Flexible Energieversorgung in Minuten statt Monaten aufbauen

Ultraschnelles Laden wird mobil

Phoenix Contact Deutschland GmbH

E-Mobilität wächst schneller als die Ladeinfrastruktur. SBOW iFlex soll Ad-hoc-Schnellladung dort ermöglichen, wo Netzanschluss fehlt oder sich verzögert.

Bild: iStock, plusphoto
18.09.2026

Mobile Batteriespeichersysteme mit Schnellladeanschluss schließen Versorgungslücken, wo Netzanschlüsse fehlen oder Genehmigungen dauern. Gemeinsam mit Phoenix Contact hat SBOW – ein Unternehmen der spanischen Diggia Group – genau dafür ein flexibel einsetzbares System entwickelt. Die mobile Ladelösung SBOW iFlex liefert bis zu 240  kW Ladeleistung genau dort, wo sie benötigt wird. Sie funktioniert netzgebunden oder völlig autark dank integriertem Batterie-Energiespeichersystem.

SBOW verfolgt das Ziel, die Energiewende durch technologiegestützte, flexible Lösungen zu beschleunigen. Der SBOW iFlex entstand vor dem Hintergrund, dass die E-Mobilität schneller wächst als der klassische Ausbau der Ladeinfrastruktur, denn der Bedarf an Ad-hoc-Schnellladung steigt. „Wir wollten eine Lösung, die in Minuten und nicht in Monaten einsatzbereit ist“ erklärt Santiago Antelo, Leiter SBOW iFlex.

Die mobile Speicher- und Ladelösung ist das Ergebnis eines mehrjährigen, iterativen Entwicklungsprozesses. „Wir haben fast fünf Jahre daran gearbeitet. Der erste Prototyp war noch stationär und der Schritt zum mobilen System war eine große Herausforderung“, berichtet Marío Fernández, Director Innovation der Diggia Group.

Die größte Herausforderung bestand darin, komplexe Hard- und Softwaremodule aus der stationären Hochleistungsladetechnik in ein robustes, mobiles Gesamtsystem zu integrieren. Dafür musste das Unternehmen die Systemarchitektur vollständig neu denken, um Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit auch unter mobilen Einsatzbedingungen sicherzustellen. David Álvarez González von Phoenix Contact Spanien hat SBOW auf diesem Weg intensiv begleitet: „Wir haben für das Projekt unsere bewährten Produkte neu kombiniert und für den mobilen Härtetest ausgelegt.“ Dazu trugen Systemkomponenten wie CCS-Ladekabel und -Ladedosen, DC-Leistungsmodule, Batteriepol-Steckverbinder, Steuerungs- und Relaistechnik sowie fahrzeugseitige Schnittstellen wesentlich bei.

Wie aus stationär mobil wird: Serienkomponenten im Härtetest

Ein mobiles Schnellladesystem muss zwei Welten vereinen: die Leistung einer stationären DC‑Schnellladestation und die Belastbarkeit im mobilen Betrieb – inklusive Vibrationen, Witterung und häufigem Umsetzen per Trailer, Stapler oder Kran. Diese Anforderungen prägten maßgeblich die Architektur des SBOW iFlex. Das Ergebnis ist ein mechanisch widerstandsfähiges Gehäuse bis IP54/IK10, welches auch anspruchsvollen Umgebungsbedingungen standhält. Ergänzend sorgt eine leistungsstarke Energie- und Leistungsebene dafür, dass sowohl die Fahrzeugladung als auch zusätzliche Verbraucher im Parallelbetrieb stabil und kontinuierlich versorgt werden.

