21 Prozent der Unternehmen reduzieren Produktion in Deutschland

Deutsche Industrie im Umbruch: Investieren, abbauen, verlagern

Eine Forsa-Studie zu Investitionen zeigt: Mehr als die Hälfte der produzierenden Industrie plant vorerst keine neue Produktion in Deutschland. Jedes dritte Unternehmen mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro verlagert oder baut ab.

Bild: iStock, August0802
26.10.2026

Die deutsche Produktion wandert ab – aber warum? Laut einer Forsa-Umfrage haben seit Januar 2025 17 Prozent der Unternehmen Produktionsschritte, Investitionen oder Funktionen ins Ausland verlagert oder dies beschlossen. Mehr als die Hälfte der produzierenden Industrie plant vorerst keinen Aufbau neuer Produktionsstätten in Deutschland.

67 Prozent der produzierenden deutschen Unternehmen haben angegeben, seit Anfang 2025 in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert zu haben oder dies für die kommenden zwölf Monate beschlossen zu haben – unabhängig vom Standort. Im Maschinen- und Anlagenbau sind es sogar 76 Prozent. In Deutschland haben 32 Prozent der Unternehmen bestehende Produktionskapazitäten erweitert, weitere 29 Prozent haben dies konkret geplant. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 65 Prozent eine gleichbleibende Geschäftslage, 26 Prozent eine Verbesserung, davon sechs Prozent eine deutliche. Neun Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Zu den weiteren häufigsten Investitionsfeldern der befragten Unternehmen zählen die eigene Energieerzeugung oder Energieeffizienz (59 Prozent), die Absicherung oder Regionalisierung der Lieferkette (55 Prozent), KI-Anwendungen in der Produktion (46 Prozent) sowie Automatisierung und Robotik (43 Prozent; bei Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz sind es 70 Prozent). Ein Viertel der Unternehmen (25 Prozent) hat sich mit Zertifizierungen, Anlagen oder Personal auf Aufträge aus dem Verteidigungsbereich vorbereitet.

„Die Mehrheit der deutschen Unternehmen investiert“, sagt Christian Säuberlich, Sprecher des Vorstands von FTI-Andersch und Country Leader von FTI Consulting in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). „Allerdings zeigen die Forsa-Zahlen auch, dass ein Drittel nicht in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert. Die Mehrheit rechnet nicht mit einer besseren Geschäftslage im kommenden Jahr.“

Jedes fünfte Unternehmen reduziert Kapazitäten in Deutschland

Gänzlich neue Produktionskapazitäten in Deutschland haben 55 Prozent weder aufgebaut noch geplant, im Maschinen- und Anlagenbau sind dies sogar 57 Prozent. Dort planen auch 44 Prozent keine Erweiterung bestehender Kapazitäten.

Zugleich hat jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) seine Produktionskapazitäten in Deutschland reduziert oder dies beschlossen, in der energieintensiven Industrie ist es jedes dritte (33 Prozent). Bei größeren Unternehmen ab 100 Millionen Euro Jahresumsatz liegt der Anteil bei 31 Prozent, bei kleineren Unternehmen unter 50 Millionen Euro bei 18 Prozent. Ganze Produktionsstandorte in Deutschland haben elf Prozent geschlossen oder deren Schließung beschlossen. Bei den größeren Unternehmen sind es 30 Prozent, in der energieintensiven Industrie 15 Prozent.

„Über die Standortbedingungen wird seit Jahren diskutiert“, sagt Christian Säuberlich. „Die Forsa-Zahlen verdeutlichen, dass viele Unternehmen handeln oder bereits gehandelt haben: Wo sich ein Werk auch perspektivisch nicht mehr rechnet, wird Kapazität abgebaut, verlagert, verkauft oder der Standort geschlossen.“

Warum Unternehmen ins Ausland verlagern

Insgesamt haben 17 Prozent der Unternehmen seit Januar 2025 ursprünglich in Deutschland geplante Produktionsschritte, Investitionen oder zentrale Funktionen ins Ausland verlagert oder dies beschlossen. Bei größeren Unternehmen sind es 39 Prozent. 31 Prozent haben einzelne Produktionsschritte oder Produktlinien ins Ausland verlagert oder dies beschlossen. In der energieintensiven Industrie haben mindestens 20 Prozent eine dieser Auslandsaktivitäten umgesetzt oder beschlossen, bei den Automobilzulieferern sind es 16 Prozent und im Maschinen- und Anlagenbau elf Prozent.

