Aus Strom umgewandelte Wärme wird in speziellen Speichern gelagert, bis sie benötigt wird.

Bild: Bilfinger

Integration von industrieller Abwärme Bilfinger entwickelt Fernwärmekonzept für Kommunen und Industrie

29.10.2018

Fernwärme als Nebenprodukt konventioneller Stromerzeugung aus Kohle, Öl und Gas: Diese Rechnung geht im Zuge der Energiewende immer weniger auf. Denn mittelfristig werden fossile Brennstoffe durch Strom aus erneuerbaren Quellen ersetzt. Der Industriedienstleister Bilfinger hat sich deshalb mit zwei Partnern zusammengetan, um die Fernwärmeversorgung mit dem Projekt ScaleGrid fit für die Zukunft zu machen.

Christian Strondl, Geschäftsführer von Bilfinger Bohr- und Rohrtechnik, erläutert das Konzept: „ScaleGrid nützt allen Beteiligten: Stadtwerke können aus Fernwärmenetzen mehr Geld schöpfen, Kommunen senken ihren CO2-Ausstoß, Industrieunternehmen verkaufen ungenutzte Energie und Verbraucher profitieren von einer störungsfreien und stabilen Wärmeversorgung zu attraktiven Preisen.“

Wärmemarkt-Wende muss folgen

Um die Wärmewende für alle Beteiligten attraktiv zu machen, setzt ScaleGrid auf die Einbindung industrieller Abwärme in die Fernwärmeversorgung sowie ein intelligentes Temperaturmanagement im Gesamtnetz. Bilfinger kooperiert dazu mit zwei Partnern.

Das IT-Unternehmen ProCom aus Aachen liefert umfangreiche Analysen des Energiemarkts und der Preisentwicklung. Die Wiener Beratungsgesellschaft Nusser & Partner übernimmt die Kommunikation mit allen Anspruchsgruppen. Bilfinger bringt seine Erfahrung für die Energienutzung in Industrieunternehmen ein und sorgt für die technische Entwicklung und Projektumsetzung.

Hintergrund von ScaleGrid ist das Problem, dass immer mehr Strom mithilfe von Sonnen- und Windenergie produziert wird. Abwärme entsteht bei diesem Prozess nicht – im Gegensatz zur Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Aus diesem Grund sind neue Modelle notwendig, um das Fernwärmenetz wirtschaftlich zu betreiben. Der Wende auf dem Strommarkt muss eine entsprechende Wende auf dem Wärmemarkt folgen.

Abwärme mehr Aufmerksamkeit schenken

ScaleGrid verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Eine intelligente Software von ProCom bildet dazu das Fernwärmenetz inklusive aller Rahmenbedingungen ab und prognostiziert Nachfrage, Wetter und Marktpreise. Auf dieser Basis können die Stadtwerke und Industrieunternehmen entscheiden, welche Form der Energieerzeugung gerade wirtschaftlicher ist. Sind die Strompreise etwa sehr niedrig, lohnt es sich für kommunale Versorger kaum, die selbst produzierte Energie zu verkaufen. Stattdessen wird der Strom in Wärme umgewandelt und in speziellen Speichern gelagert, bis sie benötigt wird.

Unternehmen sollen parallel davon profitieren, ihre industrielle Abwärme dezentral ins Netz einzuspeisen. Bilfinger verbessert dazu die Wärmeströme im Betrieb, identifiziert mögliche Einsparungen und bewertet, ob und in welchem Ausmaß sich die industrielle Abwärme weiter nutzen lässt. Das Potenzial ist hier aus Sicht von Christian Strondl noch lange nicht ausgeschöpft: „Bislang wurde der Abwärme als einem Nebenprodukt nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Mit ScaleGrid helfen wir Unternehmen, diese Effizienzlücke zu schließen.“

Bildergalerie

  • Die Fernwärmeversorgung über ScaleGrid soll die Wärmewende für alle Beteiligten attraktiv machen.

    Bild: Bilfinger

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