publish-industry Verlag GmbH

Um Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssen Unternehmen flexibler werden in ihrer Personalstrategie.

Bild: Pixabay
2 Bewertungen

Offenheit bei der Personalsuche Fachkräftemangel: So machen sich Unternehmen attraktiver

04.07.2017

Für viele Berufe sind geeignete Mitarbeiter in ganz Deutschland schwer zu finden, beispielsweise Mechatroniker. Höchste Zeit für die Unternehmen, aktiv zu werden durch mehr Offenheit bei der Personalsuche.

Sponsored Content

Ein Fachkräfteengpass besteht, wenn weniger Arbeitslose verfügbar sind als es offene Stellen gibt. Da nur etwa jede zweite Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wird, kann bereits ab einem Verhältnis von zwei Arbeitslosen je gemeldeter Stelle von einem Engpass gesprochen werden.

Mangel ist nicht gleich Mangel

Es ist allerdings längst nicht jeder Beruf betroffen, und nicht in jeder Region fehlen die gleichen Fachkräfte. Hinzu kommen saisonale oder auftragsbedingte Schwankungen. Für rund 80 Prozent der Stellen in Engpassberufen suchen Unternehmen Fachkräfte mit einer Berufsausbildung. Meister und Techniker beziehungsweise Akademiker werden für je 10 Prozent aller Stellen gesucht. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft im Rahmen seines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten „Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung“ KOFA in seiner aktuellen Fachkräfteengpass-Studie.

Situation zugespitzt

Die Gesamtsituation hat sich in den letzten Jahren deutlich zugespitzt: Während 2012 noch etwa 4 von 10 Stellen in einem sogenannten Engpassberuf lagen, war es im letzten Jahr bereits jede zweite. Diese Entwicklung spricht für sich. Bleibt ein Engpass in einem bestimmten Beruf über mehrere Jahre bestehen, wird von Fachkräftemangel gesprochen.

Wie die Abbildung auf Seite 18 zeigt, reicht die Anzahl passend qualifizierter Fachkräfte in vielen Berufen nicht aus, um die Nachfrage der Betriebe zu decken. Neben pflegerischen Tätigkeiten wie der Altenpflege, wo nur 26 Arbeitslose 100 gemeldeten Stellen gegenüberstehen, fehlen den Betrieben vor allem Fachkräfte mit einem technischen Berufsprofil.

Bereits seit mehr als fünf Jahren können Stellen in den abgebildeten Berufen nicht mehr besetzt werden. Die Zahl, die im Diagramm hinter der Berufsbezeichnung in Klammern steht, gibt darüber hinaus an, in wie vielen Bundesländern der jeweilige Beruf Knappheiten aufweist. Mechatroniker, Automatisierungstechniker und Fachkräfte der elektrischen Betriebstechnik beispielsweise fehlen demnach in ganz Deutschland, Hörgeräteakustiker hingegen nur in neun Bundesländern.

Mehr Attraktivität bieten

Aber welche Möglichkeiten bleiben Unternehmen, die keine Fachkräfte mehr finden? Unternehmen müssen sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, innovative Mitarbeitergewinnung betreiben und Mitarbeiter an den Betrieb binden. Wenn deutschlandweit zu wenige Arbeitslose zur Verfügung stehen, um die offenen Stellen zu besetzen, müssen Betriebe neue Wege gehen, um langfristig erfolgreich zu bleiben – hierzu gehört auch, den räumlichen Suchradius zu erweitern, vielleicht auch ausländische Fachkräfte in den Blick zu nehmen, und die eigene Belegschaft durch geeignete Trainings und Fortbildungen weiterzuqualifizieren.

Viele kleine und mittlere Unternehmen haben jedoch kaum freie Kapazitäten, um sich neben dem Alltagsgeschäft auch der Personalarbeit zu widmen. Daher bietet das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung auf seiner Webpräsenz unter dem Link www.kofa.de ganz konkrete Hilfestellungen zu allen Aspekten der Fachkräftesicherung. In vielfältigen kostenfreien Handlungsempfehlungen und Checklisten werden verschiedene Möglichkeiten zur Fachkräftesicherung erklärt, und in Praxisbeispielen zeigen einzelne Betriebe, welche Lösungen bei ihnen gut funktionieren.

Weg mit Einschränkungen

Ein Beispiel dafür, wie die Fachkräftesicherung gelingen kann, liegt darin, bereits durch die Stellenausschreibung möglichst viele Personengruppen für sich zu begeistern. Je offener die Ausschreibung formuliert ist, umso vielfältigere Bewerbungen wird ein Betrieb auch erhalten. Dabei kann jedes Unternehmen selbst entscheiden, welche Zielgruppe sie stärker in den Blick nehmen möchte – Frauen, ältere Bewerber, Menschen mit Behinderung oder Langzeitarbeitslose, die ihr Können schon längere Zeit nicht mehr unter Beweis stellen durften – es gibt viele Möglichkeiten. Frauen bewerben sich beispielsweise vermehrt auf Anzeigen, in denen neben den „hard skills“ vor allem weibliche Attribute wie etwa Kommunikationsgeschick betont werden und seltener auf solche mit männlich-assoziierten „soft skills“ wie zum Beispiel Durchsetzungsvermögen. Männer hingegen bewerben sich auf beide Anzeigen gleich häufig. Wer also bei Stellenanzeigen Frauen stärker in den Blick nimmt, gewinnt sie als neue Zielgruppe hinzu, ohne dabei Bewerbungen von Männern einzubüßen. In allen acht technisch geprägten Top-10-Engpassberufen sind über 80 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten männlich. Berufe mit einem ausgeglicheneren Geschlechterverhältnis leiden hingegen deutlich seltener unter Engpässen.

Frauen bereits während der Berufsorientierungsphase für technische Berufe zu begeistern und später für den Betrieb zu gewinnen stellt nur eine von vielen Chancen dar. Auch Stellenausschreibungen, die mit viel Vorlauf oder in einem größeren Umkreis ausgeschrieben werden, werden häufiger von Erfolg gekrönt. Ein Großteil erfolgreicher Personalarbeit beschäftigt sich aber nicht nur mit der Rekrutierung von Mitarbeitern, sondern auch damit, gute Mitarbeiter im Betrieb zu halten und weiterzubilden. Das muss nicht immer teuer sein: Viele Ansätze sind kostenfrei, und in einigen Aspekten unterstützt der Staat die Unternehmen zusätzlich finanziell. Es lohnt sich also, das Thema anzugehen und selbst aktiv zu werden – besser heute als morgen.

Bildergalerie

  • Top 10 Engpassberufe für Fachkräfte mit Berufsausbildung: Die Grafik zeigt die Anzahl der Arbeitslosen je 100 gemeldeter Stellen nach Berufsgattungen. Beispielsweise kommen auf 100 gemeldete Stellen für Mechatroniker nur 30 entsprechend qualifizierte Arbeitslose.

    Bild: Institut für Wirtschaft

Verwandte Artikel