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Welche Änderungen die neuen Mittelspannungs-Richtline mit sich bringt.

Bild: iStock, blackdovfx

Neue Mittelspannungs-Richtline „Viele sind mit den neuen Vorgaben 
überfordert“

04.02.2020

Mit der neuen Mittelspannungs-Richtline VDE AR-N4110 traten seit dem Frühjahr 2019 weitreichende Änderungen in Kraft. Andreas 
Siegert, im Market Management Energy bei Wago tätig, erläutert die wichtigsten Neuerungen und die Schwierigkeiten bei der Einführung.

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Immer wieder wird das Bild eines Blackouts an die Wand gemalt. Wie groß schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass es hierzulande dazu kommt?

Das deutsche Stromnetz ist Teil des europäischen Verbundnetzes. Ein Totalausfall über mehrere Tage und Wochen hätte dramatische Folgen in ganz Europa. Grundsätzlich sind diese Netze jedoch sehr stabil. Einen Blackout aufgrund von zu vielen EE-Anlagen halte ich aktuell für eher gering. Eine größere Gefahr geht etwa von zunehmenden Cyberattacken aus. Es ist ein wichtiges Thema bei der Planung der Netzautomation, um unsere Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Mittelspannungs-Richtlinie VDE AR-N4110 soll zur Stabilisierung der Situation beitragen. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Neuerungen?

Da gibt es einige. Dazu muss man jedoch wissen, dass die Mittelspannungsrichtlinie den europäischen Network Code „Requirements for Generators" national ausgestaltet. Dieser beschreibt die Netzanschlussbedingungen für Stromerzeuger auf allen Spannungsebenen. Der grenzüberschreitende Stromhandel steht dabei im Fokus. Die dafür getroffenen Vorschriften enthalten Neuerungen wie Fähigkeiten zur Frequenzstützung, zur Bereitstellung von Blindleistung bis hin zur Schwarzstartfähigkeit großer Anlagen. Es geht auch um Anforderungen an Speicher und Mischanlagen, mit dem Ziel Erzeuger und Verbraucher zu harmonisieren. Dies umfasst etwa das Durchfahren kurzer Spannungseinbrüche oder das Bereitstellen von Blindleistung durch dezentrale Erzeugungsanlagen.

Wie ist die Einführung der VDE AR-N4110 aus Ihrer Sicht verlaufen?

Viele Akteure wie Netzbetreiber, Planer, Installateure, Systemintegratoren und Hersteller sind mit den neuen Vorgaben überfordert. Der Markt hat darauf spekuliert, dass diese gar nicht erst in Kraft treten oder zumindest zeitlich verschoben werden. Ob sich mit den neuen „verschärften“ Anforderungen die gewünschte Netzsicherheit erreichen lässt, wird sich erst noch zeigen.

Welche konkreten Folgen hat dies?

Um Regelkonformität zu erreichen entstehen zusätzliche Aufwände und Kosten, die damit die Erzeugungspreise in die Höhe treiben. Neben der üblichen Anlagenzertifizierung müssen nun auch auch alle Erzeugungseinheiten wie Wechselrichter, BHKW, Windenergieanlagen oder Energiespeicher als auch Komponenten wie EZA-Regler für die neue Richtlinie zusätzlich zertifiziert werden. Das führt aktuell zu einem regelrechten Stau bei den Zertifizierungsstellen.

Bildergalerie

  • Andreas Siegert, Key Account Manager Smart Grid bei Wago.

    Bild: Wago

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