Johan Sjögren, Managing Director Equipment Division bei Ipco, erzählt im Interview, welche Märkte für Ipco am wichtigsten sind, was das Unternehmen von der Konkurrenz abhebt und wie der Lösungsanbieter mit dem Brexit umgeht.

Bild: Ipco

Wandel und Handel meistern „Wir stärken unsere Marktposition ständig“

01.11.2019

Ändert sich der Inhaber, kann das positive oder negative Auswirkungen auf den Erfolg eines Unternehmens haben. Für den Prozesslösungsanbieter Ipco war der Inhaberwechsel von großem Vorteil. Warum das so ist, erklärt Johan Sjögren, Managing Director Equipment Division, im Interview.

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Ipco war früher als Sandvik Process Systems bekannt. Warum wurde es verkauft und was bedeutet der neue Name?

Im Jahr 2016 fand innerhalb der Sandvik Group eine strategische Neuausrichtung und Fokussierung auf drei Kernbereiche statt. Die Process-Systems-Sparte passte weder in einen dieser Kernbereiche, noch zu der neuen strategischen Ausrichtung von Sandvik. Diese wurde also herausgelöst und an die schwedische FAM veräußert. Seit Dezember 2017 sind wir jetzt ein unabhängiges Unternehmen, mit einem neuen Namen und einer neuen Marke – Ipco. Ipco steht für Industrial Process Solutions Company.

Was hat sich mit dem Kauf durch die Wallenberg Group verändert?

Wir sind jetzt ein eigenständiges Unternehmen, nicht mehr Teil eines Konzerns und werden auch entsprechend geführt. Das bedeutet aber auch, dass wir neue Infrastrukturen und Prozesse schaffen mussten. Früher profitierten wir von Shared-Services-Funktionen, heute müssen wir uns selbst organisieren und verwalten. Komplette Abteilungen mussten daher neu aufgebaut werden, wie beispielsweise unsere IT- und Personalabteilung sowie Teile des Finanzwesens. Neue Hardware wurde angeschafft, Prozesse neu aufgesetzt und Personal rekrutiert. Die Restrukturierung hat uns herausgefordert und tut es immer noch. Aber wir haben, Stand heute, eine solide Basis geschaffen und sind bereit für die Zukunft.

Welche sind die wichtigsten Märkte für Ipco?

Große und wichtige Märkte sind für uns die USA, China und Europa. Wir verfügen über eine vielfältige Marktpräsenz und verkaufen unsere Technologien und Anlagen weltweit. Unser Produktportfolio sowie unsere Anwendungsbereiche sind breit gestreut, sodass wir auf Markteinbrüche ausgleichend reagieren können. Solche können wir durch eine starke Positionen in den Bereichen Chemie, Lebensmittel und Verbundwerkstoffe kompensieren.

Im Juli erwarb Ipco das italienische Unternehmen Extruwork. Hatte Ihr Portfolio einen Mangel in deren Segment?

Genau, wir hatten die Extrusionstechnologie nicht in unserem Portfolio. Also haben wir diese, das Know-how und die Kompetenz erworben. Dies gehört auch zu unserer Strategie. Wir identifizieren kleinere Unternehmen, die über eine gute Technologie und Unternehmenskultur verfügen, und kaufen sie. So suchen wir nach Unternehmen, deren Produkte zu unserem Portfolio passen, um unsere Marktposition weiter auszubauen. Es ist uns aber auch wichtig, unsere bestehenden Segmente weiter zu stärken. In nächster Zeit werden wir uns ausschließlich auf unsere Kernsegmente konzentrieren und versuchen, diese weiterzuentwickeln.

Was unterscheidet Ipco von der Konkurrenz?

Wir haben ein großes Know-how im Bereich industrieller Prozesslösungen. Hier haben wir jahrzehntelange Erfahrung, eine starke Technologiebasis sowie die geballte Kompetenz langjähriger Mitarbeiter. Das macht uns in den meisten Bereichen zum Marktführer. Damit wir diese Position weiterhin halten können, investieren wir stets und versuchen uns so weiterhin von Wettbewerbern zu unterscheiden.

Gibt es ein Produkt oder Verfahren, an das Sie zu Beginn besonders stark geglaubt haben, das sich dann aber doch nicht als machbar oder profitabel erwiesen hat?

Vor ein paar Jahren glaubten wir stark an ein Recyclingprojekt, in dem PET geschmolzen und daraus Kunststoff hergestellt wird. Wir waren der Überzeugung, dass dieses Projekt in unserem Unternehmen eine große Zukunft hätte. Leider hat sich das Projekt als nicht rentabel erwiesen, sodass wir es eingestellt haben.

Der Welthandel wird immer komplizierter. Der Brexit wird voraussichtlich kommen. Es gibt Handelsprobleme mit den USA und das Wirtschaftswachstum versagt. Gibt es Probleme, die Sie beunruhigen?

Ja, im Moment gibt es viele politische Krisen. Man muss den Markt überwachen und vorbereitet sein. Wenn es beispielsweise um den Brexit geht, treffen wir Vorbereitungen in unserer Logistik, um unsere Produkte auch im Falle des Brexits versenden zu können. Der Brexit selbst hat jedoch keine wirklichen Auswirkungen auf Ipco, da Großbritannien für uns kein großer Markt ist. Unsicherheiten, die im Geschäfts- und Investitionsklima herrschen, könnten sich hingegen tatsächlich negativ auf unser Geschäft auswirken. Beispielsweise die Handelsembargos oder Zölle der USA, die Unsicherheiten in China schaffen. Teils indirekt, teils direkt, betrifft es uns also auch.

Wie stellen Sie sich diesen Herausforderungen?

Wir haben sowohl in den USA als auch in China Produktionsstätten, die eine weiterhin reibungslose Produktion sowie Auslieferung unserer Anlagen gewährleisten. Im Grunde handelt es sich hierbei auch um politische und keine nachfragebedingten Entscheidungen. Die Nachfrage am Markt und der damit verbundene Bedarf an unseren Produkten bestehen also nach wie vor. Würde sich die Politik nicht mehr in dieser Form in die Märkte einmischen, könnten wir auch relativ schnell zur Normalität zurückkehren. Wir sind auf diese Art von Eventualitäten vorbereitet und nicht von einzelnen Produkt- und Kundensegmenten sowie geographischen Gebieten abhängig.

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