Unter den Unternehmen mit Verlagerungsaktivitäten haben 48 Prozent in Asien (ohne China) investiert oder wollen dies tun, etwa in Indien oder Südostasien, 44 Prozent in Osteuropa, 41 Prozent in China und 21 Prozent in den USA (Mehrfachnennungen möglich). Als Einfluss auf die Entscheidung, Investitionen von Deutschland ins Ausland zu verlagern, nennen 83 Prozent dieser Unternehmen Kostenvorteile bei Energie und Löhnen als „groß“ oder „sehr groß“. Es folgen eine bessere wirtschaftliche Perspektive im Zielland (63 Prozent), Förderungen oder Subventionen (44 Prozent) und Steuervorteile (42 Prozent). Weniger Bürokratie und schnellere Verwaltungsprozesse haben für 31 Prozent großen oder sehr großen Einfluss, eine bessere Infrastruktur für 13 Prozent.

„Die Verlagerung einzelner Produktlinien oder Bereiche ist noch kein Abschied vom Standort“, sagt Christian Säuberlich. „Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen wollen nach wie vor in Deutschland präsent sein. Die betriebswirtschaftliche Lage hat vielfach zu einer deutlich stärkeren regionalen Diversifikation geführt. Und sie ermöglicht bei einer Verschlechterung hiesiger Standortbedingungen, weitere Bereiche nachzuziehen. Viele Unternehmen haben damit ihre Abhängigkeiten gesenkt.“

Weniger Personal: Großunternehmen setzen auf KI und Automatisierung

Bis Mitte 2027 erwarten 30 Prozent der Unternehmen mehr Beschäftigte in ihren Betrieben in Deutschland, 51 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Zahl. Der Personalaufbau findet vor allem bei Unternehmen mit weniger als 50 Millionen Euro Umsatz statt: 37 Prozent von ihnen rechnen mit zusätzlichem Personal. Bei größeren Unternehmen ab 100 Millionen Euro Umsatz sind es dagegen nur neun Prozent. 19 Prozent aller befragten Unternehmen rechnen dagegen mit einem Personalabbau, bei den größeren Unternehmen sind es 34 Prozent.

„Das hat auch damit zu tun, dass wir bei den Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz deutlich häufiger Investitionen in Künstliche Intelligenz sowie Automatisierung und Robotik sehen“, sagt Christian Säuberlich. „Viele haben in den letzten Jahren zudem Arbeitskräfte aufgrund des Fachkräftemangels nicht freigesetzt, obwohl diese nicht ausgelastet waren. Das führt jetzt zu einem deutlich geringeren Bedarf an neuem Personal.“

Parallel dazu haben 42 Prozent der größeren Unternehmen ein Restrukturierungsprogramm gestartet oder konkret geplant, bei kleineren Unternehmen sind es neun Prozent. 24 Prozent der größeren Unternehmen kaufen Unternehmen oder Unternehmensteile zu, 21 Prozent verkaufen Geschäfts- oder Produktbereiche und 20 Prozent schichten Kapital in wachstumsstärkere Geschäftsfelder um. Zwei von drei größeren Unternehmen (64 Prozent) setzen mindestens eine dieser Umbaumaßnahmen um oder planen sie; bei kleineren Unternehmen ist es jedes dritte (34 Prozent).

„Die Studie zeigt, dass größere Unternehmen bei Personalabbau, Kapazitätsreduzierung, Verlagerung und Restrukturierung deutlich häufiger aktiv sind als kleinere“, sagt Christian Säuberlich. „Wer Wachstum plant, tut das nach unserer Beobachtung häufig in Bereichen mit staatlich getriebener Nachfrage, unter anderem Verteidigung.“

Für den German Economic Pulse 2026 hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch im Sommer 2026 insgesamt 151 Führungskräfte deutscher Industrieunternehmen telefonisch befragt: 37 Unternehmen aus der Automobilindustrie, 51 Maschinen- und Anlagenbauer sowie 63 Unternehmen der Branchen Chemie, Papier, Keramik und Metall (Energieintensive Industrie). Die Ergebnisse können als repräsentativ für Unternehmen der Branchen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau sowie Energieintensive Industrie (Chemie, Papier, Keramik und Metall) ab 10 Millionen Euro Jahresumsatz angesehen werden. Als größere Unternehmen bezeichnet diese Mitteilung Unternehmen ab 100 Millionen Euro Jahresumsatz, als kleinere Unternehmen solche mit 10 bis unter 50 Millionen Euro Jahresumsatz.

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  • Christian Säuberlich, Partner und Vorstandsmitglied bei FTI-Andersch.

    Christian Säuberlich, Partner und Vorstandsmitglied bei FTI-Andersch.

    Bild: FTI-Andersch

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