Starten wir mit Eplans neuem Smart Sourcing. Was bedeutet das im Engineering-Alltag ganz konkret – und warum ist der Druck gerade jetzt so hoch?
Weichsel:
Smart Sourcing ist für mich die unmittelbare Verbindung zwischen dem Engineering-Prozess und der Echtzeitverfügbarkeit von Komponenten. Viele Konstrukteure verlieren heute Stunden für die Recherche, bevor sie überhaupt in die Wertschöpfung kommen. Die Schlüsselfrage lautet früh: Welche Komponente plane ich, die am Ende auch beschaffbar ist, damit ich Projekttermine halten kann? Der Druck entsteht dort, wo Daten nicht „entscheidungsfähig“ sind. Wenn ich in einer frühen Phase nicht sicher weiß, ob ich Hardware heute so planen kann, zieht das später Änderungen nach sich – mit Folgen bis in Montage und Inbetriebnahme.
Wolff:
Der größte Gewinn ist die bessere Zusammenarbeit zwischen Konstrukteur und Einkauf. Konstrukteure müssen Hardware planen, die am Ende auch erhältlich sein muss. Es gibt kaum etwas Frustrierenderes, als wochenlang zu planen und dann zu hören: „Wir kriegen die Teile nicht“. Wenn Verfügbarkeit früh sichtbar ist, reduzieren wir Iterationsschleifen radikal. Das ist essenziell, weil volatile Lieferketten uns ständig vor neue Herausforderungen stellen.
Welche Auswirkungen haben Redesigns und späte Änderungen wirklich?
Weichsel:
Redesign ist so ziemlich das Teuerste, was man im Engineering machen kann. Wenn das noch wegen nicht lieferbarer Teile notwendig wird, wird es kritisch. Die „Zehner-Regel“ zeigt es: Vorne im Pre-Engineering ist Korrektur günstig – je weiter wir nach hinten im Prozess schauen, desto teurer wird es. In Montage oder beim Kunden vor Ort sprechen wir hier leicht vom Faktor 10. Bei hochgradig automatisierten Prozessen ist selbst das oft zu niedrig: Stillstände, Rüstzeiten, Nacharbeit und im schlimmsten Fall Konventionalstrafen, weil Termine nicht gehalten werden. Diese Schleifeneffekten sind unkalkulierbar.
Wolff:
Und sie binden Ressourcen, die wir angesichts des Fachkräftemangels gar nicht haben. Daten und Software müssen heute alles hergeben, um Ressourcen effizient zu binden – und eben nicht durch wiederkehrende Schleifen zu verschwenden. In der Zeit, in der ich zum fünften Mal Komponenten tausche, könnte ich wertschöpfendere Dinge tun. Mein Ziel ist: mehr Outcome in kürzerer Zeit.
Damit das im Alltag funktioniert, braucht es mehr als ein Ampelsignal. Wie sieht Smart Sourcing technisch aus?
Weichsel:
Neben technischen Daten brauchen wir beschaffungsrelevante Informationen wie Lieferfähigkeit, Stückzahlen und den „Marktstatus“ – also Engpässe oder Abkündigungen mit Zieldatum. Smart Sourcing verknüpft sich direkt mit Portalen von Herstellern und Großhändlern. Im einfachsten Fall lädt der Konstrukteur seine Stückliste hoch und bekommt sofort Rückmeldung über Verfügbarkeit, Lieferfähigkeit und Stückzahlen. Wir nehmen die Komplexität dieser Anfrage- und Antwortprozesse aus dem Spiel: Eplan-Service fragt, Anbieter-Portal antwortet, Konstrukteur entscheidet. Und der Kunde bleibt flexibel: Er kann direkt bei Herstellern anfragen, bevorzugte Distributoren und natürlich auch seinen Lagerbestand einbinden – je nachdem, wie sein Beschaffungsmodell und seine Lieferantenlandschaft aussehen.
Wolff:
All das funktioniert natürlich nur, wenn die Engineering-Daten eindeutig interpretierbar sind. Deshalb brauchen wir standardisierte Artikelstammdaten, wie über den Eplan Data Standard beziehungsweise über ECLASS definiert sind. Ohne saubere Klassifizierung und konsistente Attribute kann kein System automatisch Alternativen finden. Deshalb sind standardisierte, idealerweise „out of the box“ gepflegte Herstellerdaten, wie im Eplan Data Portal vorhanden, entscheidend.
Wenn Datenqualität der Schlüssel ist, muss die Toolkette dazu passen. Mit der Eplan Plattform 2026 haben Sie das Portfolio umgebaut. Warum war dieser Schritt notwendig – und was ändert sich für Kunden?
