Inbetriebnahme und Konfiguration von Pflichteinbau-Geräten effizient erledigen.

Bild: Görlitz; iStock, MF3d

Automatisierung des Rollouts Effizientes Smart Metering

29.01.2020

Der Netzbetreiber Syna hat sich für IDSpecto.IM4G als Prozessschnittstelle zwischen SAP IS-U und dem GWA-System entschieden. Damit soll sich die Inbetriebnahme und Konfiguration von etwa 200.000 Pflichteinbau-Geräten im Netzgebiet effizient erledigen lassen.

Prozesse im Rahmen der Tarifierung und Bilanzierung zu automatisieren ist keine neue Idee. Mit der Verfügbarkeit elektronischer Zähler und der Einführung des Smart Metering entstand auch der Wunsch nach durchgängigen Prozessen von der Erfassung bis zur Abrechnung.

Gerade große Unternehmen mit vielen Zählern im Feld setzen als System für die Abrechnung häufig SAP IS-U ein. Vor diesem Hintergrund schuf SAP eine flexible Integrationslösung, die sowohl alle am Markt vorhandenen als auch künftige AMI (Advanced Metering Infrastructure)-Systeme berücksichtigte. Es entstand das sogenannte MDUS(Meter Data Unification and Synchronization)-Konzept, das eine durchgängige End-to-End-Prozessabwicklung zwischen Energieversorger und Endkunde gewährleistet. Mit der Verabschiedung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und dem Einsatz intelligenter Messsysteme (iMSys) stand eine Überarbeitung der AMI-Prozesse an. Aufbauend auf seinen Erfahrungen im Bereich Smart Metering entwickelte SAP die Schnittstelle weiter zu IM4G (Intelligent Metering for German Utilities). Die größte Stärke dieser Prozesse ist die generelle Einteilung entlang des Lebenszyklus von Smart Metern und intelligenten Messsystemen – von der Installation über die Konfiguration, dem Betrieb bis hin zum Rückbau.

Customizing bei Nicht-Standardlösungen

Um von einer automatisierten, regelkonformen und effizienten Umsetzung der Prozesse profitieren zu können, ist eine Integration in die vorhandene Systemlandschaft erforderlich. Der zu erwartende Zeit- und Kostenaufwand ist stark von den im Einzelfall vorhandenen Meter Data Management (MDM), Gateway Administration (GWA) und Abrechnungssystemen abhängig. Wird auf Seiten der Abrechnung die Standardausführung von SAP IS-U genutzt, kann das von SAP bereitgestellte Add-On einfach installiert werden. Kundenspezifische SAP-Lösungen jedoch erfordern bei der Nutzung von IM4G ein entsprechendes Customizing.

Rund 200.000 Geräte liegen als Pflichtinstallationen im Einzugsbereich der Syna. Vor diesem Hintergrund entschied sich der Netzbetreiber für den Einsatz von IM4G. Von der Geräteanlage über den elektronischen Lieferschein bis hin zur Messdatenübertragung sollten im Rahmen des Rollouts alle Prozesse aus SAP heraus gesteuert werden können. So können auch langfristig manuelle Arbeiten wie die Pflege von Bestandslisten (Stammdaten) in mehreren Systemen und Datenabgleiche zur Sicherstellung der Konsistenz, oder auch das separate Beauftragen der Zählerabteilungen mit Konfigurationsvorhaben und der Anforderung von Messwerten entfallen. Prozesse werden effizienter und Ressourcen lassen sich optimal einsetzen.

Automatisierte Konfiguration

Die Geräte werden in SAP über den elektronischen Lieferschein angelegt und dem angeschlossenen externen Marktteilnehmer(EMT)- und GWA-System bekannt gegeben. Bei der anschließenden Geräteneuanlage oder einem Gerätewechsel wird nach der Installation der Auftrag an den GWA weitergereicht und sorgt für eine automatisierte Konfiguration und Inbetriebnahme. Die Rückmeldung des Prozessergebnisses erfolgt über den EMT an IS-U. Parallel dazu werden die Stammdaten im EMT-System zur Analyse im Bedarfsfall aufgebaut. Bewegungsdaten werden über den Prozess „Messdatenversand“ des Erweiterungspakets IDSpecto.IM4G.Data übertragen. Im Rahmen des Rollouts dient bei der Syna diese Prozessschnittstelle dazu, zunächst den initialen Messwert an SAP zu übermitteln. Die Kommunikation erfolgt auf Basis von Standard-AMI-Prozessen.

