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Know-how des Unternehmens stets in Sicherheit Software-Modernisierung mit doppeltem Boden

04.09.2017

Für Anlagenplaner oder Generalunternehmer stellt die zentrale Planungssoftware das Fundament ihrer Softwarelandschaft dar. Die einwandfreie Funktion dieser Systeme ist essenziell für den Geschäftserfolg solcher Firmen. Bei dem Umwelt- und Energietechnik-
unternehmen Martin ist man daher beim Update des Planungssystems auf einen neuen Softwarestand und bei der Migration zu einer modernen Datenbankstruktur mit größter Sorgfalt vorgegangen – und ganz ohne externe Unterstützung.

Sämtliche Projekte, die das Münchner Unternehmen Martin in den letzten 15 Jahren abgeschlossen hat, sind mit der Plant Engineering Softwarelösung von Siemens Comos geplant worden. Sie kommt von der Angebotserstellung bis zur Übergabe von Wartungs- und Instandhaltungsdatenbanken an den Kunden zum Einsatz. Seit dem ersten Projekt, das 2001 mit Comos umgesetzt wurde, sind Andreas Holzinger und Winfried März für die Pflege der zentralen Engineering-Plattform verantwortlich. Dabei ist die Administration des Planungstools für beide nicht die Hauptaufgabe – und so sehen sie sich auch eher als Anwender denn als IT-Fachleute. Ihre langjährige Erfahrung sowie der tägliche Umgang mit dem Softwaresystem befähigte die beiden Administratoren dennoch dazu, die Umstellung der Comos-Datenbankstruktur von der klassischen Datenbank cDB (Classic Data Base) auf die aktuelle iDB (Industrial Data Base) ohne Hilfe von Siemens-Experten durchzuführen.

Garant für Qualität

Zwischen zehn und fünfzehn Anlagenprojekte bietet Martin im Jahr an; im Schnitt wurden fünf davon realisiert. Zwischen Angebot und Betriebsbeginn vergehen durchschnittlich drei Jahre. Mit dem Angebot beginnt bei den Münchner Spezialisten für Verbrennungsanlagen der Workflow in Comos. Dazu nutzen die Mitarbeiter den sogenannten verfahrenstechnischen Standard: ein Planungsprojekt, das sämtliche Varianten von Müllkraftwerken abdeckt, die das Unternehmen anbietet. Im verfahrenstechnischen Standard konzentriert man sich auf das Know-how im Anlagenbau. Er ist wie ein Baukasten organisiert und ein Garant für einen hohen Standardisierungsgrad. Klar strukturierte, kombinierbare Vorlagen wie Baugruppen, Varianten und Optionen sorgen für Kosteneinsparungen im interdisziplinären Engineeringprozess. Außerdem sorgt dieses Konfigurations-Konzept für einen hohen Qualitätsstandard in der Dokumentation. Bereits bei der Angebotserstellung können die zuständigen Mitarbeiter mithilfe des verfahrenstechnischen Standards im Handumdrehen konkrete Mengengerüste erzeugen. Am Ende der Angebotsphase ist ein erheblicher Teil des Basic Engineerings so gut wie abgeschlossen.

Sobald ein Projekt in die Auftragsabwicklung übergeht, steht bereits ein Großteil der Verfahrenstechnik. Damit sämtliche Optimierungsmaßnahmen wieder in den verfahrenstechnischen Standard eingehen und bei kommenden Aufträgen zur Verfügung stehen, begleiten Verfahrenstechniker des Unternehmens die Projekte in der Abwicklung. Über 800 Dokumente sind mit dem Standard verknüpft – Rohrleitungs- und Instrumentierungsfließbilder (Piping and Instrumentation Diagrams, P&ID) ebenso wie Bildschirmlayouts oder Funktionspläne. Comos verwaltet dieses gesammelte Wissen und hilft den Planern dabei, die gewünschte Qualität in der geforderten Zeit abzuliefern. Die Erfahrung der Münchner zeigt, dass der Zeitdruck in Projekten zunimmt: Vergingen früher zwischen Projektbeginn und Abgabe der P&IDs mehrere Monate, bestehen Kunden heute schon nach ein paar Wochen auf einer komplett ausgearbeiteten Verfahrenstechnik. Daher setzt man bei der Planung auf Comos. Die Softwarelösung hilft dem Unternehmen aber nicht nur dabei, solche Fristen einzuhalten, es sorgt auch für die notwendige Datenqualität. Diese Qualität zahlt sich spätestens auf der Baustelle aus, wo Planungsfehler schonungslos offengelegt werden und es sehr viel Zeit und Geld kostet, diese zu beheben.