Weichsel:
Weniger Komplexität ist immer gut. Über die Jahre sind viele Produkt-Varianten entstanden – am Ende war es für Kunden schwer, ihren Bedarf sauber auf Eplan Produkte und Software-Erweiterungen zu mappen. Für uns geht es generell darum, den Nutzen für Kunden zu maximieren. In der Software selbst zum Beispiel vereinfachen wir ständig einzelne Themen – etwa in der Bearbeitung von Schaltplänen. Wir fokussieren das Kernportfolio auf drei Säulen: Preplanning für die Vorplanung, Electric P8 für das Detailengineering in der Elektrokonstruktion und Fluidtechnik, und Pro Panel für den Schaltschrankbau. Wichtig ist: Funktionen, die früher optional waren, sind jetzt integriert. Das senkt die Einstiegshürde – die Funktionen sind da und einsatzbereit, und der Kunde entscheidet, wann er sie in seinem Standardprozess aktiviert. Außerdem stellen wir immer wieder unsere eigenen Prozesse auf den Prüfstand und arbeiten an Neuerungen, die die Durchgängigkeit in Wertschöpfungsketten verbessern.
Wolff:
Und für Bestandskunden ist das bewusst ein „Kann“, kein „Muss“. Man kann mit etablierten Prozessen weiterarbeiten – bekommt aber eine klarere Struktur im Portfolio und damit weniger Reibung, wenn neue Projekte starten oder Teams wachsen.
Und um den Einstieg zu beschleunigen, haben Sie die „Industry Packages“ eingeführt. Was steckt dahinter – und warum zahlt das direkt auf den ROI ein?
Wolff:
Das ist ein echtes Novum. Wir haben neun industriespezifische Datenpakete erarbeitet – für Branchen wie Maschinenbau, Energy, Gebäudeautomation oder Prozesstechnik. Das sind keine bloßen Artikeldaten, sondern echte Engineering-Daten: standardisierte Vorlagen für Reports, Templates für Projekte, Symbolbibliotheken, Makros und vieles mehr. Wir nennen das den „Bottom-Up-Approach“, um das Onboarding perfekt zu unterstützen. Der Kunde muss nicht mehr bei Null starten und sich mühsam alles selbst aufbauen. Er erhält das Fundament, auf dem er sofort produktiv werden kann. Das reduziert die Komplexität massiv und verkürzt die „Time to First Value“ enorm.
Durchgängigkeit entsteht aber auch durch Zusammenarbeit. Welchen Hebel bietet die Eplan Cloud bei Artikeldaten und Collaboration?
Weichsel:
In Unternehmen mit verschiedenen Standorten werden Daten heute oft mühsam per VPN repliziert und synchronisiert. Erwischt man den falschen Zeitpunkt, arbeiten Anwender auf alten Daten – und schon sind wir wieder beim Redesign. Mit zentraler Artikelverwaltung in der Cloud entfällt das. Datenbereitstellung funktioniert standort- und sogar unternehmensübergreifend – etwa bei der Einbindung von Zulieferern.
Wolff:
Und Reviews werden einfacher: Über Project Sharing können Kollegen oder Projektleiter Redlining und Greenlining vornehmen – Cloud-basiert, auch ohne feste Eplan Lizenz. Das beschleunigt Freigaben, macht Abstimmungen transparenter und bringt mehr Tempo in den gesamten Produktentstehungsprozess.
Kommen wir unvermeidlich zur KI. Im Engineering zählen Normkonformität und Nachvollziehbarkeit. Wie integrieren Sie KI – und was unterscheidet den Eplan Copilot von anderen Tools?
Weichsel:
Der Eplan Copilot hat zum Ziel, dem Anwender zu assistieren und dessen Effizienz spürbar zu erhöhen, indem repetitive Tätigkeiten abgenommen werden. Die Antworten des Copiloten müssen verlässlich sein. Halluzinationen der KI werden durch abgesichertes Wissen und vollständige Transparenz bei der Antwortgenerierung minimiert. Dafür haben wir ihm verlässliches und geprüftes Wissen mitgegeben und erste Fähigkeiten eingebaut, den Anwender mit diesem Wissen zu unterstützen. Auf dieser Grundlage erlangt der Copilot sukzessiv neue Fähigkeiten, um dem Anwender entsprechende Aufgaben abnehmen zu können. Repetitive Aufgaben wie beispielsweise das Durchführen von Prüfläufen, das Erstellen von Stücklisten, Verbindungslisten, Verdrahtungslisten und vieles mehr.
Wolff:
Uns geht es um fundierte, korrekte Antworten im Kontext von Knowledge, Normen und Methoden. Der Copilot kann sehr konkret anleiten – geht es beispielsweise um die Anwendung von Normen, etwa die EN IEC 81346. Außerdem sehen wir KI-Agenten in der Zukunft als perfekte Unterstützung für Routineaufgaben. Ich möchte während des Engineerings nicht ständig in x Quellen suchen, wie ich Normen umsetze – diese Aufgabe kann der Copilot übernehmen.
