Brauerei aktualisiert Prozessleitsystem Alle Energiespitzen im Griff

In puncto Prozessleitsystem (PLS) ist Hansa Borg seit über 20 Jahren mit ProLeiT verbunden – am Hauptstandort in Bergen wird die Branchenlösung Brewmaxx für die Automatisierungs-, Informations- und Steuerungstechnik eingesetzt.

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03.11.2023

Lastspitzen vermeiden, Lasttäler ausnutzen und effizienter in eine nachhaltige Zukunft starten: Eine norwegische Brauerei hat dafür sein Prozessleitsystem aktualisiert – und dabei auch gleich die ganze Gebäudeleittechnik integriert sowie ein Energiemanagementsystem installiert.

Die Biermarken Hansa, Borg, CB Pilsner und Fredrikstad sind vielen ein Begriff. Sie werden von Hansa Borg Bryggerier produziert. Heute ist der zweitgrößte Bierhersteller Norwegens im Besitz der dänischen Gesellschaft Royal Unibrew. Mit rund 300 Mitarbeitern hat er 2021 einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Norwegischen Kronen (entspricht etwa 122 Millionen Euro) erzielt. Dabei setzt man auf langfristige Partnerschaften: In puncto Prozessleitsystem (PLS) ist Hansa Borg seit über 20 Jahren mit ProLeiT verbunden – am Hauptstandort in Bergen wird die Branchenlösung Brewmaxx für die Automatisierungs-, Informations- und Steuerungstechnik eingesetzt. Als tragfähige Grundlage aller unternehmerischen Entscheidungen vernetzt das PLS die verschiedenen Prozesse und hilft somit dabei, die Brauerei effizienter und wirtschaftlicher zu führen. Allerdings war das zugrundeliegende System mitsamt Schaltschränken und der innewohnenden Peripherie in die Jahre gekommen, sodass eine Modernisierung unumgänglich war. Dabei sollte nicht nur Brewmaxx ein Update erhalten, sondern auch ein Austausch sämtlicher I/O-Karten erfolgen. Und da Brewmaxx ohnehin schon als zentrale Instanz installiert war, galt es, zusammen mit den Produktionsprozessen noch die Gebäudeleittechnik mit einzubinden. Hierfür wurde Brewmaxx um das Energiemanagementsystem-(EnMS)-Modul erweitert.

Zentrales System für vollen Überblick

Die einzelnen Schaltschränke konnten aufgrund von Lieferschwierigkeiten erst nach und nach angebunden werden, was eine hohe Flexibilität seitens ProLeiT erforderte. Mit der schrittweise umgesetzten Integration aller Systeme profitiert Hansa Borg aber von einem Vorteil mit langfristiger Bedeutung: Alle Systeme und Daten laufen auf einem Server und in einer Datenbank zusammen. Es gibt nur eine einzige Version der Wahrheit, was die Datenpflege deutlich vereinfacht und Fehler reduziert. Die zentrale Aufzeichnung aller Messwerte, Alarme und Meldungen bietet einfache Vergleichs- und Optimierungsmöglichkeiten für mehr Wirtschaftlichkeit. Dazu ermöglichen die zentrale Verwaltung von Prozessen und Parametrierung über ein schrittkettengesteuertes Rezeptsystem einen reibungslosen und effizienten Ablauf der Produktionsprozesse.

Dabei ist es vor allem die in Brewmaxx eingebundene und automatisierte Gebäudeleittechnik, die es Hansa Borg ermöglicht, die Brauerei noch effizienter zu führen. Sämtliche Daten kommen nun über die SPS in das System, sodass Brewmaxx auch alle Ventilations- und Belüftungssysteme, Heizungs- wie auch Kühlsysteme steuern kann. „Den entscheidenden Mehrwert“, so Matthias Schmälzlin, verantwortlicher Sales Manager bei ProLeiT, „liefert das nun in Brewmaxx integrierte EnMS. Mit dem behält Hansa Borg alle Wasser-, Strom- und Gasverbräuche durchgehend im Blick.“ Denn indem sich zunächst alle Verbräuche exakt messen, aufzeichnen und über in Brewmaxx integrierte Dashboards ablesen und analysieren lassen, ergeben sich für die Zukunft enorme Einsparpotenziale. Und zwar über alle Produktionssysteme wie auch die komplett eingebundene Gebäudeleittechnik hinweg.