2013 wurde mit der Version 10.1 von Comos die innovierte Datenbankstruktur iDB eingeführt. Dabei war man sich bei Martin bewusst, dass eine solch gravierende Umstellung einen Mehraufwand in Sachen Administration und Schulung mit sich bringen würde. Doch die Vorteile lagen auf der Hand: Bessere Updatefähigkeit, der Einsatz aktueller Module wie dem Instandhaltungs- und Wartungsmanagement Comos MRO (Maintenance, Repair & Overhaul) sowie eine Ablösung der bislang selbst gepflegten Schnittstelle zum Tabellenkalkulationsprogramm Excel sprachen klar für einen frühzeitigen Umstieg. Auch wenn der Support der cDB bis 2022 garantiert ist, nutzte man das Jahr 2016 zur Umstellung.

Zukunftsfähig dank Migration

Welchen Stellenwert Comos bei Martin besitzt, lässt sich an den Nutzerzahlen ablesen: Auf 120 Arbeitsplätzen ist die Software installiert, 60 Nutzer arbeiten regelmäßig mit dem System. Bei der Umstellung mussten Andreas Holzinger und Winfried März neben einem reibungslosen Ablauf auch auf eine möglichst kurze Außerbetriebnahmezeit der Software achten. Für die Vorbereitung nahmen sich die beiden Administratoren viel Zeit: Innerhalb eines halben Jahres verschafften sie sich einen Überblick über verwendete Attribute und Stamm-
objekte, stellten einen Migrationsplan auf und suchten nach Möglichkeiten, die internen Workflows zu optimieren. Da die beiden Comos-Administratoren seit der Einführung der Software für das System zuständig waren, wussten sie ganz genau, worauf sie sich bei der Migration einlassen würden. Allen Verantwortlichen, die ein solches System aber nicht wirklich in- und auswendig kennen, weil sie es beispielsweise übernommen haben, empfehlen die beiden, sich von den Siemens-Fachleuten beraten zu lassen.

Bei Martin sah man in der Migration von der cDB auf die iDB die Chance, die über die Jahre gewachsene Datenbank zu entschlacken und gleichzeitig Workflows weiter zu optimieren. Nach eingehender Prüfung konnte auf insgesamt
80 Prozent der Attribute verzichtet und die Zahl der benötigten Stammobjekte auf knapp 370 eingegrenzt werden. Für beides wurden Zuordnungen für den Übergang von der cDB auf die iDB erstellt. Damit später Attribute und Planungsobjekte in allen Planarten einwandfrei funktionieren und miteinander kommunizieren, entwickelte man intern Visual-Basic-Skripte, die bei den Migrationsabläufen viel Arbeit ersparten. Zwei Umstände erleichterten die Migration in Eigenregie: Erstens musste nur ein einziges – zugegebenermaßen sehr großes – Planungsprojekt migriert werden, der verfahrenstechnische Standard. Zweitens arbeiteten die Comos-Administratoren nicht im Live-System, sondern nutzten für die Probeläufe stattdessen Microsoft Access. Damit war das Firmen-Know-how stets in Sicherheit. Beim vierten Durchgang erreichte man eine fast 95-prozentige Datenübernahme und war mit den gesammelten Erfahrungen bereit, die eigentliche Migration durchzuführen. Innerhalb einer Woche legten die Comos-Betreuer dazu eine neue SQL-Datenbank-Instanz an und führten die zuvor getestete Migration am Live-System durch. Das war die einzige Zeit, in der die Kollegen nicht auf den verfahrenstechnischen Standard zugreifen konnten, die tägliche Projektarbeit in der cDB war nicht beeinträchtigt. Als zusätzliche Maßnahme wurde der über 800 Dokumente umfassende verfahrenstechnische Standard auch mit Hilfe von Mitarbeitern aus der Verfahrenstechnik über ein Vierteljahr hinweg nochmals auf Herz und Nieren geprüft. Die gewissenhafte Vorbereitung und die Testläufe zahlten sich aus: Ein Nacharbeiten war kaum erforderlich. Aus den knapp 370 Stammobjekten wurden über 34.000 Planungsobjekte generiert.

