bei Umbauten im Bestand sind Erfahrung und belastbare Projektstrukturen entscheidend“, betont der Experte. Die zunehmende Komplexität moderner Rechenzentren führt dazu, dass Bauherren immer häufiger auf Generalunternehmer setzen. Sie reduzieren Schnittstellen zwischen Planung, Ausführung und Inbetriebnahme, beschleunigen Entscheidungsprozesse und verringern Projektrisiken.

Energieversorgung wird zum Schlüssel für weiteres Marktwachstum

Mit dem steigenden Leistungsbedarf moderner Rechenzentren rückt die Energieinfrastruktur zunehmend in den Mittelpunkt strategischer Investitionsentscheidungen. Zunehmend entscheidet nicht mehr die Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke über neue Rechenzentrumsprojekte, sondern die Verfügbarkeit ausreichender Netzanschlussleistungen. Darüber hinaus müssen Betreiber ihre Infrastruktur so auslegen, dass Erweiterungen auch während des laufenden Betriebs realisiert werden können. „Die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Erfolgreich werden jedoch diejenigen Betreiber sein, die technische Flexibilität, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Effizienz von Anfang an gemeinsam denken“, erläutert Paulos Marx. Zu einem der entscheidenden Erfolgsfaktoren für Betreiber und Investoren im wachsenden Datacenter-Markt wird daher die Fähigkeit, bestehende Infrastrukturen effizient weiterzuentwickeln und neue Kapazitäten schnell bereitzustellen.

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  • Paulos Marx, geschäftsführender Gesellschafter von RPM Technical Solutions.

    Paulos Marx, geschäftsführender Gesellschafter von RPM Technical Solutions.

    Bild: RPM Technical Solutions

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