Mithilfe der cloudbasierten Plattform clous können Konstrukteure aus aller Welt gleichzeitig an Engineering-Projekten arbeiten.

Bild: Pixabay, GDJ

Crowd Engineering Ingenieure weltweit zusammenbringen

18.06.2020

Vor Kurzem ist ein neuer Online-Marktplatz für industrielle Konstruktionsprozesse live gegangen. Unternehmen können dort komplexe Projekte in einzelne Bausteine aufteilen und von Akteuren in einem weltweiten Netzwerk erledigen lassen. Das verkürzt langwierige Engineering-Prozesse erheblich.

Produzierende Unternehmen kämpfen mit einem immer höheren Kostendruck. Vor allem das Engineering wird zum Zünglein an der Waage.

Das liegt einerseits an den streng sequenziell organisierten Konstruktionsprozessen: Vom ersten Konzept über einzelne Etappen wie Mechanik, Elektronik oder Software bis hin zur Erprobung durchlaufen neue Produkte mehrere Konstruktionsschleifen. Das kostet Zeit und Geld, vor allem dann, wenn Fehlentwicklungen erst am Ende des Prozesses in der Erprobung zu Tage treten und rückwirkend korrigiert werden müssen.

Andererseits beklagen Unternehmen in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Energiewirtschaft und im Bauwesen immer noch einen Fachkräfteengpass. Die Einstiegshürden für gut ausgebildete Ingenieure aus Osteuropa, Südamerika oder Asien sind nach wie vor hoch. Freelancer und Ingenieurbüros dagegen wenden 50 Prozent ihrer Zeit für die Akquise von Aufträgen auf.

Hier setzt clous an: Das Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK löst komplexe Konstruktionsaufgaben in viele einzelne Projektbausteine auf und lässt sie von unterschiedlichen Akteuren in einem virtuellen, cloudbasierten Netzwerk parallel bearbeiten. Der größte Kostenfaktor für herstellende Unternehmen, die Zeit von der Produktidee bis zum erfolgreichen Prototypentest, soll so drastisch reduziert werden.

Funktionsweise des Online-Marktplatzes

Im Detail funktioniert das so: Ein Auftraggeber, meist ein produzierendes Unternehmen, benötigt die CAD-Konstruktion einer Maschine oder Anlage. Dieser Konstruktionsauftrag wird zunächst offline beim Kunden mithilfe der clous.engine in viele Teilaufträge zerlegt. Diese werden anschließend auf die clous.platform hochgeladen und dann unabhängig voneinander von individuellen Auftragnehmern bearbeitet. Die Auftragnehmer sind freischaffende Konstrukteure und Konstruktionsbüros, die ihre Aufträge über die clous.platform beziehen.

Nach Fertigstellung aller Teilaufträge werden diese auf die clous.platform zurückgespielt und auf dem lokalen Rechner des Auftraggebers von der clous.engine zu einer Gesamt-CAD-Konstruktion zusammengefügt. Alleinstellungsmerkmal von clous ist, dass durch die parallele Bearbeitung die CAD-Konstruktionszeit immens verkürzt wird und dabei das Intellectual Property jederzeit gewahrt bleibt, da jeder Auftragnehmer nur einen kleinen Teil der Gesamtkonstruktion kennt.

Die clous.platform übernimmt darüber hinaus alle vertraglichen Aspekte, von der Beauftragung über Geheimhaltungsvereinbarungen bis hin zur Bezahlung. Sie reduziert so die Aufwände für Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen. Die Mitglieder der Community werden von clous speziell kuratiert, um so die Qualität der Dienstleistungen sicherzustellen.

Die B2B-Plattform für das Engineering

Mittelfristig soll clous eine ganze Plattform-Ökonomie werden, über die die gesamte Wertschöpfungskette von der Beschaffung bis zur Produktion abgewickelt werden kann. „Wir haben die Vision, mit clous die B2B-Plattform für Engineering zu werden“, fasst CEO und Mitgründer Claas Blume die Ambitionen des Spin-offs zusammen.

Dass dieses Ziel durchaus realistisch ist, bestätigt Professor Rainer Stark, Leiter des Geschäftsfeldes Virtuelle Produktentstehung am Fraunhofer IPK und Mitglied des Beirats von clous: „clous denkt den Konstruktionsprozess vollkommen neu und stellt damit auch für kleine und mittlere Unternehmen eine kreative, günstige Alternative dar.“

Die beiden Gründer – neben Blume zeichnet sich Thomas Vorsatz als CTO verantwortlich – haben als Forscher am Fraunhofer IPK die technologischen Grundlagen für ihr Unternehmen entwickelt. Im Rahmen des Fraunhofer-Ahead-Company-Building-Programms konsolidierten sie Team-, Markt- und Produktreifegrad, bevor sie mit clous live gingen.

Inzwischen haben die Jungunternehmer ihre Räume im Berliner Szeneviertel Friedrichshain bezogen und die Arbeit aufgenommen. Unter www.clous.io können Ingenieure, Designer, Kunden und Auftragnehmer mehr über das junge Unternehmen erfahren und sich in Kürze für die clous.community registrieren.

Bildergalerie

  • Funktionsweise von clous: Nachdem alle Teilaufträge in die clous.platform zurückgespielt worden sind, fügt die clous.engine sie auf dem Rechner des Auftraggebers zu einer Gesamt-CAD-Konstruktion zusammen.

    Bild: Fraunhofer IPK

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