Eine Visualisierungslösung die sich sowohl für grundzuständige als auch wettbewerbliche Messstellenbetreiber eignet.

Bild: Greenpocket; iStock, mrspopman

Von der Energietransparenz zur Energieintelligenz White-Label-Angebot für Messstellenbetreiber

18.11.2019

Eine in enger Kooperation von Gwadriga und Greenpocket entwickelte Visualisierungslösung eignet sich sowohl für grundzuständige als auch wettbewerbliche Messstellenbetreiber (MSB). Für Letztere gibt es diverse Features zur Kundenbindung und Ertragsoptimierung.

Viele MSB wollen sich nicht auf die Visualisierungslösung TruDI (Transparenz- und Display-Software) beschränken, der herstellerübergreifenden, standardisierten Visualisierungslösung der Initiative Bundesdisplay. Auch aus Sicht von Gwadriga trägt TruDI nicht zu einer wünschenswerten Verbraucherakzeptanz bei, da der Endkunde erst nach Download und Installation einer kostenfreien Open-Source-Software umständlich seine Verbrauchs- und Tarifinformationen einsehen kann. Deshalb suchte der Anbieter für die Gateway-Administration (GWA) und Messdatenmanagement nach einer benutzerfreundlichen, intuitiven Lösung für die Endkunden, die mehr Möglichkeiten bietet.

Fündig wurde man beim Smart-Metering-Spezialisten Greenpocket, der bereits Erfahrung aus über 110 erfolgreichen Projekten vorweisen kann. Die mandantenfähige und schnittstellenunabhängige Energiemanagement-Lösung, die auch als App verfügbar ist, lässt sich einfach implementieren und an das Look & Feel der jeweiligen Mandanten anpassen. Schon mit der Basislösung bekommt der Endkunde nicht nur die Daten zum Energieverbrauch in der Software-Lösung angezeigt, sondern zusätzlich auch weitere gesetzlich geforderte Informationen zu Stromsparhinweisen oder abrechnungsrelevanten Tarifinformationen. „Dies ermöglicht es sowohl dem Anlagenbetreiber als auch dem Anschlussnutzer, die aktuelle Abrechnung zu überprüfen“, erläutert Dr. Thomas Goette, Geschäftsführer von Greenpocket. Zudem erhält der Anwender Forecasts etwa zu Budgetüberschreitungen bei zu geringen Abschlagszahlungen.

Automatisierter Stammdatenaustausch

Die Software-Lösung von Greenpocket unterstützt alle gängigen Tarifanwendungsfälle und erfüllt auch alle aktuellen Vorgaben des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG). So würden zukünftig auch Schaltprofile und Letztverbraucherlogs angezeigt, berichtet Goette. Ein weiteres Feature betrifft die Automatisierung von Stammdatenaustausch und Registrierungsprozess. Die Kunden des MSB können sich online registrieren und erhalten eine automatische Bestätigungsmail. Innerhalb des Portals ist es zudem möglich, dass die Kunden selbstständig ihre Stammdaten ändern, ohne dass dies Aufwände für den GWA verursacht. „Welche Daten hierbei genau erhoben werden, kann individuell für den MSB angepasst werden, denn die Registrierungsfelder unseres Portals sind frei konfigurierbar“, erläutert der Geschäftsführer des Startups aus Köln. Abfrageoptionen sind beispielsweise Parameter wie „Branche“ und „Umstellung auf Online-Abrechnung“.

