SVS-VISTEK GmbH

Andreas Schaarschmidt, CMO bei SVS-Vistek spricht über die neue 10 GigE Vision-Schnittstelle.

Bild: SVS-Vistek

Interview über die Markteinschätzung von 10 GigE Vision „Die Vorreiterrolle jetzt nutzen“

12.02.2020

SVS-Vistek hat als einer der ersten Hersteller weltweit Industriekameras mit 10 GigE Vision-Schnittstelle vorgestellt. Andreas Schaarschmidt, CMO des Seefelder Unternehmens, erläutert seine Sicht auf die Möglichkeiten dieser neuen Technologie.

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Wird die neue Schnittstelle 10 GigE dazu führen, dass die aktuell eingesetzten Schnittstellen aussterben?

Wenn man sich die Historie der Bildverarbeitung ansieht, zeigt sich, dass neue Technologieentwicklungen immer eine gewisse Anlaufzeit benötigen und bewährte Optionen nicht von heute auf morgen sofort verschwinden. Für 10 GigE Vision wird dies meiner Meinung nach in ähnlicher Form gelten. Viele Systemintegratoren werden jedoch schon bald zunehmend auf diese Schnittstelle setzen, weil sie ein schnelles Bilddateninterface darstellt sowie auf breiter Basis in hohen Stückzahlen von der Consumer-Welt eingesetzt und somit kostengünstig sein wird. Schon bald wird es kaum noch PCs ohne 10 GigE an Board geben. Im Moment durchlebt die 10 GigE-Hardware den typischen Verlauf einer Marktdurchdringung: Zunächst gab es sie als externe Einsteckkarte für zirka 300 bis 400 €, dann folgte die nächste Generation für Preise in der Größenordnung von 100 bis 150 €, und nun ist sie auf dem Sprung, Standard auf Motherboards und in tragbaren Devices zu werden. Das wichtige Thema der Leistungsaufnahme und Abwärme bewegt sich bei der neuesten Hardware in die richtige Richtung: Neueste PHYs sind bereits sehr energieeffizient. Allerdings steigt die Leistungsaufnahme mit steigender Kabellänge deutlich an. Aus meiner Sicht und Erfahrung wird 10 GigE aus diesen Gründen in absehbarer Zeit vor allem Camera Link verdrängen, das ja bezüglich Bandbreite und Handling eine vergleichbare Technologie darstellt.

Bedeutet dies mittelfristig dann auch das Aus für andere Bildverarbeitungsschnittstellen?

Meine Prognose zu dieser Frage lautet: 1 GigE Vision wird noch sehr lange das „Brot und Butter-Interface“ für viele Aufgaben im Factory Floor bleiben und trotz der Euphorie um Embedded Vision weiterhin gewaltig wachsen. USB3-Vision bleibt im Nahbereich, wie zum Beispiel im Apparatebau oder bei Laboranwendungen, bedingt durch die begrenzte Kabellänge von nur 2 Metern und dem schwierigen Verhalten bei Übertragungsfehlern eine gute Wahl. CoaXPress hat sehr gute Eigenschaften im Bereich Timing und bietet in der neuesten CXP12-Version mit einer realen Datenübertragungsrate von 1,25 GB/s pro Kanal sehr gute, aber wegen des erforderlichen Framegrabbers auch sehr teure Höchstleistung. Damit bleibt CoaXPress die erste Wahl für das oberste Ende der Sensorbandbreiten und Applikationen. Den Faktor Mensch darf man bei der Auswahl der kommerziell richtigen Lösung jedoch bei allen technischen Diskussionen über das richtige Interface nicht vergessen: In den Betrieben stecken viele Mannjahre im Umgang mit den jeweiligen Interface-Technologien. Hier wurde häufig viel detailliertes Wissen erarbeitet und damit Vertrauen geschaffen, das nicht kurzfristig über Bord geworfen wird. 10 GigE Vision macht sich hier gerade erst auf den Weg, Anwender und Systemintegratoren von seinen Vorzügen zu überzeugen, hat aber vor allem durch den einfachen Skalierungsprozess von 1 GigE auf 10 GigE sehr gute Chancen, das Rennen gegen andere Interface-Technologien zu gewinnen.

Wie hat sich SVS-Vistek für die neue Schnittstelle gerüstet?

Bereits während der Vision 2018 haben wir eine 10 GigE-Kameraversion unserer HR-Serie mit 25 Megapixeln Auflösung und einer Datenübertragungsrate von maximal 42 Bildern/s vorgestellt. Unsere populären HR-Kameras sind in der neuesten Entwicklungsstufe die erste Plattform für hohe Auflösungen bei schneller Bildfrequenz. Neue CMOS-Sensoren mit 31 oder 17 Megapixeln ermöglichen dank 10 GigE-Vision nun 26 beziehungsweise 33 Bilder/s. Zum Vergleich: 1 GigE-basierte Kameras mit 29 Megapixel Auflösung liefern nur 6 Bilder/s. Der Serienstart der HR-Serie war bereits erfolgreich und es liegt auf der Hand, dass wir anschließend auch unsere EXO-Serie mit dem 10 GigE Vision-Interface neu befeuern und somit auf Höhe der Zeit bleiben werden.

Wie kommt es, dass SVS-Vistek zu den Vorreitern beim Einsatz dieser Schnittstelle gehört?

Wir sind bereits seit über 20 Jahren darauf spezialisiert, Kamerasensoren an den technischen Grenzen zu betreiben. Das bedeutet, wir wollen das mit dem jeweiligen Sensor erzielbare, bestmögliche Bild anbieten und dabei die Geschwindigkeit des Sensors optimal ausnutzen. Wir hatten 1999 beschlossen, uns vollständig auf digitale Kameras zu fokussieren, haben uns deshalb seit 2003 auch mit Ethernet beschäftigt und in diesem Bereich im Jahr 2005 echte Pionierarbeit bei Technologie und Marktbearbeitung geleistet. Es ist für uns naheliegend, heute bei 10 GigE Vision wieder mit zeitgemäßer Hardware und Software die Vorteile dieser Technik zu nutzen und mit den besonderen Eigenschaften der Produkte von SVS-Vistek wie einem leistungsfähigen I/O-Konzept, der optischen Präzision etc. zu paaren. Damit wollen wir unseren Kunden einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Natürlich werden wir auch weiterhin Kameras mit USB3 und CoaXPress entwickeln und anbieten, aber 10 GigE Vision weist aus unserer Sicht die größten ökonomischen und strategischen Vorteile auf. Die Zeit ist reif, diese Technologie auch in der Bildverarbeitung zu nutzen.

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