Pilotanlage ermöglicht flexible Kraftstoffmischungen mit CO2-Nachweis

Erneuerbar trifft fossil: Pilotanlage bringt reFuels in den Tank

Eine neue Pilotanlage in Mannheim mischt strombasierte oder biogene Kraftstoffe flexibel mit fossilen und dokumentiert die CO₂-Einsparung digital für jede Lieferung. (Foto: Exolum Mannheim GmbH)

Bild: Karlsruhe Institut für Technologie
16.01.2026

In Mannheim nimmt eine Pilotanlage den Betrieb auf, die erneuerbare und fossile Kraftstoffe flexibel mischt. Die Anlage der Exolum Mannheim GmbH weist CO2-Einsparungen digital pro Lieferung aus. Das KIT begleitet das Projekt wissenschaftlich.

Ab sofort können Tankwagen in Mannheim erstmals Kraftstoffmischungen laden, die nicht nur Bioethanol enthalten, wie bei den bekannten Kraftstoffqualitäten E10 oder E5 üblich, sondern auch andere erneuerbare Komponenten wie strombasierte oder biogene Kraftstoffe – sogenannte reFuels. Eine neue Pilotanlage im Tanklager der Exolum Mannheim mischt diese Anteile flexibel und dokumentiert die Treibhausgas-Einsparungen digital für jede Lieferung. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) begleitet den Aufbau der Anlage wissenschaftlich.

„Mit der neuen Inline-Blend-Anlage können wir nun erstmals nach Bedarf abgestimmte Mengen von fossilen und erneuerbaren Kraftstoffen mischen und die Klimawirkung sofort transparent dokumentieren. Das ist ein entscheidender Schritt für den Hochlauf von reFuels“, sagt Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT.

ReFuels für mehr Klimaschutz

„Auf dem Weg zu mehr Klimaschutz sind strombasierte und biogene Kraftstoffe Bausteine – vor allem dort, wo Elektromobilität gar nicht oder nur bedingt greift. Das gilt etwa für Schiffe, Flugzeuge und den Schwerlastverkehr“, machte Verkehrsstaatssekretärin Elke Zimmer am Donnerstag anlässlich ihres Besuchs in der Mannheimer Pilotanlage deutlich. „Hier können regional produzierte Kraftstoffe beigemischt werden. Das fördert den Einsatz und Hochlauf der Produktion und damit die Versorgungssicherheit im Kraftstoffbereich. Mit diesem Projekt wollen wir den Einsatz von klimafreundlicherem Benzin bei den Seehäfen am Bodensee und der Landespolizei ermöglichen, oder auch von nachhaltigeren Flugkraftstoffen an den Landesflughäfen. Dank der digitalen Ausstattung kann sogar die Einsparung von CO2 auf dem Tankbeleg sichtbar gemacht werden.“

Die Möglichkeit, kleine Mengen Kraftstoffe flexibel zu mischen, könnte also den Weg für den breiten Einsatz von reFuels ebnen. „So finden die regenerativen reFuels auch erstmals den Weg in die Tanks von Endverbraucherinnen und Endverbrauchern“, ergänzt Dr. Olaf Toedter vom Institut für Kolbenmaschinen des KIT, der das Projekt koordiniert.

Mehr Vielfalt bei regenerativen Kraftstoffen

Der Verkehr verursacht neben den Bereichen Energie, Industrie und Haushalt einen großen Teil der CO2-Emissionen. Da sich nicht alle Verkehrsbereiche elektrifizieren lassen, werden dort auch künftig flüssige Kraftstoffe gebraucht, um die Klimaziele zu erreichen. Regenerativ hergestellte Kraftstoffe, wie reFuels, haben die gleiche Energiedichte wie fossile Kraftstoffe und gelten als vielversprechender Weg hin zu einer CO2-neutralen Mobilität. Sie werden aus Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft, aus Industrie- und Haushaltsabfällen sowie aus CO2 und nachhaltig erzeugtem Wasserstoff hergestellt.

Treibhausgas-Einsparung wird automatisch ermittelt

Die Pilotanlage ist mit präziser Messtechnik ausgestattet und an drei Lagertanks mit verschiedenen Kraftstoffarten angeschlossen: erneuerbare, strombasierte und fossile. Die Sensoren sorgen dafür, dass jede Mischung genau nach den festgelegten Anteilen zusammengestellt wird. Eine Software berechnet für jede Lieferung die eingesparte Menge an Treibhausgasen gegenüber einer rein fossilen Abfüllung und dokumentiert die Daten in offiziellen Nachweisen. So können Unternehmen Verbesserungen ihrer Klimabilanz belegen und gesetzliche Anforderungen erfüllen. Die Bilanzierung der CO2-Reduktion bietet somit einen zusätzlichen Kaufanreiz.

Projekt ist Teil der Landesstrategie Roadmap reFuels

Das Ministerium für Verkehr setzt sich seit 2018 neben vielen weiteren Maßnahmen für Klimaschutz im Verkehr für den Hochlauf der Produktion und die Nutzung von klimafreundlicheren Kraftstoffen ein. Als Teil der Landesstrategie Roadmap reFuels wurden bislang über 40 Studien und Umsetzungsprojekte gefördert. Das Projekt BlendBilanz4Mobility wird mit rund 325 000 Euro unterstützt.

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