Stichwort Lastspitzen: Hansa Borg ist dank dem EnMS nicht nur in der Lage, direkt auf Verbrauchsspitzen zu reagieren, sondern kann sämtliche Energieverbräuche der Brauerei in Bergen ermitteln, dokumentieren und in einem kontinuierlichen Prozess optimieren. So können die Bediener bei Hansa Borg direkt auf die Werte reagieren, indem sie etwa Kühlprogramme entsprechend steuern und anpassen. Ein Riesenvorteil, der aufgrund hoher Energiekosten und der Annahme, dass auch zukünftig mit einer ansteigenden Teuerungsrate für Strom, Öl und Gas zu rechnen ist, bares Geld wert ist. Und der für Hansa Borg Bryggerier die Frage beantwortet, wie sich die eigenen Produkte zukünftig überhaupt noch wirtschaftlich produzieren lassen.

Lastspitzen vermeiden, Lasttäler nutzen

Ohne die laufende Produktion und die Produktqualität zu beeinträchtigen, ist die norwegische Brauerei nun in der Lage, sämtliche Prozesse Schritt für Schritt zu verbessern und damit effektiv Energie einzusparen. Dabei ist es vor allem die Vermeidung kostspieliger Energiespitzen, die auf der Agenda der Hansa Borg Brauerei steht. Schon die eigene Erfahrung zeigt, dass je nach Auslegung und Optimierung deutliche Einsparungen im zweistelligen Prozentbereich möglich sind.

Sämtliche Zusammenhänge lassen sich mit dem EnMS-Add-on nun bereichs-, vergleichs- oder zeitbezogen in übersichtlichen Berichten darstellen. Die Erfassungsmöglichkeiten sind vielfältig: Sie beinhalten Zählwerte aus Impuls- und Absolutwertzählern, berechneten (virtuellen) Zählern, Summenzählern, Integralzählern, Differentialzählern und Analogwerte wie etwa die Außentemperatur. Dabei ist die Aufzeichnung der Daten aktuell nur der erste Schritt, auf den eine umfassende Analyse und Optimierung folgt. Eine entscheidende Hilfe bilden auch die kundenspezifischen Strategien, die sich im Energiemanagementsystem definieren lassen, um eine effiziente und nachhaltige Betriebsweise sicherzustellen.

Bedeutet in der Brauereipraxis: Es lassen sich unter anderem Sollwerte für Temperaturen und Mengen direkt und produktionsabhängig verändern und nicht benötigte Verbraucher abschalten. Ein weiterer typischer Anwendungsfall ist das energieintensive Anfahren der Schroterei oder Abfüllanlage: Damit ein bestimmtes Energieverbrauchsniveau nicht überschritten wird, lassen sich auch hier unnötige Verbraucher abschalten, Kühlprozesse optimieren oder zeitlich verschieben. In jedem Fall kann die Brauerei eigene Parameter zur intelligenten Alarmierung setzen und vorausschauend handeln: Lastspitzen werden vermieden, Lasttäler optimal ausgenutzt. Kontinuierlich werden also alle Ist-Zustände von Primär- und Sekundärenergieträgern sowie weiterer Medien erfasst. Anhand des Energiemonitorings ist eine detaillierte Analyse möglich, um die Daten via einheitlichem Reporting und mit variablen Vergleichen über verschiedene Zeiträume darzustellen. Dazu sind alle Messwerte und Abläufe historisch verfügbar und visuell über den ProLeiT-Visu-Recorder nachvollziehbar. Die Abspielfunktion wird direkt über die Brewmaxx-Prozessvisualisierung gestartet. Das Zeitfenster der Aufzeichnung und die Wiedergabegeschwindigkeit sind frei wählbar. Da nun alle Prozessabläufe rückverfolgbar und analysierbar sind, kann die Brauerei eventuelle Fehler schnell diagnostizieren und beseitigen. Auch die eigenen Bediener profitieren, wenn es in Zukunft darum geht, Probleme schneller zu lösen und auf Fehlfunktionen zu reagieren.

