Dynamische Entwicklung: Wasserkraft nimmt in Deutschland Fahrt auf und ist auf einem guten Weg, mehr zu bewegen.

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Ökostrom für die Industrie Mit Wasserkraft nach vorn

09.11.2016

Wasserkraft ist eine bewährte Energiequelle mit vielen Vorteilen gegenüber anderen Erneuerbaren. Trotzdem hat sie es nach wie vor schwer in Deutschland. Ein ambitioniertes Unternehmen mit Wurzeln in Österreich ist gerade dabei, das zu ändern.

In Flüsse gebettet und vom Menschen gebändigt, prägt Wasser viele Stadtbilder und eröffnet wirtschaftliche Chancen. Wasser ist mächtig: Wer schon einmal einen Wasserfall gesehen hat oder auf hohen Wellen gesurft ist, hat eine Vorstellung von der Naturgewalt, die dahinter steckt. Seit tausenden von Jahren nutzen Menschen diese gewaltige Kraft, um Maschinen anzutreiben oder Energie mit Wasserrädern zu erzeugen.

Mittlerweile übernehmen gigantische Turbinen diese Aufgabe und erreichen Wirkungsgrade von bis zu 90 Prozent. Ein Wert, von dem Betreiber von Windkraft- und Photovoltaikanlagen nur träumen können. Dennoch ist der Anteil der Wasserkraft an der Bruttostromerzeugung in Deutschland mit rund drei Prozent vergleichsweise gering. Unter den erneuerbaren Energien nimmt die Wasserkraft hierzulande mit einem Anteil von zehn Prozent den vierten Platz ein – hinter On­shore-Windenergie, Photovoltaik und Biogas.

Nachhilfe vom Nachbarn

Ein anderes Bild zeigt sich in Österreich: Laut dem Verein „Österreichs E-Wirtschaft“ ist Wasserkraft dort mit über 68 Prozent die bedeutendste Stromquelle. Verbund, der größte Stromproduzent des Landes, erzeugt in seinen 126 Kraft­werken in Deutschland und Österreich mehr als 90 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft; sauberer Ökostrom, der auf einer nahezu CO2-freien, 100 Prozent atomstromfreien Produktion beruht. Damit ist Verbund unter Europas Energieversorgern führend in Sachen Klimaschutz.

Im Zuge der Liberalisierung des Energiemarktes hatte sich der Konzern in den 90er-Jahren entlang der Energie­wertschöpfungskette neu aufgestellt. Aus dieser Umstrukturierung entstand auch die deutsche Handelstochter Verbund Trading & Sales Deutschland mit Sitz in München und einem weiteren Büro in Düsseldorf, wie die Geschäftsführer Ruth Alt-Jansky und Thomas Bächle erläutern. Seit mehr als 15 Jahren ist das Unternehmen in Deutschland aktiv und tritt für Strom aus Wasserkraft ein. Josef Emanuel Fäßler, einer von zehn Key Account Managern bei Verbund Trading & Sales Deutschland erklärt, dass die Vermarktung von Wasserkraft an Weiterverteiler und Versorger in Deutschland im Vordergrund steht. Neben Bahnstromkunden sind das in erster Linie aktuell rund 160 Stadtwerke, die Verbund Trading & Sales Deutschland mit sauberem Ökostrom und energienahen Dienstleistungen beliefert.

Auch im Industriekundensegment möchte Verbund hierzulande verstärkt Ökostrom zum Thema machen. „Wir arbeiten gezielt mit Unternehmen derjenigen Branchen zusammen, die den besonderen Wert der Wasserkraft schätzen, zum Beispiel Lebensmittelhersteller oder die Automobilindustrie“, erklärt Fäßler. Gerade in dieser Branche sind Herkunft und Transparenz ein Thema, vor allem dann, wenn die saubere Stromherkunft als Wettbewerbsvorteil an die Endkunden weitergegeben werden kann. Eine positive Klimabilanz und ein glaubwürdiges Image werden in diesem Segment immer wichtiger. „Wir versorgen etwa einen namhaften Automobilbauer mit Ökostrom, der so die CO2-Werte bei der Produktion seiner Flotten verbessert und mit uns einen ökologisch einwandfreien Stromlieferanten zur Seite hat“, so Fäßler. Hier kann Strom aus Wasserkraft helfen.

