Sebastian Gölz ist Head of Team User Behaviour and Field Trials beim Fraunhofer ISE.

Bild: Fraunhofer ISE

Auslauf der Förderung Was kommt nach dem PV-EEG?

04.02.2020

Der Auslauf der auf 20 Jahre festgelegten EEG-Förderung von Erzeugungsanlagen ist in der Windbranche allgegenwärtig. Jedoch ist nicht nur diese Branche von einer endenden Förderung betroffen, sondern ebenso die der Photovoltaik. Auch dort läuft 2021 die EEG-Förderung für erste Anlagen aus. Betroffene PV-Anlagenbesitzer beschäftigen sich bisher aber kaum damit, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE jetzt zeigt. Welche Maßnahmen getroffen werden müssen, wie es weitergeht und wann die Deadline ist, erläutert Sebastian Gölz, Head of Team User Behaviour and Field Trials beim Fraunhofer ISE.

Anfang 2021 laufen die ersten gesetzlich garantierten EEG-Vergütungen für PV-Anlagen aus. Wie geht es dann weiter?

PV-Anlagen, welche aufgrund ihrer Betriebsdauer keine EEG-Förderung mehr erhalten, müssen dann für den erzeugten Strom einen Vermarkter haben, um weiter Strom ins Netz einspeisen zu können. Wird das nicht gemacht, ist die Anlage illegal am Netz und müsste in diesem Fall vom Netz genommen werden. Wir haben im Rahmen des SINTEG-Projekts C/sells einige der beteiligten Verteilnetzbetreiber gefragt, was sie in diesem Fall tun werden. Diese konnten uns auf die Frage, was sie mit PV-Anlagen ohne EEG-Förderung und ohne Vermarkter in ihrem Netz machen, noch keine klare Antwort geben. Für einen Weiterbetrieb nach Auslaufen der EEG-Förderung gibt es keine automatische Regelung, die Anlagenbesitzer müssen also selbst aktiv werden. Die Politik legt derzeit auch keine Priorität auf dieses Thema. Sie sollte aus unserer Sicht aber für den Fall, dass sich die Betreiber nicht rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzen, eine Übergangslösung schaffen. Wird das nicht gemacht, könnte das zu Zwangsabschaltungen führen, was ein völlig falsches Signal senden würde.

Gibt es Weiterbetriebsoptionen, wie bei dem Auslauf der EEG-Vergütung für Windkraftanlagen?

Einen Vergleich zwischen Windkraftanlagen und der Photovoltaik haben wir natürlich auch gezogen. Jedoch unterscheiden sich die Anlagen sehr stark. Wir haben in unserer Studie knapp 1.400 Anlagenbesitzer befragt, deren Anlagen zu 95 Prozent Aufdachanlagen und mit 3 bis maximal 6 kW entsprechend klein sind. Die Leistungskapazitäten der Windkraftanlagen hingegen sind eine ganz andere Dimension. Deshalb ist eine Direktvermarktung hier deutlich einfacher und wirtschaftlicher als bei PV-Kleinanlagen. Nach unserer Studie ist die Option, die aus der Förderung fallenden PV-Anlagen zur Eigenstromnutzung weiterzubetreiben, am attraktivsten, häufig gepaart mit der Bereitschaft, in einen ergänzenden Speicher zu investieren. Auch Energy-Community-Lösungen werden als recht attraktiv wahrgenommen, die Direktvermarktung ist nach unseren Daten weniger attraktiv. Die Zahl der PV-Anlagen, die am 01. Januar 2021 aus der EEG-Förderung für PV-Anlagen fallen, ist glücklicherweise noch überschaubar. Das ist gut und schlecht. Gut ist es, weil es noch nicht so viele Anlagen sind, für die eine neue Betriebsform gefunden werden muss. Schlecht ist es, weil es dadurch für Unternehmen noch kein spannender Geschäftsbereich ist. Es gibt aber bereits Firmen mit innovativen Ideen zum Weiterbetrieb der älteren PV-Anlagen im Rahmen von Energy Communities und regionalen Stromprodukten. Erst wenn 2027/28 für mehr Anlagen, mit zunehmend größeren Kapazitäten, die EEG-Förderung ausläuft, entsteht vermutlich ein interessanter Markt.

Können Sie das Projekt C/sells genauer erläutern?

Das SINTEG-Projekt C/sells wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Wir beschäftigen uns damit, wie die künftige Stromversorgung und das Energieversorgungssystem in Deutschland aussehen müssten, wenn viel mehr dezentrale erneuerbare Anlagen, insbesondere Photovoltaik, die Erzeugung sicherstellen. Durch diese vielen kleineren Erzeugungsanlagen wird erstmal eine erhöhte Komplexität entstehen, die durch den Aufbau einer digitalen Mess-, Management- und Kommunikationsinfrastruktur geregelt werden kann. Eine Herausforderung der Koordination liegt vor allem bei den Netzbetreibern, insbesondere im Kontext des Netzengpassmanagements. Wenn wir jetzt perspektivisch zehn, fünfzehn Jahre weiterschauen ist klar, dass wir kaum noch zentrale Großkraftwerke haben werden. Es wird ein paar Gaskraftwerke geben, die Zeit der Kohle- und Atomkraft ist dann aber vorbei. Das heißt, wir sind dann in einer völlig neuen Situation beim Netzmanagement. Dafür entwickelt C/sells Instrumente, wie beispielsweise mit regionalen Flex-Plattformen gezielt Infrastrukturen für ein regionalisiertes Netzengpassmanagement mit marktlichen Ansätzen zu schaffen. C/sells testet die entsprechenden technischen Infrastrukturen prototypisch und zeigt, wie es funktionieren kann. Über die Flex-Plattformen könnten dann beispielsweise Erzeugungsanlagen, aber auch Speicher als Flexibilitäten gehandelt werden. In diesem Kontext wollten wir herausfinden, welche Optionen Anlagenbesitzer mit ihren Anlagen, die quasi auf den freien Markt geworfen werden, bevorzugt nutzen wollten.

