Auf der Pressekonferenz zur Batteriefertigung im Saarland: Anke Rehlinger, saarländische Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, und Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes. Digital zugeschaltet war Hongxin Yang, President & General Manager von Svolt.

Bild: Oliver Dietze, SHS

Produktion von Zellen, Modulen und Packs Zwei neue Standorte für Batteriefertigung in Deutschland

18.11.2020

Das chinesische Unternehmen Svolt errichtet zwei neue Produktionsstandorte für Batterietechnik in Deutschland. Geplant ist eine Produktionskapazität von insgesamt 24 GWh, bei einem Investment von zwei Milliarden Euro und bis zu 2.000 neuen Arbeitsplätzen. Entstehen werden die Fabriken im Saarland.

Svolt Energy Technology ist ein global agierendes Unternehmen mit Hauptsitz in China, das Lithium-Ionen-Batterien und Batteriesysteme für Elektrofahrzeuge sowie Energiespeichersysteme entwickelt. Der Konzern setzt jetzt seinen auf der IAA 2019 angekündigten Plan für eine europäische Produktion in die Tat um: An zwei Standorten entstehen eine Zell- sowie eine Modul- und Pack-Fabrik.

Die Batteriezellfertigung wird nahe der saarländische Ortschaft Überherrn angesiedelt sein. Der Spatenstich ist für das dritte Quartal 2021 vorgesehen, Produktionsstart soll Ende 2023 erfolgen.

Die Modul- und Pack-Fabrik wird auf einem 30 km entfernten, bereits industrialisierten Gelände bei Heusweiler realisiert, das dafür einem Retrofit unterzogen wird. Hier soll die Produktion bereits Mitte 2022 anlaufen. Beide Fertigungen sollen vollständig mit erneuerbarem Strom versorgt werden.

Warum sich Svolt für das Saarland als Produktionsstandort entschied, erklärt Hongxin Yang, President & General Manager bei Svolt: „Das Saarland haben wir aus vielfältigen Gründen als unseren ersten europäischen Produktionsstandort für die Highend-Produkte von Svolt ausgewählt: Es liegt nicht nur im Zentrum Europas, sondern repräsentiert für die Automobilindustrie eine Region für Innovation und Technik.“

Saarländisches Wirtschaftsministerium ging aktiv auf Svolt zu

Umgesetzt wird das Großprojekt in Zusammenarbeit zwischen Svolt, dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr (MWAEV) des Saarlandes und der Strukturholding Saar (SHS). Das saarländische Wirtschaftsministerium ist dabei aktiv in die Ansiedlungsgespräche mit Svolt gegangen.

Den Hintergrund dafür erklärt Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlands: „Das Auto ist im Saarland eine der zentralen Stützen des Industriestandortes. Wir wollen beim Strukturwandel der Automobilbranche ganz vorne mitfahren und unser Bundesland zu einem Hotspot für Innovation in Europa weiterentwickeln. [...] Die Ansiedlung von Svolt bringt uns diesem Ziel einen großen Schritt näher und ist deshalb ein riesiger Erfolg für das Saarland.“

Technologie von Svolt im Überblick

Als Spin-off des chinesischen Automobilherstellers Great Wall Motors kombiniert Svolt systemisches Wissen im Bereich Batteriesysteme und -management mit Know-how bei der Fahrzeugintegration. Zum One-Stop-Shop-Angebot des Unternehmens gehören Batteriezellen und deren Zellchemie, Module und Hochvoltspeicher (Packs) sowie Batteriemanagementsysteme (BMS) und cloudbasierte Softwarelösungen.

Zu den für den Automotive-Sektor ausgelegten Lithium-Ionen-Batterien zählen Lithium-Eisenphosphat- (LFP) und Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-Batterien (NCM), aber auch neuartige kobaltfreie Batterien (NMX). Svolt bietet ebenfalls Batteriezelldesigns in den bekannten Bauformen (prismatisch, zylindrisch und Pouch) an. Das umfasst Produkte nach MEB- und VDA-Standard mit Top-Terminal-Design sowie die eigens entwickelten L-Typ-Batteriezellen mit Side-Terminal-Design.

Auf Modulebene gibt es Automotive-Standardsysteme (MEB, VDA) sowie spezifische Sonderlösungen. Darüber hinaus entwickelt Svolt Batteriepacks für mehrere Fahrzeugarten und -größen.

Künftig sollen Fahrzeughersteller die Daten von Fahrzeugen außerdem mit Svolt-Technologie über die sogenannte Svolt-Cloud-Plattform analysieren und ihren Kunden so Zusatzdienste wie eine intelligente Batterieüberwachung anbieten können.

Besonderheit: Kobaltfreie Batteriezellen

Neben marktüblichen Lösungen arbeitet Svolt an der Entwicklung neuer und der Weiterentwicklung bestehender Technologien. Mit zwei großen R&D-Zentren in Baoding und Wuxi und drei R&D-Hubs beschäftigt die Firma derzeit rund 1.500 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung und meldete 2019 über 550 Patente an. Als erstem Unternehmen ist es Svolt etwa gelungen, eine Hochnickelzellchemie ohne Kobalt zu industrieller Serienreife zu bringen.

Die erwähnten Nickel-Mangan-Batteriezellen, die ebenfalls auf der IAA 2019 angekündigt wurden, verzichten vollständig auf das umstrittene Schwermetall Kobalt. Sie bestehen zu 75 Prozent aus Nickel und 25 Prozent aus Mangan und werden über eigens entwickelte Doping- und Coating-Prozesse stabilisiert.

Auf diese Weise erzielen die NMX-Batteriezellen eine Energiedichte, die mit der von herkömmlichen Hochnickelbatteriezellen (NCM) vergleichbar ist. Gleichzeitig werden sie durch den Verzicht auf Kobalt nachhaltiger, langlebiger und preiswerter. Erste NMX-Zellen will Svolt bereits Mitte 2021 in Fahrzeugen verbaut auf den Markt bringen.

Bildergalerie

  • So könnte die Fertigung nahe der saarländische Ortschaft Überherrn am Ende aussehen. Ab 2023 sollen dort Batteriezellen hergestellt werden.

    Bild: SHS

  • Das Gelände bei Heusweiler, wo die Modul- und Pack-Fabrik entstehen, verfügt bereits über ein industrialisiertes Gelände.

    Bild: SHS

  • Dies wird jedoch einem Retrofit unterzogen, damit die Produktion Mitte 2022 anlaufen kann.

    Bild: SHS

  • Svolt stellt unter anderem Batteriemodule und -zellen für die Automobilindustrie her.

    Bild: Svolt

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