Power-Pools und Effizienznetzwerke

Dennoch ist viel Überzeugungsarbeit nötig. „Bei Strom, der in der Industrie verwendet wird, fließt jeder Preisaufschlag direkt in die Kostenkette“, erklärt Fäßler. Jeder Cent zählt also – deshalb sehen viele Unternehmen es nicht ein, mehr Geld für Ökostrom zu zahlen und gar Wettbewerbsnachteile zu riskieren. „Das wird sich ändern, wenn die CO2-Vermeidung belohnt wird“, ist sich Fäßler sicher. Um jetzt schon loszulegen, haben er und sein Team ein großes Paket an Grünstromangeboten für Industriekunden geschnürt. „Wir können hier noch mehr anbieten als andere, etwa weil wir Zugang zur Börse haben und dort alle Produkte über die Wasserkraft abbilden können“, sagt er.

Mit seinem Angebot spricht Verbund Trading & Sales Deutschland nicht nur Industrieschwergewichte an, betont Josef Emanuel Fäßler: „Wir kümmern uns auch um kleine Anlagen, die wir zu einem Power-Pool zusammenfassen und zur Regelenergie anmelden. Wir können dann je nach Bedarf die Anlagen steuern und die Anlagenbetreiber verdienen damit Geld.“ Das sei besonders für Industriekunden interessant, die Eigenerzeugung betreiben, aber auch etwa für Kliniken, die ein Notstromaggregat vorhalten müssen. Zusätzliche Wertschöpfungspotenziale erschließt Verbund durch Vermarktung für Flexibilitäten in den Regelenergie-Auktionen und im Intraday-Markt. Außerdem bietet Verbund der Industrie Grünstromlösungen auf Grundlage der Wasserkraftwerke an, die damit einen großen Schritt in Richtung Dekarbonisierung und optimierte Stromkennzeichnung gehen können. „Wir verkaufen Industriekunden nicht einfach nur Strom aus Wasserkraft, sondern wir helfen ihnen, sich ökologisch umfassend gut aufzustellen“, fasst Fäßler die Vorteile zusammen.

Nachhaltig aus der Nische

Wer Wert auf ein zweifelsfrei nachhaltiges Image und saubere Stromproduktion legt und Strom aus Wasserkraft beziehen will, ist mit Verbund Deutschland also gut beraten. In der Bundesrepublik betreibt das Unternehmen 22 Kraftwerke am Inn, die allesamt TÜV-Süd-zertifiziert sind. Sie genügen damit höchsten ökologischen Ansprüchen. Großkunden erhalten auf Wunsch sogar Strom aus ihrem Wunschkraftwerk, den sie Verbrauchern gegenüber wiederum mit regionaler Note oder kombiniert mit Führungen durch „ihr“ Kraftwerk anbieten können.

Apropos Regionalität: Rund 280 Millionen Euro möchte der Konzern bis zum Jahr 2025 in Umweltschutz-Maßnahmen und zur Effizienzsteigerung seiner Kraftwerke investieren. Von diesem Investment können auch deutsche Stadtwerke profitieren – indem sie exklusive Vermarktungsrechte an diesen Maßnahmen erwerben, sie selbst branden und gezielt Verbrauchergruppen ansprechen, um so aktiv zu noch nachhaltigerem Strom beizutragen. Mit diesen und den Angeboten für die Industrie hofft Verbund, die Wasserkraft endgültig aus ihrer Nische auf die Erfolgswelle zu heben.

Bildergalerie

  • Zukunftsgerichtet: Die Flugaufnahme zeigt die neue Au-Landschaft beim Donaukraftwerk Altenwörth, mit der Verbund seinen ökologischen Beitrag leistet. Das Kraftwerk tritt optisch in den Hintergrund und macht der Natur Platz.

    Bild: Verbund

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