HARTING Technologiegruppe

Auch in der Automationsbranche und für deren Infrastrukturlieferanten spielen Partnerschaften, Kooperationen und ganze Netzwerke eine immer größere Rolle, weiß Ralf Klein, Geschäftsführer von Harting Electronics, zu berichten.

Bild: Harting

„Gemeinsam stärker“ So wichtig sind Partnerschaften heute in der Elektronikwelt

07.12.2021

Bündnisse großer Konzerne sind nichts neues. Die Häufigkeit mit der sich in allen Wirtschaftsbranchen Firmen zusammentun, hat in den letzten Jahren jedoch zugenommen. Auch in der Automationsbranche und für deren Infrastrukturlieferanten spielen Partnerschaften, Kooperationen und ganze Netzwerke eine immer größere Rolle. Ralf Klein, Geschäftsführer vonn Harting Electronics, gibt einen detaillierten Einblick in die Partnerschaften des Steckverbinderspezialisten.

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Herr Klein, Kooperationen und längere Partnerschaften zwischen Unternehmen in der Automation-Branche sind nichts neues. Allerdings lässt sich erkennen, dass in den letzten zehn Jahren immer mehr gemeinsame Projekte angestrebt wurden. Welchen Nutzen hat ein gemeinsames Vorgehen für die Unternehmen und letztendlich für 
die Kunden?

Der Stellenwert von Kooperationen ist in den letzten Jahren im industriellen Bereich stetig gewachsen. Weltweite Märkte wachsen durch die Globalisierung zusammen. Dadurch steigt auch stetig der Bedarf an neuen internationalen Standards, die ehemals lokale Normen ablösen. Kein Anbieter, und sei er noch so groß, kann heute noch eine proprietäre Lösung in der Automatisierung etablieren. Der Wunsch der Branche nach Second Sources, Interoperabilität und Austauschbarkeit ist einfach zu groß, als dass sich einzelne Hersteller hier gegen einen ganzen Markt durchsetzen könnten. Kooperationen und internationale Normen sind also wichtiger denn je. Diese Zusammenarbeit reicht von der gemeinsamen Entwicklung eines einzelnen Projektes, über die gemeinsame Normenarbeit, bis hin zu den Beispielen wie der Nutzerorganisation für Profinet oder dem SPE Industrial Partner Network. Beide vollständig mit Automatisierungs-Technologieführern gespickte Firmennetzwerke, die gemeinsam mehr erreichen wollen. Starke Lösungen brauchen starke Partner.

Wie bringen solche Partnerschaften Unternehmen näher zusammen und schaffen so einen Mehrwert für den Kunden?

In der Regel geht es um die Ergänzung von Kompetenzen. Wenn sich zwei Spezialisten ihres Fachgebietes sinnvoll ergänzen, kann das nur zum Vorteil des Kunden sein. Ein gemeinsames Ziel ist ebenso entscheidend, wie die klare Kommunikation an die beteiligten Teams, dass in einem bestimmten Projekt die Zusammenarbeit gewünscht wird, wo sonst vielleicht ein Mitbewerberverhältnis besteht. So können sich Fachkompetenzen ergänzen und gegenseitig befruchten. Durch diese abgekürzten Kommunikationswege und das Zusammenbringen von führenden Fachleuten beider Unternehmen, die sich sonst nie treffen würden, entstehen wertvolle Synergien. Das kann bei einer langjährigen Partnerschaft soweit gehen, ein „Wir sind ein Team Gefühl“ aufkommen zu lassen. Gemeinsam für das Projekt, gemeinsam für den Kunden.

Auf welchen Ebenen bringen Partnerschaften die Kompetenzen von Unternehmen zusammen?

Wenn sich große Technologieführer zusammentun, dann geschieht das zuallererst einmal auf Augenhöhe. Es ist also wichtig, dass es eine Partnerschaft ist, in der beide oder mehrere Unternehmen gleichberechtigt sind. Ziele und Ebenen können ganz verschieden sein. Zum einen ist das eine Imagefrage. Wenn Kunden sehen, dass sich zwei Technologieführer zusammentun, wirkt sich das positiv auf das Image beider Unternehmen aus. Zusammenhalt und Kompetenzbündelung ist immer etwas positives, solange es denn auf Augenhöhe geschieht. Ein anderer klassischer Arbeitsbereich ist hier das Marketing. Jeder Partner profitiert, indem weitere Kundengruppen erschlossen werden und man die Kundenbindung intensiviert. Entwicklungsseitig ist es, im Rahmen der Möglichkeiten, immer ein Kompetenzgewinn, ein Know-How-Austausch und effizientere Budgetnutzung. Am Ende steht immer die Bestrebung der Gewinnsteigerung, durch die Erschließung neuer Märkte und Kunden.

