Betriebliche Mobilität wird zum strategischen Hebel

Flotten passend zum Standort elektrifizieren

Eine Pilotstudie mit 100 Beschäftigten hat gezeigt, dass flexible Alternativen die Autonutzung senken und den öffentlichen Verkehr stärken. Elektrische Flotten sind dabei ein wichtiger Bestandteil betrieblicher Mobilitätskonzepte.

Bild: iStock, piranka
07.08.2026

Berufliche Mobilität verursacht 41 Prozent des gesamten Verkehrs in Deutschland und 62 Prozent der Arbeitswege werden mit dem Auto zurückgelegt. Die Elektrifizierung von Flotten zählt zu den Lösungen für betriebliche Mobilität, doch ihr Nutzen hängt von Standort, Branche und Arbeitswegen ab.

Wie kommen die Mitarbeitenden zur Arbeit? Welche Verkehrsmittel nutzen sie für Dienstreisen? Und wie lässt sich Mobilität so gestalten, dass sie klimafreundlicher wird, ohne die Bedürfnisse der Beschäftigten außer Acht zu lassen? Genau diese Fragen werden für Unternehmen immer dringlicher. Denn berufliche Mobilität macht einen großen Teil des Verkehrs und damit der Emissionen in Deutschland aus und ist folglich ein zentraler Hebel für die Verkehrswende. Die Studie „Reinventing Corporate Mobility“ des PwC Lab for Smart Mobility am Institut für Mobilität der Universität St. Gallen zeigt, warum einfache Standardlösungen nicht ausreichen und worauf es bei einer zeitgemäßen betrieblichen Mobilität ankommt.

Mobilität ist kein Nebenthema mehr

In Deutschland entfallen 41 Prozent des Verkehrs auf beruflich bedingte Fahrten, wobei 62 Prozent der Arbeitswege mit dem Auto zurückgelegt werden. Folglich hängen mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen im Personenverkehr mit arbeitsbezogener Mobilität zusammen. Für Unternehmen ist das Thema deshalb längst mehr als eine Frage von Parkplätzen oder Dienstwagen. Sie müssen regulatorische Anforderungen erfüllen, Emissionen transparenter machen, die Kosten im Blick behalten und im Wettbewerb um Fachkräfte attraktive Angebote schaffen.

„Corporate Mobility ist ein Pflichtthema als strategischer Hebel für Nachhaltigkeit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Organisationen, die früh handeln, können Mobilität proaktiv gestalten. Wer zögerlich agiert, riskiert steigende Kosten, regulatorischen Druck und sinkende Attraktivität als Arbeitgeber“, sagt Steffen Leffler, Partner und Head of Mobility Consulting bei PwC Deutschland.

Warum Standardlösungen oft nicht ausreichen

Obwohl es inzwischen ein breites Spektrum an Mobilitätslösungen gibt – von elektrischen Flotten und Carsharing über Mobilitätsbudgets und Parksysteme bis hin zu digitalen Plattformen –, ist die Einführung nach wie vor komplex. Viele Unternehmen setzen nach wie vor auf etablierte Einzelmaßnahmen wie (E)-Bike-Leasing, Firmenwagen oder Zuschüsse zum Deutschlandticket. Umfassende, digital gestützte Lösungen sind jedoch meist noch die Ausnahme, selbst in den Planungen. Der Grund: Oft fehlt das Wissen darüber, welche Lösungen im eigenen Umfeld überhaupt funktionieren.

„Ob eine Mobilitätslösung passt, hängt stark vom spezifischen Kontext ab. Unternehmen verschenken Potenzial, wenn sie ihre Standorte zu isoliert betrachten oder Mobilität bei strategischen Themen wie Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität nicht ausreichend mitdenken. Erst dann lässt sich systematisch ableiten, welche Lösungen wirksam und realistisch umsetzbar sind“, sagt Prof. Dr. Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Direktor des Instituts für Mobilität an der Universität St. Gallen.

Hier setzt die Studie an: Auf Basis von 35 Interviews mit Mobilitätsverantwortlichen, Dienstleistern und Beratern in Deutschland und der Schweiz leiten die Forschenden ein praxisnahes Rahmenwerk ab. Mit dessen Hilfe können Unternehmen ihre eigene Ausgangslage einordnen und passende Lösungen auswählen.

Von Parkplatz bis Mobilitätsbudget: Angebote müssen kombinierbar sein

Die Analyse ordnet betriebliche Mobilität den drei Bereichen physische Infrastruktur, Verkehrsmittel und unterstützende Softwaresysteme zu. Zur physischen Infrastruktur zählen beispielsweise Parkplätze oder Ladepunkte. Bei den Verkehrsmitteln reicht die Bandbreite von Fahrzeugflotten über öffentliche Verkehrsangebote bis hin zu Shuttle-Services. Hinzu kommen softwarebasierte Lösungen wie Mobilitätsbudgets, Parkraummanagement, Fahrgemeinschaften oder Routenanalysen.

Der entscheidende Punkt ist, dass der Nutzen davon abhängt, wie gut die Angebote zum Unternehmen passen und wie sinnvoll sie kombiniert werden. Dabei geht es nicht nur um Nachhaltigkeit. Gute Mobilitätsangebote können Kosten senken, Mitarbeitende entlasten und Unternehmen als Arbeitgeber interessanter machen. Eine Pilotstudie mit 100 Beschäftigten zeigt zudem: Sind flexible Alternativen vorhanden, wird das Auto seltener genutzt und der öffentliche Verkehr häufiger.

„Ein gut gestaltetes Mobilitätskonzept schafft auf mehreren Ebenen Mehrwert – von Nachhaltigkeit und Compliance bis hin zu Mitarbeiterzufriedenheit und operativer Effizienz. Unternehmen sollten deshalb nicht isoliert über Einzelmaßnahmen nachdenken, sondern über integrierte Mobilitätskonzepte“, sagt Steffen Leffler, Partner und Head of Mobility Consulting bei PwC Deutschland.

Drei typische Profile zeigen, wie Corporate Mobility konkret werden kann

Um die Unterschiede greifbar zu machen, beschreibt die Studie anhand dreier Unternehmens-Archetypen, wie sich organisatorische Merkmale mit passenden Mobilitätslösungen verknüpfen lassen: Auto-basierte Produktionsstandorte, urbane Dienstleistungsunternehmen und flottenintensive Hub-Operationen. Sie zeigen, dass dieselbe Maßnahme nicht überall gleich gut funktioniert. Während in ländlichen Produktionsumgebungen etwa Flottenelektrifizierung, Fahrgemeinschaften und klug gesteuertes Parken im Vordergrund stehen, profitieren urbane Dienstleistungsorganisationen eher von Mobilitätsbudgets, Angeboten für den ÖPNV und Mikromobilität. In hubbasierten Strukturen wiederum kommen dem Flottenmanagement und Shuttle-Angeboten wichtige Rollen zu.

„Mobilitätslösungen werden erst dann wirksam, wenn sie zu Standort, Branche und den tatsächlichen Wegen der Mitarbeitenden passen. Die entscheidende Aufgabe für Unternehmen besteht darin, den Sprung von isolierten Initiativen zu integrierten Mobilitätskonzepten zu schaffen. Wer die eigene Ausgangslage kennt und passende Lösungen kombiniert, kann Emissionen senken, Kosten besser steuern und zugleich attraktiv für Fachkräfte bleiben“, sagt Prof. Dr. Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Direktor des Instituts für Mobilität an der Universität St. Gallen.

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