Das Fazit war nach der Umstellung durchweg positiv: Das Unternehmen nutzte den Umstieg von der cDB auf die iDB, um Workflows und Datenbankobjekte gründlich auf den Prüfstand zu stellen und Potenzial in Sachen Effizienzsteigerung weiter auszuschöpfen. Die verbesserte Leistung der neuen iDB-Datenbankstruktur macht Martin fit für alle aktuellen Anforderungen seiner Kunden. Neben der Erweiterung des Portfolios mit dem MRO-Modul ist mit der Hydraulik nun noch eine weitere Abteilung komplett auf Comos als Planungstool umgestiegen. Aus administrativer Sicht ist die iDB ein großer Schritt in Richtung Standardisierung, und die Trennung von kunden- und programmspezifischen Softwarebereichen ist sehr begrüßenswert. Besonders die Updatefähigkeit erleichtert die Arbeit im Umgang mit dem Datenbank-Customizing. Bevor in München nun etwas ins Live-System übernommen wird, ist über die Arbeitsschicht eindeutig erkennbar, was neu hinzugefügt wurde. Insgesamt ist alles noch sauberer strukturiert, und auch das Feedback der Mitarbeiter ist positiv.

Rundum zufrieden

Selbst wenn man bei Martin aufgrund der vielen laufenden Projekte noch einige Zeit die cDB parallel einsetzt, sind die Anwender von der übersichtlicheren Struktur der iDB doch so überzeugt, dass ein Arbeiten in den alten Strukturen rasch ungewohnt vorkommt. Die integrierte Verwaltung, Planung sowie Organisation von Betrieb und Instandhaltung inklusive Dokumentenmanagement in nur einem System unterstützt die effiziente Angebots- und Auftragsabwicklung und fördert die Ausweitung des Service-Geschäfts. Zudem erhofft man sich aus der nahtlosen Zusammenarbeit zwischen Comos und dem Siemens-Prozessleitsystem Simatic PCS 7 künftig Synergieeffekte in Richtung effizienter Automatisierungsplanung.

Unternehmensprofil: Martin GmbH

Seit 1925 ist die Firma Martin ein fester Begriff im Bereich Feuerungsbau und thermische Abfallbehandlungsanlagen. Das Unternehmen mit insgesamt gut 180 Mitarbeitern hält zahlreiche Patente für Verbrennungsroste und wandelte sich über die Jahrzehnte zum international tätigen Anlagenbauer. Mittlerweile in vierter Generation, kann das familiengeführte Unternehmen auf weltweit mehr als 450 erfolgreiche Anlagenprojekte verweisen. Neben thermischen Abfallbehandlungsanlagen für kommunale Entsorger betätigt sich die Firma mit Hauptsitz in München mittlerweile auch als Generalunternehmer für Biogasanlagen. Darüber hinaus bietet sie umfangreiche Modernisierungsdienstleistungen und maßgeschneiderte Wartungsservices für diese Anlagen an.

Bildergalerie

  • Comos Account Manager Oliver Goldbach (links) im Gespräch mit den Projektleitern der Firma Martin Winfried März (Mitte) und Andreas Holzinger (rechts)

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  • Objektorientierung in Comos: Sämtliche Objektspezifikationen stehen immer aktuell an jedem Ort zur Verfügung.

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