Nachhaltig für die Zukunft gerüstet

Das Prozessleitsystem wurde mitsamt den Schaltschränken und I/O-Karten modernisiert und auf den aktuellen Stand gebracht. Damit ist es nicht nur effizienter, sondern auch sicherer und zuverlässiger. Da alle Produktionsprozesse mitsamt der Gebäudeleittechnik über das zentrale Brewmaxx-Prozessleitsystem eingebunden sind, müssen sich die Verantwortlichen bei Hansa Borg nur an einer Stelle um Updates kümmern. Und mit weniger Schnittstellen gibt es auch weniger potenzielle Sicherheitslücken. Ohnehin handelt es sich um ein komplett isoliertes System, das in einer abgeschirmten virtuellen Umgebung läuft.

Zusammengefasst profitiert die Bergener Brauerei von eine aktuellen Software mit den neuesten Cybersicherheitsstandards und kontinuierlichen Updates für Betriebs- und Datenbanksysteme. Dazu kommt die hohe Standardisierung: Für die Bediener, die während des Projekts on-the-Job eingearbeitet wurden, ist alles im gleichen Look and Feel gestaltet. Sämtliche Benutzerobeflächen sind intuitiv, einfach und grundsätzlich von jedem bedienbar.

Durch die Leistungsoptimierung und Prozesstransparenz kann die Brauerei nun erhebliche Einsparpotenziale realisieren. Die Grundlage für die Auswertung der Daten und Optimierung der Prozesse ist mit dem PLS-Update, dem EnMS und der zusätzlichen Integration der Gebäudeleittechnik gelegt. Ob es sich nun um die Planung der Produktion oder direkte Eingriffe in die Produktionssteuerung handelt – Schritt für Schritt werden erst die „Low hanging fruits“ optimiert, um dann komplexere Hebel zu bewegen. Und vielleicht tauchen im Laufe des Verbesserungsprozesses auch noch Einsparpotenziale auf, die die Brauerei noch nicht auf dem Schirm hat.

„In jedem Fall hat die Hansa Borg Brauerei nun nicht nur einen Schlüssel für erhebliche Einsparungen bei den Betriebs- und Herstellkosten“, resümiert Matthias Schmälzlin, „sondern auch einen Wettbewerbsvorteil in der Hand.“ Dazu bleibt die lange Partnerschaft mit ProLeiT bestehen, die viel mehr ein persönliches Verhältnis auf Augenhöhe ist, wie Ivar Selheim, Technischer Leiter der Hansa Borg Brauerei, bestätigt: „Man kennt sich, man vertraut sich und man weiß, was man aneinander hat. Alles kommt aus einer Hand von einem Ansprechpartner. Und tauchen einmal Fragen auf, können wir sicher sein, schnell und unkompliziert die richtigen Antworten zu erhalten.“ Welches Energiesparpotenzial die Hansa Borg Braurei im norwegischen Bergen letztendlich realisieren kann, wird sich zeigen. Eines steht in jedem Fall fest: Die Zukunft sieht deutlich effizienter und nachhaltiger aus.

Bildergalerie

  • Hansa Borg ist dank dem EnMS nicht nur in der Lage, direkt auf Verbrauchsspitzen zu reagieren, sondern kann sämtliche Energieverbräuche ermitteln, dokumentieren und optimieren.

    Hansa Borg ist dank dem EnMS nicht nur in der Lage, direkt auf Verbrauchsspitzen zu reagieren, sondern kann sämtliche Energieverbräuche ermitteln, dokumentieren und optimieren.

    Bild: ProLeiT

  • Produktion von Hansa Borg: Die Brauerei ist der zweitgrößte 
Bierhersteller Norwegens.

    Produktion von Hansa Borg: Die Brauerei ist der zweitgrößte
    Bierhersteller Norwegens.

    Bild: ProLeiT

  • Abfüllung bei Hansa Borg

    Abfüllung bei Hansa Borg

    Bild: ProLeiT

  • Hansa Borg Brauhaus

    Hansa Borg Brauhaus

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