Vielfältige Verbrauchsanalysen möglich

Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, die aus dem Smart-Meter-Gateway verschickten Verbrauchsdaten zu analysieren oder durch Alarmfunktionen zu überwachen. Die Optionen zur Verbrauchsanalyse sind zahlreich: Unter anderem lässt sich der Verbrauch im Zeitverlauf, etwa als Vergleich zum Vormonat, darstellen, Durchschnittswerte ermitteln oder Temperaturdaten anzeigen. Das Greenpocket-Portal biete darüber hinaus Funktionen wie die Darstellung des Autarkiegrads als Verhältnis von Selbstverbrauch aus der hauseigenen Stromproduktion und dem Bezug aus dem öffentlichen Stromnetz, berichtet Goette. Eine Besonderheit der Lösung ist, dass sie sich für Kunden von grundzuständigen ebenso eignet wie für Kunden wettbewerblicher MSB. „In Zusammenarbeit mit Gwadriga haben wir unser bestehendes Portal dahingehend erweitert, dass es zunächst alle Anforderungen von Gwariga als gMSB abdeckt“, erläutert Goette.

Für den wettbewerblichen Messstellenbetrieb lässt sich die Lösung bereits jetzt um vorhandene Module zur Steigerung der Kundenbindung und der Ertragsoptimierung erweitern. Dazu gehören beispielsweise die Vertriebsunterstützung durch den Versand von Push-Notifications an einzelne Benutzer oder Benutzergruppen, und auch Insights in das Nutzerverhalten durch Webanalytics sind zubuchbar. Diese könnten in Zukunft auch für Gwadriga genutzt werden, so Goette.

Verbräuche hinterfragen

„Wir wollen den Schritt von der Energietransparenz zur Energieintelligenz gehen“, erläutert der CEO die nächsten Schritte. Und damit lässt sich auch die Frage beantworten, was die Verbrauchsdaten dem Kunden eigentlich sagen. Dahinter steckt der Wunsch vieler Kunden, die nicht nur wissen wollen, wieviel Energie sie insgesamt verbrauchen, sondern wieviel Strom beispielsweise der Kühlschrank, die Kaffeemaschine oder der Computer konsumieren. Über das Auslesen von Viertelstundenwerten lassen sich mithilfe von bestimmten Algorithmen bereits ein paar Großverbraucher im Haushalt ermitteln.

„Mit Echtzeitdaten, die quasi in Sekundenauflösung vorliegen, ist die Erkennung von mehreren Stromverbrauchern möglich“, erläutert Goette. Damit ließen sich Nutzungslastverläufe analysieren und somit auch die Hintergründe für bestimmte Verbräuche von Haushaltsgeräten oder Anlagen.

Bis zu 80 Prozent der Haushaltsgeräte erkennen

Mit noch höher aufgelösten Datenmengen besteht sogar die Möglichkeit, bis zu 80 Prozent aller Geräte eines Haushalts zu erkennen, erläutert Goette seine Erfahrungen aus einem BMWi-
geförderten Forschungsprojekt mit dem Fraunhofer IMS. Aus der Analyse dieser Daten über viele Benutzer hinweg ergeben sich zukünftig neue Erkenntnisse und es lassen sich Mehrwerte für Energieversorger und Endkunden realisieren. Doch dafür muss zunächst der Smart-Meter-Rollout umgesetzt werden. Nach neuesten Erkenntnissen von den Metering Days 2019 in Fulda soll das dritte Gateway noch in diesem Jahr zertifiziert werden, die Markterklärung soll umgehend folgen. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer einjährigen Pilotphase mit Gwadriga ist die Smart-
Meter-Softwarelösung unter anderem bei der Rheinischen Netzgesellschaft und der Westfalen Weser Netz im Einsatz; weitere, gemeinsame Kundenprojekte werden folgen. Greenpocket selbst hat seine Portallösung auch bei anderen Smart-Meter-Gateway-Administratoren und Messtellenbetreibern im Einsatz. Dazu zählen neben Gwadriga auch das Stromnetz Hamburg, Smartoptimo und
Dortmunder DEW21.

Bildergalerie

  • Für Endkunden bietet die Lösung diverse Möglichkeiten zur Verbrauchsanalyse.

    Bild: Greenpocket

  • Dr. Thomas Goette, Geschäftsführer von Greenpocket: „Mit Echtzeitdaten, die quasi in Sekundenauflösung vorliegen, ist die Erkennung von mehreren Stromverbrauchern möglich.“

    Bild: Greenpocket

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