„Wir sind von Anfang an bewusst auf ein bewegliches System gegangen – das war Neuland und forderte uns bei Hard‑ und Softwareintegration gleichermaßen“, beschreibt Fernández den Startpunkt des Projekts. Um diese Integration souverän zu beherrschen, setzt SBOW in zentralen Funktionsblöcken auf bewährte Serienkomponenten von Phoenix Contact. Ladetechnik für die Elektromobilität, Leistungselektronik sowie Steuerungs‑ und Automatisierungstechnik sorgen gemeinsam für einen sicheren und zuverlässigen Ladevorgang. „Phoenix Contact ist für uns eine technologische Referenz im Bereich der Ladeinfrastruktur. Wir kannten die Komponenten aus früheren Projekten und haben uns deshalb von Beginn an für eine enge Zusammenarbeit entschieden“, sagt Antelo. Im Schaltschrank setzte SBOW auf verschiedenste Lösungen von Phoenix Contact.

Im integrierten Batteriespeichersystem stellen Batteriepol‑Steckverbinder und Leiterplattenklemmen von Phoenix Contact eine verlustarme und vibrationsfeste Energieübertragung zwischen den Modulen und dem Leistungspfad sicher – ein Detail, das im mobilen Einsatz Lebensdauer und Servicefreundlichkeit beeinflusst. „Wir nutzen Phoenix‑Contact‑Komponenten in den Hauptsystemen: von DC/DC- und bidirektionalen AC/DC-Leistungsmodulen bis hin zu Steuerung und Konnektivität“, erläutert Antelo. „Das hat die Integration beschleunigt und die Zuverlässigkeit im Feld erhöht.

Die Zusammenarbeit ging dabei weit über eine klassische Lieferbeziehung hinaus. Entscheidend war nicht nur die Qualität der Komponenten, sondern vor allem die Geschwindigkeit und Verlässlichkeit, mit der die Teams von Phoenix Contact auf technische Fragestellungen reagierten. „Wir haben für jede Hürde eine klare Lösung gefunden. Dieser enge Austausch hat uns geholfen, aus unserer Idee eine belastbare Serienlösung zu machen“, beschreibt Marío Fernández den zentralen Erfolgsfaktor aus Sicht der SBOW-Entwicklung.

Mehr als Laden: Energie dann und dort, wo sie gebraucht wird

Heute erschließt SBOW iFlex einen neuen Anwendungstyp in der Energieversorgung: ultraschnelles, mobiles Laden an Orten, an denen klassische Ladepunkte an Grenzen stoßen. Die Lösung richtet sich an Einsatzorte ohne festen Netzanschluss, an Szenarien mit kurzfristig skalierbarem Ladebedarf oder an Standorte, deren Nachfrage saisonal oder ereignisbedingt stark schwankt. Typische Anwendungen reichen von Events und anderen temporären Einsatzzwecken über Flotten und Logistik-Hubs, ÖPNV-Depots sowie Bau- und Infrastrukturprojekte. Der integrierte Batteriespeicher von 180  kWh nutzbarer Kapazität dient als Notfall-/Backup-Versorgung und ermöglicht einen autarken Betrieb (Inselnetz), unterstützt aber auch netzgekoppelte Anwendungen ohne langwierige Infrastrukturmaßnahmen.

Ein zentraler Vorteil des Systems ist seine konsequent auf Mobilität ausgelegte Konstruktion. Der SBOW iFlex lässt sich als Anhänger ziehen, per Kran oder Stapler bewegen und ist innerhalb weniger Minuten vollständig betriebsbereit. Wie vielseitig der SBOW iFlex agiert, zeigt sich unter realen Einsatzbedingungen: „Früher Morgen auf der Baustelle: Der Schaltschrank steht noch nicht, der Netzanschluss verzögert sich. Trotzdem müssen Maschinen und Fahrzeuge geladen werden, der Baucontainer braucht Strom für Heizung, Licht und IT. Hier schließt iFlex die Lücke“, berichtet Antelo. Dank zweier CCS-Abgänge liefert das System bis zu 240  kW DC-Leistung für Fahrzeuge, während der dreiphasige AC-Ausgang (400  V, bis 40  kW) gleichzeitig Container, Beleuchtung oder Werkzeuge versorgt. Damit übernimmt iFlex mehrere Rollen gleichzeitig: mobile Schnellladestation, temporäre Energiequelle und netzunabhängiges Versorgungssystem.

