Industrie verlor seit 2019 eine halbe Million Arbeitsplätze

Deutsche Industrie schrumpft weiter

Die deutsche Industrie baut seit Jahren Arbeitsplätze ab. Allerdings verlieren nicht alle Branchen Stellen, manche gewinnen sogar deutlich hinzu.

Bild: iStock, marchmeena29
20.10.2026

Wie hat sich die Arbeitswelt in Deutschland seit 2019 verändert? Die Industrie hat knapp 496.000 sozialversicherungspflichtige Stellen verloren. Doch welche Branchen spüren den Abbau am stärksten und wo fällt der Rückgang am härtesten aus?

Seit 2019 hat die deutsche Industrie knapp eine halbe Million sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze verloren. Das geht aus einer neuen Studie der Ifo-Niederlassung Dresden hervor. Demnach arbeiteten Ende 2025 496.000 Menschen weniger als zu Beginn des Jahres 2019 – ein Minus von 7,1 Prozent. Im Dienstleistungssektor entstanden dagegen mehr als 2,2 Millionen neue Stellen, vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltung.

Industrie verliert Arbeitsplätze

„Deutschland erlebt einen verschärften Strukturwandel. Ausgerechnet die Branchen schrumpfen, die bisher unseren Wohlstand getragen haben“, sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden. „Die neuen Jobs entstehen meist nicht dort, wo Deutschland besonders produktiv und innovativ ist. Das kann unser Wachstumspotenzial künftig bremsen.“

„In fast allen Industriebranchen schrumpft die Beschäftigung, was eine Folge abnehmender Wettbewerbsfähigkeit insbesondere gegenüber China sein dürfte. Besonders hart trifft es die traditionellen deutschen Kernbranchen, wie Autoindustrie und Maschinenbau“, sagt Ragnitz. Die Autoindustrie und ihre Zulieferer strichen 123.500 Stellen, was einem Minus von 13 Prozent entspricht. Hersteller von Metallerzeugnissen bauten 115 600 Stellen ab, der Maschinenbau 64 500.

Drei Branchen verantworten rund 60 Prozent des Abbaus

Diese drei Branchen stehen laut Ragnitz für rund 60 Prozent des Abbaus. In der Zeitarbeit verloren 243.000 Beschäftigte ihren Job. Viele davon arbeiteten in der Fertigung. Rechnet man diese hinzu, verlor die Industrie sogar rund 628.000 Arbeitsplätze.

„Die Dienstleister legten dagegen kräftig zu. Im Gesundheitswesen entstanden 391.000 neue Stellen, im Sozialwesen samt Pflegeheimen 357.000. Grund sei vor allem die alternde Bevölkerung“, sagt Ragnitz. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung wuchs um 329.000 Menschen, teilweise, weil Stellen von ausscheidenden Beamten mit Angestellten neu besetzt wurden. Bei den privaten Dienstleistern wuchsen IT-Firmen am stärksten. Die Zahl der Beschäftigten mit Berufsausbildung sank hingegen um 252.000, während für Akademiker:innen 1,8 Millionen neue Jobs entstanden.

Industrieabbau trifft alle Bundesländer außer Hamburg

Den Industrieabbau spüren alle Bundesländer außer Hamburg. Im Osten fiel er mit minus 8,4 Prozent etwas stärker aus als im Westen mit minus 6,8 Prozent. In Ostdeutschland gab es neue Jobs im Automobilbau nur in Brandenburg, dank der Tesla-Fabrik in Grünheide. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sank die Beschäftigung insgesamt sogar.

Die Studie vergleicht die Stichtage 31. Dezember 2018 und 31. Dezember 2025 und nutzt dafür die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Diese erfasst alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Selbstständige, Beamte und Minijobber sind darin nicht enthalten.

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