Später im Regelbetrieb – sofern die entsprechenden Tarifanwendungsfälle (TAF) angeboten werden - sollen auch die übrigen TAF über diese Schnittstelle abgebildet werden. Dann lassen sich die für diese Anwendung relevanten acht Profile zur Tarifierung und Bilanzierung (TAF 1 bis 8) in SAP erfassen und dem EMT-System bekanntgeben. Von dort werden sie inklusive aller zu beendenden Profilkonfigurationen an den GWA übermittelt, der den Vollzug zurück an SAP IS-U meldet. Der aktuelle Prozessstatus ist jederzeit im Monitoring von IDSpecto.DAYOS ersichtlich und ermöglicht dem Mitarbeiter eine unkomplizierte Überwachung.

Als ein wichtiger Punkt bei der Integration ist die Berücksichtigung des Zeitfaktors über den Gesamtprozess sowie das Handling von Erfolg und Misserfolg innerhalb der Prozesse herauszustellen. So kennt IM4G neben Prozessaufrufen für ein Gerät auch Massenaufrufe. Hier muss geprüft werden, wie sich Prozesslatenzen innerhalb der Abrechnungssysteme entwickeln, wenn dieselbe Infrastruktur parallel mit der Verarbeitung von 20, 50 oder 100 Anfragen konfrontiert wird. Daher sollten im Rahmen der Projektsteuerung besonders Timeouts über den Gesamtprozess umfassend betrachtet werden.

Prozesse überdenken

Im Projektverlauf wurde klar, dass die vorhandenen IM4G-Prozesse nicht ausreichend sind, um alle im Rahmen des Rollouts anfallenden Aufgaben umzusetzen. Durch die Anforderung, dem Letztverbraucher seine Energiedaten bereitzustellen, müssen dem Kunden entsprechende Zugangsdaten zum SMGW bereitgestellt und vorgehalten werden.

Hierzu wird als Lösung bei der Syna das Erweiterungsmodul IDSpecto.IM4G.HANbridge eingesetzt. Es bildet die Brücke zu SAP, um bei der iMSys-Konfiguration die zur Bildung von HAN-Profilen erforderlichen endkundenbezogenen Daten automatisiert abfragen und nutzen zu können. Alternativ lässt sich auch das SAP IS-U anpassen.

Fazit und Ausblick

Eine systemübergreifende Prozessautomatisierung ist keine Aufgabe, die schnell umgesetzt wird. Nur eine sehr strukturierte Planung hilft, Komplexität und Zeitdauer fest im Griff zu behalten. Beispielsweise wenn während der Projektlaufzeit Weiterentwicklungen an einem System eine Anpassung der anderen Systemen nach sich zieht. Doch trotz hoher Anforderungen ist eine Automatisierung in der Regel schon aufgrund des zu erwartenden Volumens an zu verbauenden Zählern alternativlos. Selbst bei einer relativ geringen Anzahl von beispielsweise 10.000 einzubauenden iMSys steigert die Automatisierung die Effizienz innerhalb der Prozesskette deutlich, und hält vor dem Hintergrund der festgelegten Preisobergrenze auch die Kosten für den Rollout möglichst gering.

Zudem legt ein solches Projekt den Grundstein für die weitere Zukunft. Denn das BSI hat bereits den großen Bereich der Heiz- und Nebenkostenabrechnung mit Unterzählern auf die Agenda genommen. Hier bietet sich die einmal installierte BSI-Infrastruktur geradezu an, Synergien in der Bewirtschaftung größerer Immobilien zu heben.

Bildergalerie

  • Beispielhafter Systemaufbau mit separater Endkundenverwaltung.

    Bild: Görlitz

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