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Wann lohnt sich Retrofit? Wir haben in verschiedenen Unternehmen nachgefragt.

Nachgefragt: „Wann sollten sich Anwender für Retrofit entscheiden?“ Bewährte Anlage vs. Neuanschaffung

12.11.2019

Es muss nicht immer eine Neuanschaffung sein. Mit einem Retrofit können ältere Anlagen wieder auf den neuesten Stand gebracht werden. Wann sollten sich Anwender für eine Anlagenmodernisierung entscheiden und wann ist die Investition in eine neue Anlage am Ende doch die bessere Wahl?

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In unserer Bildergalerie lesen Sie die Antworten zu unserer Umgfrage zum Thema Retrofit vs. Neuanschaffung:

Bildergalerie

  • Florian Wirl, Bosch Rexroth: Sinkende Investitionen bei Neuanschaffungen, ehrgeizige Ziele für vorhandene Anlagen, steigende Anforderungen an Energieeffizienz und eine flächendeckende Vernetzung von Maschinen: Instandhalter stehen unter enormem Druck, höchste Verfügbarkeit zu gewährleisten und gleichzeitig die Taktzeiten zu minimieren. Mit einer geeigneten Kombination aus Produktüberholung, Retrofit und Modernisierung können Endanwender ältere Maschinen sehr wirtschaftlich auf- beziehungsweise nachrüsten und die Produktivität bewährter Maschinen durchschnittlich um bis zu 15 Prozent steigern. Hierbei ermöglicht es Bosch Rexroth nicht nur, die Gesamtanlageneffektivität einer in die Jahre gekommenen Maschine signifikant zu steigern, sondern diese auch in das Zeitalter des „Internet der Dinge“ zu heben. Am Ende muss der Anwender zwischen Maschinen-Neuanschaffung und Nutzungsverlängerung abwägen.

    Bild: Bosch Rexroth

  • Dr. Jan Regtmeier, Harting: Der beste Weg ist eine Return-on-Invest-Betrachtung. Für hochwertige Maschinen ist häufig der Retrofit der optimale Weg, da die Maschine selbst ihre eigentliche Aufgabe sehr gut erfüllt. Häufig fehlen ‚nur‘ IT Funktionalitäten, die sich leicht nachrüsten lassen. Häufig sind die Themen der Kunden: Condition monitoring, Remote access und remote service sowie OEE-Erfassung. Mit Hartings Lösungspaketen auf Basis der MICA und dem MICA.network lassen sich diese Themen optimal adressieren.

    Bild: Harting

  • Peter Baumüller, Heitec:Dies ist nicht pauschal zu beantworten und hängt vom individuellen Zustand der Anlage und den Anforderungen ab. Mit einer Bestandsaufnahme der Sicherheits- und Automatisierungstechnik sowie der Mechanik wird eine Risikoanalyse erstellt. Der sich daran anschließende Modernisierungsplan beschreibt Phase für Phase alle Prozesse und technischen Funktionen, bringt Struktur in das Projekt und ordnet alle Aktivitäten sowohl auf Kunden- als auch auf Lieferantenseite. Mit ihm kann der Anlagenbetreiber seine Investitionen entscheiden und planen. Insbesondere durch Modernisierung der elektrischen Automatisierungstechnik lassen sich Maschinen und Anlagen kostengünstig wieder auf den neuesten technischen Stand bringen.

    Bild: Heitec

  • Roman Mackert, SEW-Eurodrive: Ein Retrofit bietet sich in besonderem Maße bei Maschinen und Anlagen an, bei denen die Mechanik einen Großteil der Investitionssumme ausmacht. Häufig sind die mechanischen Komponenten einer Anlage noch in einem ausreichend guten Zustand. Modernisierungsmaßnahmen beschränken sich auf den Austausch von Antriebs- und Automatisierungskomponente. Somit ist ein Retrofit, im Vergleich zu einer kompletten Neubeschaffung, oftmals die attraktivere Lösung. Grundsätzlich sollte sich jedoch der Anlagenbetreiber im Vorfeld mit der konkreten Zielsetzung auseinandersetzen und folgende Fragestellungen klären: Soll die Anlagen- und Ersatzteilverfügbarkeit wiederhergestellt werden, indem nicht mehr lieferbare oder defekte Antriebskomponenten ausgetauscht werden? Sollen Sicherheit, Effizienz oder Ergonomie der Anlage durch moderne Sicherheitseinrichtungen und aktueller elektrischer Ausrüstung (zum Beispiel: Schaltschränke, Sensorik, Bedienelemente) erhöht werden? Ist das Ziel, die Maschine auf den aktuellen Stand der Technik zurückzuführen, ist ein Retrofit als Alternative zu einer Neuanschaffung meist die bessere Lösung. Oder soll die Produktivität der kompletten Anlagen gesteigert, gegebenenfalls das zu produzierende Produktspektrum erweitert, manuelle Arbeitsgänge automatisiert oder die bestehende Anlage mit anderen Anlagenteilen verbunden werden?

    Wenn die Anlage über die ursprünglich definierten technischen Daten und der bestimmungsgemäßen Verwendung verändert werden soll, ist es ratsam, die Maßnahmen in Hinblick auf die Einhaltung der normativen und gesetzlichen Anforderungen zu prüfen. Stellt sich hierbei im Rahmen der Konzeptionsphase heraus, dass durch die Modernisierungsmaßnahmen eine wesentliche Änderung und damit eine Durchführung des Konformitätsbewertungsverfahrens notwendig ist, kann ein Retrofit schnell die Kosten einer Neuanschaffung übersteigen.

    Zusammenfassend lässt sich also sagen: Ein Retrofit sollte immer als Alternative zu einer Neuanschaffung in Betracht gezogen werden. Das Ziel sollte im Vorfeld klar definiert und die geplanten Änderungen individuell bewertet werden. Nur so erhält der Betreiber ein Gespür dafür, ob ein Retrofit oder aber eine Neuanschaffung für ihn der richtige Weg ist.

    Bild: SEW Eurodrive

  • Erwin Bernroitner, Sigmatek: Retrofit bietet sich an, wenn Maschinen – im speziellen Großmaschinen – mechanisch noch am Stand der Technik sind. Hierbei kann es Sinn machen, diese elektrisch aufzurüsten. Ein mitentscheidender Faktor kann die Ersatzteilverfügbarkeit sein. Maschinen sind vielmals länger als die vom Hersteller garantierte Ersatzteilverfügbarkeit im Einsatz. Mit Retrofitting kann die Lebensdauer erhöht und ein Maschinenstillstand aufgrund nicht mehr lieferbarer Ersatzteile vermieden werden. Ein wichtiger Punkt, den es hierbei zu beachten gibt, ist, dass mit dem Nachrüsten auch eine neue Sicherheitsbetrachtung der Maschine vorgenommen werden muss. Gegen Retrofitting spricht die langfristige Wirtschaftlichkeit. Neue Maschinen können durch eine leichtere Bauweise ein erhebliches Stromeinsparungspotential vorweisen und sind zudem kompakter gebaut. Auch die Produktion läuft energiesparender bei gleichzeitig mehr Output.

    Bild: Sigmatek

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