Die automatische Anlage kann eine Herde von bis zu 800 Milchkühen melken. Das Tierwohl soll dabei nicht zu kurz kommen.

Bild: Gea

Effiziente Milchproduktion Größte automatische Melkanlage in Europa in Betrieb genommen

20.08.2020

Mit der Umstellung vom Melkkarussell auf ein System mit 16 Robotern ist die automatische Melkanlage in Krieschow Geas bislang größte in Europa. Zukünftig sollen hier bis zu 800 Kühe über sechs zentrale Versorgungseinheiten mit je drei Robotern gemolken werden.

Mit 600 Kühen kam das alte Melkkarussell der Agrar GmbH Cottbus-West bereits vor einiger Zeit an seine Grenzen. Die Infektionsraten stiegen, und die Anlage war in jeglicher Hinsicht nicht mehr effizient.

Für Geschäftsführer Koen Veldkamp war das die Chance, auf ein neues System zu wechseln. Entstanden ist eine Anlage, bei der Gea eigenen Angaben zufolge nicht nur auf Effizienz, reduzierten Wasser- und Energieverbrauch sowie eine hohe Milchqualität, sondern auch auf das Tierwohl geachtet hat.

So bekommen die Kühe durch Curtains und große Sektionaltore mit Lichtausschnitten Tageslicht und stetig frische Luft, was das ganze Jahr über für ein angenehmes Stallklima sorgt. Optimale Temperaturen und einen Schutz der milchführenden Teile soll zudem eine Fußbodenheizung sicherstellen, die über die Wärmerückgewinnung der betriebseigenen Biogasanlage versorgt wird.

Anlagenbau in sechs Monaten

Da die Agrar GmbH Cottbus-West mittelfristig auf 800 Milchkühe aufstocken möchte, mussten Anlage und Stall entsprechend geplant und dimensioniert werden. Für eine Herde dieser Größe kam für Geschäftsführer Veldkamp daher nur ein automatisches Melksystem infrage. Da er bereits positive Erfahrungen mit dem Gea-MIone-Melkroboter gesammelt hatte, fiel die Wahl auf das neue Modell DairyRobot R9500.

In Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Gea-Fachzentrum Duräumat-Agrotec Agrartechnik konnte die Agrar GmbH ein schlüsselfertiges automatisches Melksystem realisieren. Hierfür wurde ein Boden aus vorgefertigten Betonsockeln inklusive passgenauen Anschlüssen, Verbindungen und Öffnungen genutzt, die installationsfertig angeliefert wurden. Das Projekt war in sechs Monaten reiner Bauzeit umgesetzt und die Anlage betriebsbereit.

An die sechs installierten Versorgungseinheiten sind jeweils drei Boxen angeschlossen; aktuell sind 16 Boxen in Betrieb, weitere lassen sich bei Bedarf problemlos hinzufügen. Dadurch reduzieren sich Technik, Wasser- und Energieverbrauch, Wartungsvorgänge und letztlich auch das Investitionsvolumen. Hinzu kommt ein geringerer Personal- und Zeitaufwand, denn die Anlage kann von nur zwei Personen betrieben werden.

Bessere Milchqualität und Tierwohl

Geas DairyRobot soll sich auch in Sachen Milchqualität und Tiergesundheit bewähren. Das sogenannte In-Liner-Everything-Prinzip etwa sorgt für eine hohe Hygiene im gesamten Melkvorgang, vom Ansetzen über das Reinigen und Stimulieren bis zur Abnahme inklusive des Dippens im Melkbecher. Um den bestehenden Grundriss für die Kühe möglichst geräumig zu halten, wurde beim Anlagenbau außerdem auf die Vor- und Nachselektion verzichtet.

„Mithilfe des Herdenmanagements funktioniert der freie Kuhverkehr hervorragend, und die Kühe genießen die gleichbleibenden, selbstbestimmten Abläufe, auch in der Zeit unmittelbar nach dem Kalben“, erklärt Veldkamp. „Denn das System leitet die Kälbermilch automatisch ab, sodass weder Mensch noch Tier sich umgewöhnen müssen.“

Nach gut einem Quartal verzeichnet die Agrar GmbH bereits verbesserte Werte bei der Melkhygiene, den tiergerechten Abläufen, der Milchleistung und der Milchqualität. Die Zellzahlen und Keime sind ebenfalls deutlich zurückgegangen, konnten teilweise sogar halbiert werden. „Wir sind rundum zufrieden“, resümiert Veldkamp, der jetzt mehr Zeit in das Management seines Betriebs investieren kann.

Bildergalerie

  • Mit dem In-Liner-Everything-Prinzip stellen die Melkroboter eine hohe Hygiene während des gesamten Prozesses sicher.

    Bild: Menno Zetzema, Gea

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