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Bild: Pixabay

Ackermanns Seitenblicke Auch das Glück wird digitalisiert

13.04.2018

Sorgt die moderne Technik für ein größeres menschliches Glück? Gewiss doch, meinen sowohl Wissenschaftler als auch eine wachsende Schar von Ratgebern, Marketeers und Influencern. Besonders digitale Tools sollen dem Wohlbefinden nochmal einen deutlichen Schub geben.

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Eine gute Gesundheit gilt diversen Erhebungen zufolge als eine der Kernbestandteile des Glücks von Menschen. Unternehmen, Forscher und sogenannte Life Coaches entwickeln deshalb Techniken, um die Gesundheit stetig zu verbessern. Anfänglich fördern die uns anempfohlenen Techniken die Selbsterkenntnis und das Selbstmanagement. Damit sollen sie ein gesünderes Verhalten erzeugen. In Zukunft steht dann die Umprogrammierung des Bewusstseins und der DNA auf dem Programm.

Begonnen hat das ganz harmlos mit Fitness-Trackern- und Mental-Coaching-Apps. Mit Tracking und Nudging, also sanften Schubsern in die richtige Richtung, manipulieren sie uns etwa zu mehr Sport oder einer gesünderen Ernährung. Darauf folgte Software, etwa zur Früherkennung von Stress, die in Zukunft immer mehr und mehr in den Körper vordringen wird, um unsere Natur gemäß den angestrebten Zielen zu verändern.

Diese Entwicklung ist natürlich auch für die Wellness-Industrie interessant. Das Global Wellness Institute (GWI) prognostiziert von 2017 bis 2022 für diese ein beeindruckendes Marktwachstum von 134 auf 180 Milliarden Dollar. Zu den stetig wachsenden Bereichen zählen unter anderem der Wellness-Tourismus, die Spa-Industrie, Fitness, gesunde Ernährung und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Dem weltweiten Wellness-Wirtschaftsmonitor des GWI zufolge haben die zehn Sektoren der Wellness-Wirtschaft einen Wert von 3,7 Billionen Dollar. Das sind 5 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und entspricht nahezu der Hälfte aller weltweiten Gesundheitsausgaben.

Glück besteht allerdings aus mehr als nur Gesundheit. Lässt sich das komplexe Konstrukt Glück aber überhaupt messen? Es gibt zumindest Ansätze: Der World Happiness Report sieht Norwegen, Dänemark, Island, die Schweiz und Finnland weltweit vorn. Beim Happy Planet Index (HPI), der die ökologischen Kosten, die Nachhaltigkeit, das BIP und die Lebenserwartung mitberücksichtigt, sind es Costa Rica, Mexiko, Kolumbien, Vanuatu und Vietnam. Denn durch die Berechnungsmethode des HPI ergeben sich dann Maximalwerte, wenn die Lebenszufriedenheit möglichst hoch und der ökologische Fußabdruck möglichst gering ist – eine in der realen Welt eher seltene Kombination. Deutschland hat sich übrigens bei ersterem Tableau von Rang 26 auf Rang 16 vorgearbeitet, während wir beim HPI Platz 49 belegen. Die USA stehen auf Rang 108 von 140 Ländern; Luxemburg ist Vorletzter, vor dem Schlusslicht Tschad.

Die gemeinsame Studie „Wellness 2030“ des erwähnten GWI und des Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Instituts (GDI) vom Januar diesen Jahres sieht fünf zentrale Trends für den Zukunftsmarkt Glück: Erstens führt die Technik zu Konvergenz, zu einer Symbiose zwischen Mensch und Technologie. Zweitens bieten Biohacker aus den unterschiedlichsten Bereichen Shortcuts zum Wohlbefinden an. Drittens kommt zum äußeren Portrait in den sozialen Netzen ein inneres hinzu, ein sogenannter Daten-Selfie. Enthüllt und entschlüsselt wird unser digitales Double von Wearables. Viertens wird auch die Partnersuche optimiert. Algorithmen und KI entscheiden, wer gerade am besten zu uns passt. Fünftens ersetzen Biofeedbacks Umfragen, Ratings und Likes. Letzteres ist besonders für die hochdotierten Einhörner aus dem Silicon Valley interessant. Schließlich wollen sie mit unbeirrbarem Hacker-Mindset den Glückscode der Menschheit knacken; wohl um ihn dann zur Maximierung des Gewinns zu nutzen.

Natürlich will jeder glücklich sein. Aber sollen das wirklich Programme steuern? Die Frage ist, ob wir uns dem langfristig entziehen können. Ich muss leider sagen: Bisherige Erfahrungen sprechen heftig dagegen…

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  • Solange es die Elektronikindustrie gibt, begleitet Roland Ackermann sie. Unter anderem als Chefredakteur, Verlagsleiter und Macher des „Technischen Reports“ im Bayrischen Rundfunk prägt er die Branche seit den späten 1950er-Jahren mit.

    Bild: Roland Ackermann

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