So wird vernetzte Energie sektorenübergreifend gesteuert

Datengetriebene Energieplanung auf dem Prüfstand

Das Energiemanagementsystem am Chemiestandort Leuna erfasst Erzeugungs-, Verbrauchs- und Netzdaten, um Prognosen und Fahrpläne zu erstellen.

Bild: iStock, chaofann
10.10.2026

Energieflüsse in Industriearealen reichen von Strom und Erdgas bis zu Dampf und Wärme. Wie lassen sich Erzeugung, Verbrauch und Speicherung gemeinsam optimieren? Ein Verbundprojekt in Leuna erprobt dazu ein datengetriebenes EMS.

Wie lässt sich der Energieeinsatz in einem vernetzten Industrieareal intelligent steuern? Dieser Frage geht ein neues Verbundprojekt am Chemiestandort Leuna nach, das im Oktober 2026 offiziell gestartet ist. Ziel ist es, den technischen und wirtschaftlichen Nutzen eines zentralen, datengetriebenen Energiemanagementsystems (EMS) für ein gewerblich-industrielles Areal unter realen Bedingungen nachzuweisen.

Wo Energieflüsse zusammenlaufen

Der rund 1.300 ha große Chemiestandort Leuna ist durch einen komplexen stofflichen und energetischen Verbund geprägt. InfraLeuna ist dort als Eigentümer und Betreiber der Infrastruktureinrichtungen unter anderem für die zentrale Energieversorgung mit modernen Gas- und Dampfturbinen sowie Power-to-Heat-Systemen und für umfangreiche Netzstrukturen für die Medien Dampf, Strom und Erdgas verantwortlich. Das Energiesystem ist über zwei Koppelpunkte an das vorgelagerte Verteilnetz der Mitnetz Strom angeschlossen. Damit bietet der Standort ideale Bedingungen, um ein arealweites EMS unter realistischen Bedingungen zu erproben.

„Am Chemiestandort Leuna können wir unter realen Bedingungen zeigen, welchen Mehrwert ein datengetriebenes Energiemanagement in einem komplex vernetzten Industrieareal schafft. Unser Ziel ist es, Energieerzeugung, -verbrauch und -speicherung sektorenübergreifend so aufeinander abzustimmen, dass Kosten sinken, Lastspitzen reduziert und das öffentliche Verteilnetz entlastet werden“, erklärt Sebastian Flemming, Projektleiter am Fraunhofer IOSB-AST.

Kern des Vorhabens ist die Integration von EMS-EDM PROPHET in die Systemlandschaft von InfraLeuna. Das System erfasst über das Leitsystem Erzeugungs-, Verbrauchs- und Netzdaten, prognostiziert mit modernen KI-Methoden den Verbrauch sowie die Einspeisung erneuerbarer Energien und ermittelt kostenoptimale Fahrpläne für flexible Anlagen, beispielsweise KWK-Anlagen, Power-to-Heat-Anlagen und geplante Batteriespeicher. Die Optimierung erfolgt sektorenübergreifend unter Berücksichtigung technischer Restriktionen der Systeme und regulatorischer Randbedingungen.

Drei Anwendungsfälle für die Erprobung

Das Projekt verfolgt drei Anwendungsfälle: die sektorenübergreifenden Energieflüsse zur Optimierung der Energiebilanz, den Austausch thermischer Energie und die Nutzung von Abwärmepotenzialen sowie die automatische Reaktion auf Signale aus dem elektrischen Netz. Die Erprobung erfolgt stufenweise – vom beratenden Betrieb über den Parallelbetrieb bis zum Demobetrieb – unter Realbedingungen über mindestens drei Monate.

„Das KEDI steht für Identifizierung und Nutzung von Energieeffizienzpotentialen durch digitale Lösungen. Mit dem Projekt wollen wir die Wirkung von datengetriebenen Energiemanagementsystemen beweisen und zur breiten Anwendung anregen.“, sagt Erik Förster, Projektverantwortlicher KEDI EMS IG.

Das Projekt wird vom Fraunhofer IOSB-AST und InfraLeuna im Auftrag des Kompetenzzentrums Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDI) der Deutschen Energie-Agentur (dena) realisiert. Es beruht auf komplementärer Expertise: Das Fraunhofer IOSB-AST entwickelt das EMS, passt es an und ist für Prognose und Optimierung verantwortlich. InfraLeuna stellt Infrastruktur, Daten und die Fachexpertise des Standorts bereit. Das KEDi der Dena beauftragt und begleitet das Vorhaben und macht die Ergebnisse öffentlich zugänglich.

Bildergalerie

  • Chemiestandort Leuna: Gas- und Dampfturbinenwerk 2 (GuD 2).

    Chemiestandort Leuna: Gas- und Dampfturbinenwerk 2 (GuD 2).

    Bild: InfraLeuna GmbH

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