Hans-Ludwig Göhringer ist Geschäftsführer und Inhaber der IVG Göhringer. Zudem ist er Mitglied unter anderem im EMV Kompetenznetzwerk, DEMVT, PNO und VDE.

Bild: IVG Göhringer

Kommentar 21 Jahre Fehlersuche

30.10.2019

Mit Ethernet wird alles besser – das war die einhellige Meinung der Fachwelt, als die industrielle Netzwerktechnik begonnen hatte, die Feldbusse zu verdrängen. Man war der Meinung, man steckte einfach die geprüften Ethernet-Kabel zusammen und dann läuft alles. Aber müsste sich mit dem Aussterben der Feldbusse nicht so manches Unternehmen ein neues Betätigungsfeld suchen?

Hans-Ludwig Göhringer war mit diesem Beitrag im A&D-Kompendium 2019/2020 als einer von 100 Machern der Automation vertreten.

Als kleiner, aber feiner Mittelständer haben wir uns über viele Jahre ein umfassendes Know-how im Bereich der Fehlersuche und Instandhaltung von industriellen Netzwerk- und Feldbusinstallationen aufgebaut. Wir sind häufig als Troubleshooter an Maschinen und Anlagen im Einsatz, die aufgrund von Bus- oder Netzwerkproblemen störanfällig sind oder gar nicht mehr laufen. Beauftragt werden wir entweder vom Instandhalter einer Anlage – oder, wenn es schon bei der Inbetriebnahme klemmt – direkt vom Maschinenbauer oder einem seiner Zulieferer.

Feldbusse sterben nur langsam aus

Durch unsere langjährige Erfahrung – das machen wir seit mittlerweile 21 Jahren – können wir den Fehler in der Regel schnell eingrenzen. Wir wissen, an welche Stellen wir näher hinschauen müssen. Die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich und nicht zu vergleichen mit einem 9-to-5-Schreibtischjob. Uns gefallen die täglichen Herausforderungen – man weiß nie, was einen genau erwartet – und die Dankesworte der Kunden, wenn wir fertig sind und die Anlage wieder läuft.

Um unser Geschäftsmodell mussten wir, uns aus Sicht der Technik, nie wirklich Sorgen machen. Zum einen sterben die Feldbusse viel langsamer aus, als dass das Marketing rund um Industrial Ethernet wahrhaben möchte. Zum anderen sind IP-basierte industrielle Netzwerke zwar prinzipbedingt sehr robust gegenüber Störeinflüssen – aber es kommt auch hier zu unerwarteten Ausfällen.

Fehlersuche ist bei Ethernet schwierig

Vor allem bei der Betrachtung der EMV zeigt sich, dass hinter der neuen Technologie deutlich mehr steckt als der schlichte Wechsel von seriell auf Ethernet. Zudem kann man beim Potentialausgleich, bei der Schirmauflage und bei der Qualität der Leitung und der Steckverbinder im Prinzip ähnlich viele Fehler machen wie bei einer klassischen Feldbusinstallation.

Zudem gestaltet sich bei Ethernet-basierten Systemen die Fehlersuche – im Vergleich zu klassischen Feldbussystemen – schwieriger, da die Frequenzen von Nutzsignal und Störgröße oft im selben Bereich liegen. Die Zusammenhänge werden komplexer, was unsere Aufgaben unübersichtlicher macht. Gleichzeitig merken wir, dass das Wissen um die physikalischen Effekte seit Jahren kontinuierlich abnimmt.

Der Bewertung der EMV, die in der täglichen Praxis häufig Störungen in der Datenübertragung verursachen, sollte schon bei der Konstruktion mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Unter dem Strich gibt es bei Ethernet-Netzwerken tatsächlich weniger Probleme. Aber sie sind viel schwieriger zu finden, da die Datenübertragung in einem wesentlich höheren Frequenzbereich stattfindet.

Unsere Nische wächst!

Ein Blick in die Zukunft: Auf der eine Seite wächst unsere Nische, da in Verbindung mit Industrie 4.0 die Anforderungen an die Verfügbarkeit der Anlagen steigen. In Zukunft steht die komplette Lieferkette, wenn eine Maschine ausfällt. Zudem haben wir mit unseren eigenen Messgeräten, den Quicktestern, ein weiteres Standbein im Aufbau.

Zusammen mit Schulungen und dem Messgerätevertrieb bieten wir auf verschiedenen Ebenen, was unsere Kunden zur Instandhaltung ihrer Netzwerke und Bussysteme benötigen. Anderseits suchen wir dringend Fachpersonal und nicht zuletzt einen neuen technikbegeisterten Chef, der die Firma weiterführt – und mich kürzer treten lässt.

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