Die Digitale Transformation wirft nicht nur technologische, sondern auch zahlreiche gesellschaftliche Fragen auf.

Bild: Pixabay
1 Bewertungen

Digitale Transformation, Industrie 4.0 und kollaborierende Robotik Wie meistern wir den gesellschaftlichen Diskurs?

14.02.2018

Die Digitale Transformation und assoziierte Technologien, vordringlich Big Data, Cloud Service und kollaborierende Roboter generieren ein großes Interesse in unserer Gesellschaft. Unter der Oberfläche und dem technologisch induzierten Enthusiasmus zeigen sich Fragestellungen der Gesellschaft zu Auswirkungen und Ängsten die mit der digitalen Transformation einhergehen werden.

Sponsored Content

Die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen, die digitalisierte Technologien nutzen, ist rasant angestiegen. Viele Beispiele zeigen das Potential einer Technologie und Infrastruktur die Information und Intelligenz weitreichend und zuverlässig bereitstellt. In der Arbeitswelt ziehen Datenanalyse und Visualisierung, integrierte und vernetzte Maschinen und kollaborierender Mensch-Maschine Dialog in ähnlicher Weise ein, wie der Personal Computer in die Büros in den 1980er Jahren. Unter kritischer Perspektive zeigen sich Risiken für Konsumenten und Marktteilnehmer, wie beispielsweise Datenbetrug oder Hackerangriffe.

Welche Risiken und Chancen sich für den Arbeitswelt und die Gesellschaft stellen wird bisher, wenn überhaupt, nur ansatzweise und fragmentiert betrachtet.

Die Gesellschaft 4.0

Neue Technologie vermag es den Lebensstandard einer Gesellschaft insgesamt zu verbessern. Technologie ist aber auch für Fehlentwicklungen verantwortlich wie zum Beispiel die Umweltverschmutzung in aufstrebenden Entwicklungsländern oder die steigende Arbeitslosigkeit bei Niedrigqualifizierten bedingt durch die starke Nutzung von Automatisierungstechnik. Die Wechselwirkung von Gesellschaft, Technologie und Wissenschaft kann als Zyklus verstanden werden und führt zu einem System das einen stetigen Evolutionsdruck auf Gesellschaft und Technologie ausübt.

Wandel der Arbeitsbedingungen

Industrie 4.0 wird die Bedingungen und Anforderungen an Arbeitnehmer in vielen Bereichen beeinflussen. Getrieben von dem Ansatz der Maschine-zu-Maschine Kommunikation und verstärkter Realisierung von Autonomen Systemen, ergibt sich ein Szenario, dass bipolar die Qualifikationsanforderung in Produktionssteuerung und Management erhöht, und gleichzeitig die Anforderungen von Arbeitern reduzieren kann. Es hängt entscheidend von den Sozialpartnern ab, wie der Zuwachs an Produktivität mit den Arbeitnehmern geteilt wird. Es kann sich positiv auf die generelle Situation der Arbeiter und ungelernter Kräfte auswirken. Fachkräfte allerdings werden sich mit einem wachsenden Leistungs- und Qualifizierungsdruck auseinander zu setzten haben.

Industrie 4.0 und generell die Digitalisierung unseres Alltags bringen viele Erleichterungen. Sie werden durch Effizienzsteigerung, Produktivitätsverbesserung und neue Dienstleistungen unsere Gesellschaft, Konsumverhalten und Unternehmenslandschaft verändern. Länder welche Digitalisierung fördern, werden durch die Transformation ihre Leistungsfähigkeit im globalen Wettbewerb verteidigen und ausbauen. Deutschland muss zugleich einen, im globalen Vergleich stärkeren, demografischen Wandel der Gesellschaft und Arbeitswelt meistern.

Transformation zur digitalen Gesellschaft

Der Wandel zu einer Digitalen Gesellschaft, wird sich über die nächsten 20 bis 35 Jahre vollziehen. Die Entwicklung von Qualifikations- und Lernbedarf, die Transformation von analoger zu digitaler Infrastruktur und die Adaption voll integrierter geschäftlicher Ökosysteme wird nicht linear verlaufen. Die Betrachtung der Auswirkungen von Industrie 4.0 lässt darauf schließen, dass eine multiple Polarisierung stattfinden wird, die je nach Kombination Vorteile und, nicht unmittelbar beinflussbare, Risiken für ein Individuum, Region oder Industrie bietet.

Die Verfügbarkeit von digitaler Infrastruktur, die Zunahme verfügbaren Datenquellen und die Maßgabe, dass sich Leistungsfähigkeit von Dienstleistungen und Algorithmen gemäß dem Moorschen Gesetz verhält, wird für den Wandel zur digitalen Gesellschaft und Industrie 4.0 vorausgesetzt. Unter kritischer Betrachtungsweise ergeben sich aber Risiken im Falle, dass ubiquitäre Intelligenz oder Infrastruktur nicht idealisiert verfügbar ist, nicht genutzt werden kann oder bewusst nicht in Betracht gezogen wird.

Die Auswirkungen von Industrie 4.0 und weitergehendem Einsatz von Robotik auf die Arbeitswelt sind vielfältig und werden durch die Verfügbarkeit von Infrastruktur in einem Unternehmen, die globale Ausrichtung sowie digitale Investitionsstrategien und die Kooperation zwischen den Sozialpartnern beeinflusst.

Erhöhter Qualifikationsbedarf

Die digitale Transformation wird eine Transformation des Qualifikationsbedarfes erfordern. Es werden mehr hoch- und höchstqualifizierte Arbeitskräfte benötigt, die in der Lage sind, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Das Wissen um diese Zusammenhänge wird durch eine stetige technische Weiterentwicklung noch schneller veralten und muss kontinuierlich auf dem neuesten Stand gehalten werden. Die Wissensgesellschaft wird eine neue und stärkere Form der Abhängigkeit von aktuellem Wissen erfahren. Gleichzeitig werden monotone und belastende Prozesse reduziert, da Maschinen autonom entscheiden können. Diese Entwicklung kann partiell zum Wegfall von Facharbeitern in der Produktion führen und es besteht die Möglichkeit, dass Industrie 4.0 bei FacharbeiterInnen und niedrigqualifizierten ArbeiterInnen eine „technologische Arbeitslosigkeit“ (Möller, 2015) hervorrufen könnte.

Literaturverzeichnis

Möller, J. (2015). Verheißung oder Bedrohung? Die Arbeitsmarktwirkungen einer vierten industriellen Revolution . IAB Discussion Paper, No. 18/2015. Nürnberg, Deutschland: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Moore, G. E. (19. April 1965). Cramming more components onto integrated circuits. Electronics Vol38, S. 114-117.

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel