Nach einer Ausbildung zum Energieelektroniker und Kälteanlagenbauermeister und einer Tätigkeit als Montage- und Serviceleiter in einem Kältefachbetrieb gründete Burkhard Rüßmann 1991 die L&R Kältetechnik, die heute mit rund 130 Mitarbeitern industrielle Kälteanlagen für verfahrenstechnische Prozesse und Produktionsabläufe projektiert und fertigt.

Bild: L&R Kältetechnik

Kommentar Kältetechnik: Was kommt, was bleibt, was geht?

30.10.2019

Keine Frage: Die Digitalisierung stellt jedes produzierende Unternehmen vor große Herausforderungen – in der Produktion, bei den Produkten und den Geschäftsprozessen. Wie geht ein mittelständischer Hersteller der Prozesstechnik mit dieser Perspektive um?

Burkhard Rüßmann war mit diesem Beitrag im P&A-Kompendium 2019 als einer von 100 Machern der Prozessindustrie vertreten. Alle Beiträge des P&A-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen .

Digitalisierung, Industrie 4.0 und Internet der Dinge sind die Begriffe, die für den aktuellen Wandel in der prozesstechnischen Produktion stehen. Die Veränderungsgeschwindigkeit, so wird uns versichert, ist extrem hoch.

Wandel und Innovation allein reichen nicht aus, um den Bestand eines Unternehmens zu sichern. Bestehende Geschäftsmodelle und -prozesse müssen auf den Prüfstand gestellt werden, und am besten, so scheint es, erfindet man sich gleich ganz neu.

Zwei Kernfragen für Kältetechnik-Hersteller

In dieser Situation ist zunächst eine besonnene Bestandsaufnahme erforderlich. Sonst kann es sein, dass man mit Schwung und Überzeugung in die falsche Richtung rennt.

Die beiden Kernfragen aus Sicht von L&R Kältetechnik lauten: Welche Auswirkungen wird die Digitalisierung auf die Märkte und Technologien haben, in denen sich ein mittelständischer Hersteller von industrieller Kältetechnik bewegt? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für unser Unternehmen?

Zunächst müssen wir uns auf ein nochmals höheres Prozesstempo einstellen – sowohl was die Veränderungsgeschwindigkeit als auch die Durchlaufzeiten der Projekte angeht, sprich das Engineering und die Produktion der Kälteanlagen. Agilität und Anpassungsfähigkeit stehen deshalb auf der Agenda.

Neues Kapitel in der Kundenorientierung

Hier sehen wir uns als flexibler Mittelständler schon gut vorbereitet, können aber noch besser werden. Was die Kundenorientierung betrifft, wird mit Industrie 4.0 ein neues Kapitel aufgeschlagen: Jedes Produkt wird kundenspezifisch gefertigt, und zwar so effizient wie ein Serienprodukt. Da wir grundsätzlich jede Kälteanlage individuell projektieren, sind wir in diesem Bereich bereits gut positioniert.

Auch im Bereich der Vernetzung und Integration haben wir Vorarbeit geleistet. Dazu hat die eigentlich „altmodische“ Tradition der hohen Fertigungstiefe beigetragen: Wir programmieren die Steuerungen unserer Anlagen prinzipiell selbst. Das gibt uns die Freiheit, auch die Software individuell an den Kundenbedarf und die Betriebsweise der Anlage anzupassen.

Nachhaltige Kälteerzeugung

Und ganz unabhängig von Digitalisierung und Smart Factory wird das Thema Nachhaltigkeit nach unserer Einschätzung weiter an Bedeutung gewinnen. Hier erleichtert die Digitalisierung eine effiziente, stets am aktuellen Bedarf orientierte Kälteerzeugung. Das spart Kosten und schont zugleich die Umwelt.

Die aktuellen Debatten – zum Beispiel um CO2-Ausstoß und Verpackungsmaterialien – deuten darauf hin, dass die Nachhaltigkeit, auf die wir bei der Projektierung unserer Anlagen traditionell großen Wert legen und die auch die Auswahl der Kältemittel beeinflusst, künftig noch stärker gewichtet wird.

Neuheiten und gute alte Tugenden

Wenn man ein Fazit zieht und einen Ausblick auf die kommenden zwei, drei Jahre wagt, kann man festhalten: Es wird viele Veränderungen geben, und das in höherer Geschwindigkeit.

Aber nicht alles wird anders. Die „guten alten“ Tugenden wie Kundenorientierung, hohe Engineering-Kompetenz sowie nachhaltige Entwicklung und Projektierung werden auch in der digitalisierten Prozesstechnik der Zukunft hohen Stellenwert haben. Denn nach wie vor werden Menschen über Technologien und Investitionen entscheiden.

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