Wie schätzen Anlagenbetreiber die neue Marktsituation ein?

Unter den Anlagenbesitzern, für deren PV-Anlage bis 2025 die EEG-Förderung ausläuft, besteht eine hohe Bereitschaft, ihre Anlagen weiterzubetreiben. Wir haben in der Befragung als Antwortmöglichkeit angeboten: „Ich möchte die Anlage nicht selbst weiterbetreiben.“ Wenn der Befragte das auswählte, gab es die Antwortmöglichkeiten, die Anlage dann entweder abzubauen oder zu verpachten. Das wurde jedoch nur von vier Prozent der Befragten ausgewählt. Auch waren wir überrascht, wie hoch die Bereitschaft ist, weitere Investitionen zu tätigen. Ganze 84 Prozent der Befragten erklärten sich dazu bereit. Bei der Befragung haben wir PV-Anlagen-Besitzer und -Besitzerinnen gefragt, deren Anlagen bis 2025 aus dem EEG fallen. Diejenigen, die bereits vor Beginn des EEG und in den ersten ein, zwei Jahren der Förderung PV-Anlagen installierten, sind die Pioniergruppe des EEG. Menschen, die diese ersten Anlagen bauten, waren hochmotivierte Leute, die das ganz klar aus nichtökonomischen Gründen gemacht und ihre Haltung nach unseren Daten auch nicht groß verändert haben. Wir haben keinerlei Hinweis darauf erhalten, dass die Leute an der Zukunft von PV zweifeln. Jedoch fanden wir heraus, dass die meisten sich noch nicht damit beschäftigt haben, was nach dem EEG mit ihrer Anlage passieren soll. Hier gibt es nun einen riesigen Bedarf, denn Betreiber, die ihre Anlage vor etwa 20 Jahren installierten, haben die Entwicklungen sicherlich nicht alle im Detail mitverfolgt.

Inwieweit ist es kritisch, dass das Privileg des Eigenverbrauchs, das Anlagenbetreiber 20 Jahre lang hatten, wegfällt? Diese müssen danach ja 40 Prozent EEG-Umlage zahlen.

Wir haben nicht explizit gefragt, ob den Leuten klar ist, dass sie aus diesem Privileg rausfallen. Allerdings wird es mit dem Beschluss des Europäischen Parlaments vom 13. November 2018 im Rahmen der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie zukünftig nicht zulässig sein, Anlagen unter 30 kW mit dieser Umlage zu belegen. Weiterhin besteht nach dieser Richtlinie für überschüssig eingespeisten Strom in das Netz ein Anrecht darauf, dass dieser zu Marktpreisen vergütet wird. Bis jetzt sind die EU-Vorgaben jedoch noch nicht in nationales Recht übersetzt worden.

Kann eine weitere Einspeisung nach Auslaufen der EEG-Förderung überhaupt noch wirtschaftlich sein?

Das ist bei kleineren Anlagen tatsächlich eine Herausforderung, denn die laufenden Kosten, wie die Versicherung, bleiben. Rechnet man mit fünf Cent pro kWh, die man vielleicht im besten Fall verdienen kann, bleibt nicht mehr viel übrig. Deshalb sind Optionen zur Eigenstromnutzung attraktiver, da durch die vermiedenen Kosten eines Netzbezugs die Betriebskosten gedeckt werden können. Die große Herausforderung für die Anlagenbetreiber ist der hohe Bedarf an Information. Regulatorisch erforderlich sind zudem neue Messsysteme, da die alten Anlagen noch in einem völlig anderen Messregime ans Netz gebracht wurden. Es ist also positiv, dass die Anlagenbetreiber eine hohe Investitionsbereitschaft angeben. Das ist eine gute Voraussetzung, auf die wir auch in der Energiewende bauen können. Nach unseren Ergebnissen erwartet kein Anlagenbetreiber nach Auslaufen der EEG-Förderung noch große Zugewinne durch seine PV-Anlage.

Ist 2021 mit einer Art Anschlussregelung zu rechnen, wenn die EEG-Förderung ausläuft?

Durch die EU-Richtlinie gibt es diesbezüglich einige Vorgaben, die teilweise einer Anschlussregelung entsprechen würden. Weiterhin hatten wir darüber mit dem Solarförderverband SFV und der Deutschen Solargesellschaft DGS auch schon Gespräche. Sie sind der Ansicht, dass es in Berlin auf der politischen Ebene keinerlei Bereitschaft gibt, nochmal über eine Förderung nachzudenken. Das wäre politisch auch kaum zu rechtfertigen und nach unseren Studienergebnissen auch nicht nötig. Aus diesem Grund wird über eine Übergangsregelung nachgedacht, womit die Anlage, auch wenn noch kein Direktvermarkter gefunden wurde, erst einmal am Netz bleiben kann. Eine solche Regelung halten wir für sinnvoll, denn die meisten werden das Ganze zwar auf sich zukommen sehen, ob sie wirklich frühzeitig handeln, ist angesichts der vielen Fragen zum Weiterbetrieb unsicher.

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