Start-ups entwickeln oftmals zukunftsgetriebene und radikale Ideen. Mithilfe interdisziplinärer Kooperationen sollen sie wertschöpfend in der Industrie umgesetzt werden.

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Format für Kooperationen Start-ups finden den Weg in den Maschinenbau

27.05.2019

Mittelständische Industriebetriebe suchen immer häufiger den Zugang zu Start-ups, um den digitalen Wandel gemeinsam voranzutreiben. Der VDMA und die Fraunhofer-Gesellschaft haben deshalb die gemeinsame Initiative Hacking Engineering gestartet. Ziel ist es, Hightech-Start-ups aus der Forschung für Mittelständler im Maschinen- und Anlagenbau zu erschließen.

Auf dem ersten Start-up-Summit in Berlin trafen mehr als 170 Entscheider aus dem Maschinenbau und Start-ups aus dem Fraunhofer-Netzwerk aufeinander, um sich zu vernetzen und Kooperationen anzubahnen. Insgesamt 18 Jungunternehmen präsentierten dabei ihre Technologien.

„Es freut mich sehr, dass wir mit dem VDMA den Technologietransfer in den Mittelstand systematisch weiterentwickeln. Mit der Start-up-Kooperation will Fraunhofer gezielt dazu beitragen, dass der Maschinen- und Anlagenbausektor als Motor der deutschen Wirtschaft durch marktfähige Innovationen auch in Zukunft zur Weltspitze gehört“, sagt Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, anlässlich der Veranstaltung.

Start-up-Ideen wertschöpfend umsetzen

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, erläutert: „Start-ups bringen einen unkonventionellen Spirit und eine neue Innovationskultur in den Maschinen- und Anlagenbau. Davon profitieren beide Partner: Hochfliegende, oft auch radikale Ideen junger Start-ups werden bei uns geerdet und in industrielle Wertschöpfung übersetzt. Die VDMA Start-up-Machine bringt beide Welten zusammen. Wir spüren spannende Jungunternehmen für die Industrie auf, vernetzen sie mit unseren Mitgliedsunternehmen und stehen als Sparring-Partner für die Zusammenarbeit bereit.“

Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), ergänzt: „Deutschland ist Spitzenstandort für Innovationen. Wir geben mehr als drei Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung aus und gehören zu den zehn forschungsintensivsten Volkswirtschaften der Welt. Der Maschinenbau leistet einen beträchtlichen Beitrag zur deutschen Forschungsleistung, und der innovative Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Diese Position wollen wir erhalten und ausbauen.“ Unternehmensgründungen seien deshalb für die Bundesregierung von „herausragender Bedeutung“.

Hackathon erfolgreich durchgeführt

Auf dem Summit wurden auch die Gewinner-Teams des Hacking-Engineering-Hackathons präsentiert, der erstmals von 17. bis 19. Mai 2019 in Berlin stattfand. Es kamen Akteure aus Forschung, Start-up-Szene und Maschinenbau zusammen, um durch kollaborative Software- und Hardwareentwicklung Lösungsansätze für echte Unternehmensherausforderungen im Maschinenbau zu gewinnen.

Ausgezeichnet wurden die folgenden Teams:

  • Always Tuned für das Konzept einer nachhaltigen Hardware

  • MyDigitalMachine aus dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA für eine analoge Lösung zur Wartung von Anlagen mit Hilfe sicherer Datenübertragung

  • Pumpident für einen innovativen Ansatz zur Auslesung von Typenschildern

  • The Avengers für einen Machine-Learning-Ansatz für die Zustandskontrolle und Wartung von Pumpen

Weitere Preise vergab Fraunhofer an die Teams Absperrklappen sowie Qbound, die Fraunhofer-Technologie nutzen.

Maschinenbau ist Start-up-affine Branche

Formate wie Hacking Engineering und der Start-up-Summit von VDMA und Fraunhofer ermöglichen neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschung und Start-ups. Gerade der Maschinenbau ist eine Start-up-affine Branche. Laut der VDMA-Studie Start-up-Affinität und -Strategie im Maschinen- und Anlagenbau kooperieren bereits heute 55 Prozent der Unternehmen aus allen Maschinenbau-Clustern mit Start-ups. Die Tendenz ist dabei steigend: 73 Prozent der Befragten geben an, in den nächsten drei Jahren mit Start-ups kooperieren zu wollen.

Hauptmotiv für diese Kooperationen ist, Zugang zu neuen Zukunftstechnologien zu erhalten – dies nannten 93 Prozent der Befragten. Dabei finden Unternehmen im Maschinenbau passende Start-ups vorwiegend über Hochschulnetzwerke und Forschungseinrichtungen. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist damit ein geeigneter Partner für den Verband, der mit seiner VDMA Start-up-Machine seit 2017 Hightech-Start-ups scoutet und mit seinen überwiegend mittelständischen Mitgliedern vernetzt.

Für Fraunhofer ist im Gegenzug der Mittelstand wichtiger Forschungs- und Entwicklungspartner. Der Maschinenbau ist zudem eine besonders attraktive Kundenbranche für Ausgründungen aus der Forschung. Bereits heute leistet die Fraunhofer-Gesellschaft durch ihre Ausgründungen einen wichtigen Beitrag zum Technologietransfer in die deutsche Wirtschaft. So wurden im Jahr 2018 erstmals 30 Spin-offs ausgegründet. An insgesamt zehn Spin-offs hat sich die Fraunhofer-Gesellschaft darüber hinaus gesellschaftsrechtlich beteiligt. Insgesamt ist Fraunhofer derzeit an 65 Spin-offs beteiligt.

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