Regeln sollen Vertrauen sichern

Virtuelle Szenarien für automatisierte Fahrzeuge

Simulationen und Szenario-Tests sollen die Typprüfung automatisierter Fahrfunktionen ergänzen. Entscheidend bleibt jedoch die klare Trennung der Bereiche Entwicklung, unabhängige Sicherheitsprüfung durch Technische Dienste und behördliche Genehmigung.

Bild: iStock, excentric_01
27.05.2026

Gemeinsam mit DEKRA und SGS fordert der TÜV-Verband klare Regeln für simulationsbasierte Typprüfungen automatisierter Fahrfunktionen. Virtuelle Szenarien sollen reale Tests ergänzen, aber es muss sichergestellt werden, dass sie überprüfbar bleiben und die Entwicklung, die unabhängige Sicherheitsprüfung und die behördliche Genehmigung weiterhin strikt getrennt sind.

Automatisierte Fahrfunktionen verändern die Fahrzeugtypprüfung grundlegend. Neben den klassischen Tests auf Prüfständen und Teststrecken kommen Simulationen und Szenario-basierte Verfahren zum Einsatz, um die Sicherheit hochautomatisierter Fahrzeuge zuverlässig zu bewerten. Dabei werden automatisierte Fahrzeuge virtuell mit unterschiedlichen Verkehrssituationen konfrontiert, beispielsweise mit plötzlich auftretenden Hindernissen oder riskantem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Im Zuge dieser Entwicklung fordert der TÜV-Verband gemeinsam mit DEKRA und SGS klare Regeln für simulationsbasierte Prüfverfahren. Entwicklung, unabhängige Sicherheitsprüfung und behördliche Genehmigung müssen weiterhin klar voneinander getrennt bleiben.

„Wenn automatisierte Fahrzeuge künftig mit virtuellen Szenarien geprüft werden, darf nicht derjenige die Prüfmaßstäbe festlegen, der die Systeme selbst entwickelt“, sagt Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband. „Deshalb muss auch bei simulationsbasierten Prüfverfahren die Rollenverteilung klar bleiben. Nach dem bewährten System der europäischen Typgenehmigungsverordnung entwickeln Hersteller die Systeme, unabhängige Technische Dienste prüfen diese und staatliche Behörden entscheiden über die Genehmigung.“

Prüfverfahren müssen neue Risiken berücksichtigen

„Automatisierte Fahrzeuge bewegen sich in einer dynamischen Verkehrsumgebung. Deshalb müssen auch die Prüfverfahren mit neuen Risiken und Verkehrssituationen Schritt halten können“, sagt Schneider. Für die Sicherheitsbewertung automatisierter Fahrzeuge reichen festgelegte Standardszenarien deshalb nicht aus. Die Systeme müssen auch seltene Verkehrssituationen sicher bewältigen können. Prüfverfahren müssen daher um neue Szenarien ergänzt werden. Dabei helfen zusätzliche Simulationen und reale Verkehrsdaten.

Darüber hinaus müssen die virtuellen Prüfmethoden selbst nachvollziehbar überprüft werden. Simulationen dürfen reale Tests nicht vollständig ersetzen, sondern müssen mit praktischen Versuchsergebnissen abgeglichen werden. Ziel ist ein verlässlicher Nachweis der Sicherheit automatisierter Fahrfunktionen.

Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen können die Industrie zwar bei Methodenentwicklung, Simulationen und Testinfrastruktur unterstützen. Sie dürfen aber keine genehmigungsrelevanten Prüfungen durchführen oder Einfluss auf behördliche Entscheidungen nehmen. Schneider: „Die Grenze zwischen Entwicklung und unabhängiger Typprüfung darf nicht verschwimmen. Nur unabhängige Prüfungen schaffen Vertrauen in automatisierte Fahrzeuge.“

Das vollständige Positionspapier „Trennung von Zuständigkeiten im Typgenehmigungsprozess von Fahrzeugen mit automatisierten Fahrfunktionen“ finden Sie hier.

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