Burkhard Rüßmann, ausgebildeter Energieelektroniker und Kälteanlagenbauermeister, hat 1991 die L&R Kältetechnik gegründet und ist seitdem als geschäftsführender Gesellschafter tätig. Zudem hat diverse Ehrenämter inne, unter anderem als Obermeister der Fachinnung für Kälte- und Klimatechnik im Regierungsbezirk Arnsberg.

Bild: L&R Kältetechnik

Burkhard Rüßmann, L&R Kältetechnik Was kommt, was bleibt?

17.11.2021

Nach über einem Jahr im „Pandemiemodus“ stellt sich die Frage: Wie wird sich die Industrie verändert haben, wenn wir – hoffentlich sehr bald – in den normalen Betriebsmodus zurückkehren? Kehren wir zurück zum „Business as usual“? Auf welche Veränderungen sollten wir uns einstellen – und welche sollten wir fördern und beschleunigen?

Unter unseren Kunden sind Hersteller von komplexen Produkten wie zum Beispiel Autos, die unsere Kälteanlagen in ihren Testzentren einsetzen. Dort setzen sie die Fahrzeuge und deren Komponenten ganz gezielt hohen Beanspruchungen aus. Dazu gehören Vibrationen und Stöße, Starkregen, Salzwasser, hohe und tiefe Temperaturen – deshalb auch der Einsatz unserer Kälteanlagen.

Wie diese Tests auf die Prüflinge, so hat die Pandemie auf die Unternehmen der Prozess- und Automatisierungstechnik gewirkt und tut es immer noch: Wir wurden ganz ordentlich durchgeschüttelt und auf die Probe gestellt. Wege zum Kunden waren gekappt, jeweils die Hälfte der Abteilungen arbeitete im Wechsel schichtweise oder im Home-Office, in den Lieferketten ruckelte es gewaltig. Projekte verzögerten sich, Termine wurden abgesagt und Kunden zogen Anfragen zurück – was verständlich ist, denn in einigen unserer Zielbranchen gab es massive Umsatzeinbrüche.

Inzwischen kehren wir Schritt für Schritt in den Normalmodus zurück. Seit Januar ist die Anzahl der Anfragen und Projekte bei L&R wieder auf gewohntem und glücklicherweise hohem Niveau. Das betrifft unsere Kernbranchen wie die Kunststoffverarbeitung und die Chemie. Überproportional stark vertreten sind die Pharmaproduktion (wen wundert es?) und auch die Automobilindustrie, die jetzt anspruchsvolle Kältetechnik benötigt, um Batterien und andere Komponenten der Elektromobilität zu testen.

Alles wie vorher also? Die Frage muss man sich stellen. Was bleibt vom „Pandemiemodus“? Dabei sollte man nicht die – wenn auch teilweise erzwungenen – positiven Aspekte vernachlässigen, zum Beispiel die Effizienz der Online-Kommunikation. Nicht jedes Projektgespräch, das hat sich gezeigt, muss „live“ vor Ort geführt werden. Videokonferenzen funktionieren gut, man kann viel Zeit sparen und die Umwelt entlasten. Das wird bleiben.

Als positiv hat sich auch erwiesen, dass wir als Anlagenbauer auf kurze und stabile Lieferketten zu namhaften Zulieferern achten. Und die kurzen Entscheidungswege in unserem familiengeführten Unternehmen haben im vergangenen Jahr stets ein schnelles „Umschalten“ und Reagieren auf veränderte Bedingungen ermöglicht. Schnelligkeit, das hat sich gezeigt, ist in solchen Situationen entscheidend.

Was wir auch gelernt haben: Man kann (und muss) Businesspläne schreiben und langfristige Unternehmensplanung betreiben. Aber es gibt äußere Einflüsse, die man kaum vorhersehen kann. Dann ist Anpassungsfähigkeit gefragt. Wenn das gelingt, erreicht man eine Eigenschaft, die als „Resilienz“ bezeichnet wird, das heißt die Fähigkeit, mit ungewohnten Situationen umzugehen. Diese Fähigkeit werden wir gezielt weiter ausbauen.

Zwei weitere Themen stehen ganz oben auf unserer Agenda. Das eine ist die Digitalisierung. Hier sind wir gut aufgestellt: Dank eigenem Steuerungsbau haben wir das Know-how im Haus. Als zweites Thema treibt uns die Nachhaltigkeit um, und damit stehen wir erfreulicherweise nicht allein. Immer mehr Kunden berücksichtigen bei Ausschreibungen und Projekten die Nachhaltigkeit der Kältetechnik. Wir sind darauf vorbereitet.

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