Kann die KI auch aktiv bei der Konstruktion helfen?
Weichsel:
Ja! Nehmen wie die automatisierte Erstellung von Montageplattenlayouts auf Basis einer Stückliste. Dieser Use-Case wird in naher Zukunft bereitstehen. Die KI kann Anwendern bereits im Zuge der Angebotserstellung eines Schaltschranks das Layout einer Montageplatte generieren. Das geschieht per definierten Regelwissen auf Basis von KI-Algorithmen, aber auch nach eigenen Vorgaben für das Montageplatten-Layout. Diese Daten kann der User dann in Pro Panel weiterverarbeiten.
Wenn KI stärker in die Prozesse rückt: Wie stellen Sie IP Schutz und Datenhoheit sicher?
Weichsel:
Beim Einsatz von KI und KI-Copiloten ist neben Fähigkeiten und funktionalen Aspekten die Sicherheit das zentrale Thema. Die Verarbeitung von Kundendaten in der Cloud muss höchsten Standards entsprechen – nicht nur beim Übertragungsweg, sondern auch bei der Verarbeitung selbst. Nachgewiesen wird dies durch Zertifizierungen wie ISO27001, TISAX oder SOC-2. Gerade im Bereich kritischer Infrastruktur sind diese unverzichtbar. Cloud-Nutzung kann ein zusätzliches Risiko darstellen, das jedoch durch professionell betriebene Infrastruktur nicht nur migriert, sondern sogar in eine Verbesserung der Gesamtsicherheit verwandelt werden kann. Die Eplan Cloud erfüllt all diese Kriterien und wird von Tausenden Kunden genutzt.
Technologie ist das eine – Adoption das andere. Damit die neuen Möglichkeiten wirken, müssen Anwender schnell produktiv werden. Was bietet Eplan hier an?
Wolff:
Genau hierfür gibt es gratis für alle das Digital Onboarding. Dieser Prozess leitet den Nutzer wie eine Perlenkette durch die ersten Schritte: von der Registrierung über das Setup, der ersten Einrichtung bis zum ersten Projekt. Es gibt klare Milestones, damit der Kunde visuell sieht, wo er steht. Das Ziel ist eine kurze „Time to First Value“. Für komplexe Aufgaben haben wir nach wie vor unser Consulting, aber für die Basics bietet das Digital Onboarding den direkten, digitalen und schnellen Weg zum Erfolg.
Weichsel:
„Time is money“ – und wir meinen das auch so. Wenn ein Tool nicht schnell produktiv wird, landet es in der Ecke. Deshalb ist das Digital Onboarding für uns eine feste Säule des Software-Leistungsangebots. Wir ergänzen das durch unsere Trainingsakademie, in der wir jährlich rund 4.000 Menschen schulen, und unser Education-Programm in dem wir jährlich mehr als 35.000 Software-Lizenzen kostenlos bereitstellen.
Zusammenfassend: Warum sollten Schaltschrankbauer und Maschinenbauer gerade jetzt auf Eplan setzen, wenn sie ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sichern wollen?
Weichsel:
Eplan macht das Engineering schlichtweg schneller. Durch Smart Sourcing werden Entscheidungen deutlich belastbarer, weil wir die Echtzeit-Verfügbarkeit von Komponenten direkt in den Prozess integrieren. Das führt dazu, dass Unternehmen trotz volatiler Märkte lieferfähig bleiben. Wir wollen, dass Engineering wieder ein kreativer Prozess ist, bei dem Innovation im Fokus steht – und nicht der administrative Ballast der Routineaufgaben.
Wolff:
Ich möchte das durch ein reales Beispiel unterstreichen, das wir jüngst von einem Kunden aus den USA gehört haben: Dieser Kunde hat seinen Umsatz durch unseren Workflow vervierfacht. Er sagte uns ganz klar, dass wir hier gar nicht mehr über klassische Investitionen oder kleinteilige Lizenzkosten reden, sondern über echtes Enabling. Wir decken das gesamte Bild ab – von den ersten Schritten über das Engineering bis hin zu Service und Maintenance. Und durch unsere Industry Packages und den Bottom Up Approach müssen Kunden nicht mehr bei null starten, was die Komplexität massiv reduziert.
Welchen abschließenden Rat geben Sie Unternehmen, die diesen Weg jetzt einschlagen wollen?
Wolff:
Mein wichtigster Rat für den Start: Es fängt immer bei den Daten an. Ohne eine saubere Datenbasis landen wir am Ende nie bei den gewünschten Effizienzschüben. Wer auf standardisierte Daten sowie Vorlagen und Templates zurückgreift, erhält reproduzierbare Engineering-Daten – und ist im Nutzen deutlich schneller als im Suchen.