Nur kurze Atempause bis Januar 2027

Zollpausen bringen Lieferketten unter Zeitdruck

Zollpause zwischen den USA und China verlängert den Handelsfrieden um zwei Monate, bis Anfang Januar 2027.

Bild: iStock, Rudenko Taras
12.10.2026

Die USA und China haben ihre Zollpause um zwei Monate bis zum 10. Januar 2027 verlängert. Gleichzeitig wird vor diplomatischen Feuerpausen gewarnt. Wer dann noch immer Komponenten aus China bezieht, muss entweder mehr zahlen oder länger warten. Was passiert, wenn die Pause im Januar endet?

Die Verlängerung der Zollpause zwischen den USA und China bis zum 10. Januar 2027 verschafft der Industrie lediglich eine kurze Atempause. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte die Frist am 23. September an. Das am 30. Oktober 2025 geschlossene Arrangement, das am 10. November 2026 ausgelaufen wäre, gilt damit zwei Monate länger – allerdings nicht so lange, wie viele Unternehmen gehofft hatten. Parallel dazu belastet im Transatlantikhandel ein Zollkorridor von oft 15 Prozent auf EU-Waren die Kalkulation. Jane Enny van Lambalgen, CEO der Beratungsfirma Planet Industrial Excellence, warnt davor, sich auf diplomatische Feuerpausen zu verlassen: „Resiliente Lieferketten entstehen nicht durch Abkommen, sondern durch Dual Sourcing, Local Sourcing und den Abbau interkontinentaler Abhängigkeiten.“

Handelsfrieden auf Abruf

Hintergrund ist, dass die USA und China ihren Handelsfrieden um zwei Monate bis Anfang Januar 2027 verlängert haben. Die Pause ist jedoch kein neues Abkommen und keine Zollsenkung. Sie hält bestehende Aussetzungen aufrecht, darunter zusätzliche Vergeltungszölle und verschärfte Exportkontrollen bei Seltenen Erden und Hochtechnologie. Für van Lambalgen ist das jedoch kein Grund zur Entwarnung: „Jede Zollpause hat ein Verfallsdatum. Wer seine Supply Chain auf die Hoffnung baut, dass Washington und Peking sich weiter verständigen, riskiert die nächste Frachtratenexplosion und leere Lager. Zwei Monate sind in der Diplomatie viel. In der Qualifizierung eines zweiten Lieferanten sind sie knapp.“

Van Lambalgen weist darauf hin, dass ein Auslaufen der Zollpause im Januar die europäische Wirtschaft direkt betreffen wird. Dann würden die ausgesetzten US-Zusatzzölle auf chinesische Waren und die gelockerten chinesischen Exportregeln für Seltene Erden und Hochtechnologie wieder greifen. „Wer Komponenten oder Vorprodukte aus China für europäische Werke bezieht, zahlt dann entweder mehr oder wartet länger“, bringt Jane Enny van Lambalgen die Problematik auf den Punkt.

Zudem dürften Waren, die der US-Markt abweist, auf den EU-Markt drängen und dort den Preiswettbewerb verschärfen. „Europa ist kein Zuschauer im chinesisch-amerikanischen Zollstreit, sondern Betroffener ohne Mitspracherecht“, sagt van Lambalgen. „Endet die Pause, steigen die Kosten und der Wettbewerb im Heimatmarkt wird härter. Genau das ist das Szenario, mit dem der Einkauf in den Unternehmen jetzt kalkulieren muss, statt bloß auf eine weitere Verlängerung zu hoffen.“

Zwei Lieferanten statt einem Risiko

Die Expertin rät dringend zu Dual Sourcing als Strategie. „Wenn die Pause endet, ist ein einzelner Lieferant in China ein Klumpenrisiko“, sagt Jane Enny van Lambalgen. Dual Sourcing bedeutet, für jede kritische Komponente mindestens zwei qualifizierte Lieferanten zu haben, die möglichst nicht im selben Zollraum angesiedelt sind. „Das klingt teurer als Single Sourcing, bis zur ersten Eskalation. Dann ist die teuerste Versicherung die, die man nicht abgeschlossen hat.“ Zudem empfiehlt die Lieferketten-Expertin Local Sourcing, also eine Quelle für kritische Komponenten zu erschließen, die geografisch nah am Werk liegt.

Local Sourcing statt Scheinsicherheit

Als beispielhaftes Vorbild für diesen zweiten Schritt nennt van Lambalgen die Regionalisierung bei Tesla. So stammten über 90 Prozent der Komponenten des Model Y aus Grünheide aus Europa und auch in Shanghai liege der lokale Anteil bei über 90 Prozent. Andere Autohersteller beziehen oft nur 30 bis 60 Prozent lokal. Jane Enny van Lambalgen stellt klar: „Das ist kein Imageprojekt, sondern Risikomanagement. Wer seine kritische Wertschöpfung regional bündelt, übersteht Zollkonflikte besser als jeder, der auf den nächsten Gipfel wartet. Das gilt analog natürlich auch für die Resilienz gegenüber geopolitischen Konflikten.“

Entscheidungen brauchen Daten, nicht Hoffnung

Jane Enny van Lambalgen empfiehlt Unternehmen deshalb, Lieferkettenrisiken wie Finanzrisiken zu steuern: mit Szenarien und einem digitalen Zwilling der Supply Chain, der Häfen, Vorlieferanten und Zollpositionen abbildet. „Viele Firmen wissen nicht, welche Teile über welche Häfen laufen. Ohne Transparenz bleibt jede Zollpause ein Glücksspiel“, sagt sie.

Ihre Botschaft an Einkauf und Geschäftsführung lautet: „Die Monate bis Januar nächsten Jahres sollte man nutzen, um Abhängigkeiten abzubauen. Die nächste Verlängerung kommt vielleicht – oder eben nicht. Die Resilienz eines Unternehmens darf nicht vom Terminplan der Diplomatie abhängen. Jahreskontrakte mit nur einem Lieferanten sollten nicht unbesehen über den 10. Januar hinaus verlängert werden.“

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