Welche bekannten Partnerschaften ist das Unternehmen Harting in den 
letzten Jahren eingegangen?

Die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen in den letzten Jahren war sehr vielfältig. Das reicht von projektbezogenen einzelnen Kooperationen, über längere Partnerschaften mit strategischer Ausrichtung bis hin zur Gründung eigenständiger Netzwerke. Um hier mal in Beispielen zu sprechen, ist die Zusammenarbeit mit der Firma Würth Elektronik eiSos zu nennen, die mit ihren Komponenten auch zur Ermöglichung der Single Pair Ethernet Technologie beiträgt. Diese Partnerschaft findet seit Ende 2019 noch auf ganz anderer Ebene im SPE Industrial Partner Network statt. Hier sind Harting und Würth Elektronik eiSos beide Gründungsmitglieder und treiben SPE-Technologie nun mit aktuell 47 anderen namhaften Unternehmen voran. Ein anderes Beispiel ist die Kooperation mit anderen Connectivity Spezialisten zum Thema M12 PushPull. Hier konnte man in der Normung einen lange überfälligen Schritt vollziehen und einen gemeinsamen Vorschlag in der IEC verabschieden. Das war ein sinnvoller Konsens und Ergebnis guter Marktbeobachtung.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an den Vordenkern anderer Unternehmen, mit denen Sie besonders gerne oder häufig zusammenarbeiten?

Insgesamt lässt sich wohl sagen, dass der andere Blickwinkel auf die gleichen Herausforderungen immer wieder hilft, selbst über den Rand des eigenen Unternehmens hinauszuschauen. Diese mitunter harte, aber ehrliche Einschätzung von außen hilft, den eigenen Kompass immer wieder neu zu justieren und nicht betriebsblind zu werden. In der Zusammenarbeit mit der Firma Würth Elektronik eiSos trifft das beispielhaft auf CTO Alexander Gerfer zu. Im regelmäßigen Austausch zum Thema SPE wahrt er auch in schwierigen Fragen immer einen klaren und analytischen Blickwinkel. Als Hersteller von SPE Infrastruktur verfolgen beide Unternehmen sehr ähnliche Ziele. Da ist der Austausch auf dieser Ebene wertvoll. Oliver Kleineberg, Global CTO der Hirschmann Automation and Control, punktet immer mit einer bemerkenswerten Begeisterungsfähigkeit. Vor allem wenn es um neue Themen wie SPE geht. Während andere hier noch zögern, ist Hirschmann mit seinem CTO einer der ersten Automatisierer gewesen, der sich zur internationalen Norm IEC63171-6 für Single Pair Ethernet und zum SPE Industrial Partner Network bekannt hat.

Welche Ziele verfolgen aktuelle Partnerschaften?

Vorrangig möchten wir alle Entscheider abholen, die aktuell vor der Herausforderung stehen, ihr Gerät, ihr Netzwerk oder ihre ganze Fertigung erfolgreich ins Internet der Dinge zu bringen. Eine Herausforderung vor der in Zukunft immer mehr Entscheider und auch Entwickler in der Automatisierung stehen werden. Ethernet setzt sich immer mehr als Kommunikationsstandard durch und ermöglicht über bessere Datenerhebung, Datenweiterleitung- und Verarbeitung neue Geschäftsmodelle.Bestehende Strukturen werden optimiert und ganz neue Anwendungen geschaffen. Wir bei Harting sehen uns als Wegbereiter für das IIoT. Ohne den Physical Layer für Ethernet gibt es keine Entwicklungsbasis für diesen Schritt. Um diese Herausforderungen für unsere Kunden zu meistern, schmieden wir starke Bündnisse mit starken Partnern.

In Kürze findet die SPS 2021 statt. So wie es aktuell scheint, kann die Messe ja wieder mit persönlichen Treffen stattfinden. Wie sehr freuen Sie sich auf den persönlichen Austausch mit bekannten und neuen Gesichtern?

Ich freue mich riesig. Endlich wieder Messe, endlich wieder reisen. Ich glaube so geht es ganz Vielen, denn für die SPS ist der Kalender voll. Auch wenn uns die Pandemie gezeigt hat, wie wir Arbeitsabläufe sinnvoll digitalisieren und weiterentwickeln können, so fehlt auf lange Sicht der persönliche Kontakt. Von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, Menschen kennenzulernen, alte Bekanntschaften zu pflegen und nach einem langen Messetag gemeinsam bei einem Bier in den Feierabend zu gehen, ist eben nicht zu ersetzen.

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