Thomas Korb, Leiter Produktmanagement bei Escha, spricht über die Anwendungsmöglichkeiten der M12-Steckverbinder.

Bild: Escha

Interview über M12x1-Steckverbinder „Wir bringen Power ins Feld“

17.04.2020

Mit dem M12x1-Interface lässt sich zuverlässig Leistung direkt ins Feld bringen. Welche Varianten es bei den Power-Steckverbinder gibt und wofür sie sich eignen, erklärt Thomas Korb, Leiter Produktmanagement bei Escha im Interview mit A&D.

Sehen Sie mit den stetig kompakter werdenden Feldgeräten auch einen Trend zur kompakten Leistungsversorgung über M12-Steckverbinder?

Diesen Trend sehen wir eindeutig. Denn ist es genau so, wie Sie es beschrieben haben. Die Endgeräte werden immer kleiner und deswegen müssen auch die Schnittstellen kleiner werden. Da sich die genormte M12-Schnittstelle im industriellen Umfeld nicht nur bewährt, sondern zu einem Standard entwickelt hat, lag es nahe, die Leistungsversorgung darüber zu ermöglichen. Vor vier Jahren haben wir bei Escha bereits die ersten M12-Power-Steckverbinder ins Programm aufgenommen. Seither hat sich die Nachfrage stetig erhöht und wir haben parallel immer neue Varianten hinzugefügt. Bis hin zu kompakten T-, H- und h-Verteilern, die eine dezentrale Leistungsversorgung ermöglichen, die der Busverdrahtung folgt. Seit März dieses Jahres haben wir 5-polige Varianten im Angebot, die den aktuellen PNO-Anforderungen entsprechen.

Warum hat sich die Profibus-Nutzer-Organisation für die neue 5-polige Variante entschieden?

Bei der Entscheidung der Profibus-Nutzer-Organisation für den M12-Steckverbinder als neuen Standard für die 24V-Spannungsversorgung spielte die eben erwähnte kompakte Bauform eine entscheidende Rolle. Das Ziel bestand darin, die größeren 7/8-Zoll-Steckverbinder oder die noch größeren M23-Steckverbinder zu ersetzen und den Nutzern eine einheitliche Lösung für die Stromversorgung zu ermöglichen. Es war ausschlaggebend, dass sich über diese kompakte M12-Schnittstelle ein Versorgungsstrom von bis zu 16A realisieren lässt. Um die 4-polige Ausführung ohne FE von der 5-poligen Ausführung mit FE zu unterscheiden hat die PNO eine farbliche Codierung eingeführt.

Für die L-codierten Varianten gibt es demnach zwei unterschiedliche Poligkeiten. 4-polig und 5-polig. Worin unterscheiden sich diese und wann empfehlen Sie welche?

Das kommt auf den Einsatzbereich an. Bleiben wir bei den PNO-konformen Steckverbindern. Grundsätzlich verfügt die L-codierung über ein 5-poliges Steckgesicht, wobei ein Pin als FE – also als Funktionserde – beschrieben ist. Vorzugsweise sollten die Gerätehersteller, die die L-Codierung im Profinet-Umfeld als Powerversorgung einsetzen, die 4-polige Variante ohne FE verwenden. Die Funktionserde sollte dann direkt am Gerät niederimpedant abgeleitet werden. Sofern das für einen Gerätehersteller nicht machbar ist, kann er auch die 5-polige Variante einsetzen, wobei die Funktionserde dann über die graue Ader der Versorgungsleitung abgeleitet wird. Zur optischen Unterscheidung dieser beiden L-codierten Varianten hat sich die PNO zu einer farblichen Codierung entschlossen. Die 5-polige Variante ist mit grauem Kontaktträger und grauer Leitung ausgeführt und die 4-polige Variante ohne FE verfügt über einen schwarzen Kontaktträger und eine schwarze Leitung.

Können Sie kurz erklären, in welchen Applikationen die Power-Steckverbinder mit den anderen Codierungen zum Einsatz kommen?

Ergänzend zur L-Codierung bieten wir bei Escha M12-Power-Anschlusstechnik mit K-, S- und T-Codierung an. Neben klassischen, umspritzten Anschluss- und Verbindungsleitungen sind für alle Codierungen Verteiler, Flansche und konfektionierbare Steckverbinder erhältlich. Diese werden überall dort eingesetzt, wo Analgen dezentralisiert umgesetzt werden sollen und wo modulare Systeme zum Einsatz kommen, die neben Signalen und Daten auch mit Leistung versorgt werden müssen. Das können zum Beispiel Feldverteilerboxen und feldbusgesteuerte I/O-Boxen sein. Aber auch Netzgeräte, kleine Servomotoren oder Ventilapplikationen.

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