Nachhaltigkeit durch integrierte Speichertechnologie

Ein wesentlicher Nachhaltigkeitsfaktor des Systems liegt in seiner Fähigkeit, fossile Energiequellen direkt zu ersetzen. In vielen mobilen oder temporären Anwendungen kommen heute noch Dieselgeneratoren zum Einsatz. Der integrierte Batteriespeicher ermöglicht dagegen einen vollständig emissionsfreien Betrieb, sowohl für die Schnellladung von Elektrofahrzeugen als auch für die Versorgung weiterer Verbraucher. Damit reduziert das System nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch Lärm- und Schadstoffbelastungen vor Ort – ein Vorteil, den Anwender besonders in urbanen Räumen oder sensiblen Infrastrukturen schätzen. Darüber hinaus unterstützt die Lösung einen infrastrukturell schlanken Ansatz: Ladepunkte müssen nicht fest gebaut, genehmigt und rückgebaut werden, sondern entstehen temporär und bedarfsgerecht. Auch im Lebenszyklus wirkt diese Flexibilität nachhaltig, denn ein einzelnes System deckt zahlreiche Einsatzzwecke ab. Das schont Ressourcen und vermeidet redundante, langfristig ungenutzte Infrastruktur.

Fazit

Der SBOW iFlex schließt die Lücke zwischen Bedarf und Verfügbarkeit: Er stellt Energie bereit und ermöglicht ultraschnelles Laden genau dann und dort, wo Netzinfrastruktur fehlt oder nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. Entscheidend für den Erfolg der Lösung war dabei nicht allein die technische Leistungsfähigkeit mit bis zu 240 kW Ladeleistung, 180 kWh Speicher, zwei parallelen DC‑Abgängen und offenen Protokollen. Ebenso wesentlich war die enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen SBOW und Phoenix Contact. Von der frühen Konzeptphase über die Prototypenentwicklung bis zur Serienreife arbeiteten beide Partner eng abgestimmt an Systemarchitektur, Komponentenwahl und Integration. Der kontinuierliche technische Austausch beschleunigte die Entwicklungsprozesse und erhöhte die Zuverlässigkeit im Feldeinsatz. So wurde aus einer Idee eine robuste, marktreife Lösung, ausgestattet mit Phoenix Contact, innerhalb weniger Minuten betriebsbereit und skalierbar. Der SBOW iFlex steht damit beispielhaft für das Zusammenspiel aus bewährter Technologie und vertrauensvoller Partnerschaft. Er zeigt, wie flexible, mobile Ladeinfrastruktur heute realisiert werden kann, auch wenn der Netzausbau nicht Schritt hält.

Bildergalerie

  • Mobile Speicher- und Schnellladelösung SBOW iFlex beim Laden eines Elektrofahrzeugs

    Mobile Speicher- und Schnellladelösung SBOW iFlex beim Laden eines Elektrofahrzeugs

    Bild: Phoenix Contact

  • DC-Leistungsmodule von Phoenix Contact übernehmen die zentrale Aufgabe der Energiewandlung und präzisen Leistungsregelung.

    DC-Leistungsmodule von Phoenix Contact übernehmen die zentrale Aufgabe der Energiewandlung und präzisen Leistungsregelung.

    Bild: Phoenix Contact

  • Im Schaltschrank kommen verschiedene Komponenten von Phoenix Contact zum Einsatz, die eine zuverlässige Energieverteilung und Steuerung sicherstellen.

    Im Schaltschrank kommen verschiedene Komponenten von Phoenix Contact zum Einsatz, die eine zuverlässige Energieverteilung und Steuerung sicherstellen.

    Bild: Phoenix Contact

  • Der mobile Batteriespeicher kombiniert Energiespeicherung und Schnellladen in einer transportablen Lösung abseits bestehender Netzinfrastruktur.

    Der mobile Batteriespeicher kombiniert Energiespeicherung und Schnellladen in einer transportablen Lösung abseits bestehender Netzinfrastruktur.

    Bild: Phoenix Contact

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel