Antriebssysteme jenseits von 800 Volt

Hochvolt-Antriebe sollen E‑Autos schneller laden und effizienter machen

Systeme jenseits von 800 Volt sollen deutlich kürzere Ladezeiten, höhere Effizienz und alltagstauglichere Elektromobilität ermöglichen.

Bild: publish-industry, Gemini
11.02.2026

Elektroautos leiden noch immer unter langen Ladezeiten und begrenzter Reichweite. Im EU-Projekt ODYSSEV entwickelt die Fachhochschule (FH) Dortmund gemeinsam mit Partnern wie Mitsubishi Electric Europe und ZF Friedrichshafen Hochvolt-Antriebssysteme mit einer Spannung von über 800 Volt. Diese ermöglichen ultraschnelles Laden, dünnere Kabel und geringere Verluste.

Elektroautos gelten als Zukunft der Mobilität – doch zwei Hürden bremsen noch immer viele Kaufinteressenten aus: lange Ladezeiten und begrenzte Reichweiten. Die Lösung können Hochvolt-Antriebssysteme sein, die mit Spannungen weit oberhalb der heute üblichen 800 V arbeiten. An der Fachhochschule Dortmund wird daran gearbeitet.

Der Fachbereich Maschinenbau ist unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Thoben maßgeblich am EU-Forschungsprojekt ODYSSEV beteiligt. ODYSSEV steht für „Optimised DYnamics of High-Vage Powertrains: Developing Sustainable Systems for Electric Vehicles“. Das Projekt will den Einsatz von Hochvolt-Technologien bei E-Autos vorantreiben und sichere Standards definieren. Es ist auf 42 Monate angelegt, wird vom EU-Programm Horizon Europe über die 2ZERO Partnership gefördert und ist Anfang 2026 mit einem Kick-off am spanischen CIRCE Institute in Saragossa gestartet.

Die Physik hinter der Innovation

Um zu verstehen, warum Hochvolt-Technologie so entscheidend ist, hilft ein simpler Vergleich: Strom fließt durch ein Kabel ähnlich wie Wasser durch einen Schlauch. Um mehr „Leistung“ zu übertragen, gibt es zwei Wege – entweder ein größerer Schlauch (dickere Kabel und mehr Stromstärke) oder höherer Druck (größere Spannung). Hochvolt-Systeme setzen auf die zweite Variante. Sie ermöglichen so zum Beispiel ultraschnelles Laden und benötigen dabei trotzdem nur dünnere Kabel, was Gewicht und Kosten spart. Zudem erzeugen sie weniger Abwärme, sodass weniger Energie verloren geht.

Doch der Sprung auf höhere Spannungen ist technisch anspruchsvoll: Bei über 1.000 V steigen die Anforderungen an Isolationsmaterialien drastisch, herkömmliche Silizium-Halbleiter stoßen an ihre Grenzen und Batterien müssen den massiven Energieeinstrom beim Schnellladen bewältigen, ohne zu überhitzen. Genau hier setzt ODYSSEV an.

14 Partner aus acht Ländern – FH Dortmund als Systemarchitekt

Das Projekt vereint 14 Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus acht europäischen Ländern – darunter das University College London, die Universität Bremen, das KTH Royal Institute of Technology in Schweden sowie Industriepartner wie Mitsubishi Electric Europe und ZF Friedrichshafen.

Die FH Dortmund übernimmt eine Schlüsselrolle und leitet das Arbeitspaket Systemarchitektur. „Mit ODYSSEV gehen wir den nächsten konsequenten Schritt in der Elektromobilität“, erklärt Prof. Dr. Markus Thoben. „Hochvolt-Technologien jenseits von 800 V ermöglichen nicht nur dramatisch kürzere Ladezeiten, sondern auch leichtere Fahrzeuge durch dünnere Kabel und höhere Gesamteffizienz durch reduzierte Energieverluste. Das macht E-Autos alltagstauglicher und attraktiver für breite Käuferschichten.“

Von der Simulation bis zur Teststrecke

Das Besondere an ODYSSEV: Das Projekt deckt die gesamte Entwicklungskette ab – von Halbleitern über leistungsstarke Powermodule bis hin zur Integration in Schlüsselkomponenten wie On-Board-Ladegeräten und Traktionswechselrichtern. Zudem wird ein speziell für diese Hochvolt-Architektur ausgelegter Elektromotor entwickelt, der gemeinsam mit einem rekonfigurierbaren Batteriepaket die Basis für ein hocheffizientes und skalierbares Antriebssystem bildet.

Die FH Dortmund unterstützt die Projektpartner von der simulationsgestützten Auslegung bis hin zur Cloud-Integration. „Unsere Aufgabe ist es, das komplexe Zusammenspiel aller Komponenten zu orchestrieren und die Entwicklungsprozesse durch digitale Methoden zu beschleunigen“, erläutert Seyed Saeed Mirsafian, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt. „Wir bringen unsere Expertise in der Modellbildung und Simulation ein, um bereits am Computer zu optimieren, was später auf der Straße funktionieren muss. Das spart Zeit, Kosten und ermöglicht es, verschiedene Szenarien durchzuspielen, bevor der erste Prototyp gebaut wird.“ Den Abschluss des Projekts bildet die Erprobung des entwickelten Demonstrators auf der LaSiSe-Teststrecke in Selm.

Bildergalerie

  • Prof. Dr. Markus Thoben (Mitte) leitet das ODYSSEV-Projekt an der FH Dortmund. Gemeinsam mit Partnern in acht europäischen Ländern wollen er und sein Team E-Autos und ihre Motoren für Hochvolt-Technologien weiterentwickeln.

    Prof. Dr. Markus Thoben (Mitte) leitet das ODYSSEV-Projekt an der FH Dortmund. Gemeinsam mit Partnern in acht europäischen Ländern wollen er und sein Team E-Autos und ihre Motoren für Hochvolt-Technologien weiterentwickeln.

    Bild: FH Dortmund / Mike Henning

  • Prof. Dr. Markus Thoben

    Prof. Dr. Markus Thoben

    Bild: FH Dortmund / Florian Freimuth

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