Digitale Workflows bei der Wartung und Instandhaltung, etwa durch Remote Support, sind insbesondere für den Öl- und Gassektor sehr erfolgsversprechend.

Bild: Pepperl+Fuchs

Ausgestattet für explosionsgefährdete Bereiche Smart Glasses auf der gläsernen Bohrinsel

08.09.2022

Für smarte Wearables ist der Einsatz auf einer Offshore-Ölplattform ein echter Härtetest. Diesem Härtetest hat ein Technologieführer für mobilen Explosionsschutz sein System aus Smart Glasses und Smartphone, das für den Einsatz im Ex-Bereich zertifiziert ist, unterzogen. Bei einem Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie punktete das System unter anderem durch den Bedienkomfort und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

Parallel zum Kostendruck steigt auch der Digitalisierungsdruck in der Öl- und Gasindustrie. Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind stärker denn je gefordert, ihre Prozesse zu beschleunigen und zu verschlanken. Um Ausfälle zu verhindern, fallen auf einer Bohrinsel im Schnitt bis zu 10.000 Wartungsprozesse im Monat an.

Gleichzeitig sollen sich aus Sicherheits-, Zeit- und Kostengründen so wenige Menschen wie möglich auf der Bohrinsel aufhalten. Experten eigens zur Wartung oder Instandhaltung auf die entlegenen Ölplattformen anreisen zu lassen, dauert oft zu lange und ist nicht wirtschaftlich. Deshalb sind digitale Workflows bei der Wartung und Instandhaltung, etwa durch Remote Support, insbesondere für den Öl- und Gassektor sehr erfolgsversprechend.

Insbesondere Offshore-Bohrinseln sind ein hartes Pflaster für die Digitalisierung: beengte Platzverhältnisse, raue Umgebungsbedingungen sowie lagebedingt ein nicht immer verlässlicher WLAN-Empfang. Zudem gelten strikte Sicherheitsanforderungen, insbesondere beim Ex-Schutz. Teilweise können die Ex-Zonen auf einer Bohrinsel je nach konkretem Arbeitsschritt variieren. Für den Einsatz auf einer Bohrinsel kommen deshalb nur eigensichere Mobile Devices mit den entsprechenden ATEX-/IECEc-Zertifizierungen in Frage.

Lange Zeit griffen Mobile Worker auf Zettel und Stift zurück und mussten lange Wege auf den mehrstöckigen Ölplattformen zurücklegen, um etwa Inspektionsergebnisse zunächst manuell zu notieren und dann die Daten auf ein Terminal im Nicht-Ex-Bereich zu übertragen. Gerade im Bereich Wissensmanagement und Remote Support wartet in der Ölindustrie ein großes Effizienzpotenzial darauf, erschlossen zu werden.

Hände frei bei der Digitalisierung

Vor diesem Hintergrund begab sich ein Unternehmen aus dem Öl- und Gas-Sektor auf die Suche nach passenden, Ex-geschützten Smart Devices für Einsatzszenarien wie den Remote Support und das Data Harvesting. Um in die engere Auswahl zu kommen, mussten potenzielle Devices neben der verpflichtenden Zertifizierung nach Atex oder IECEx weitere Anforderungen erfüllen.

Nicht nur die Performance, sondern auch die Ergonomie musste stimmen. Wearables waren deshalb inte­ressant, weil Mobile Worker damit beide Hände zum Arbeiten frei haben und sich sicher auf dem beengten Terrain bewegen können. Dabei unterzog das Unternehmen auch die eigensicheren Smart Glasses Visor-Ex 01 der Pepperl+Fuchs Marke Ecom Instruments einem ausgiebigen Praxistest auf einer Bohrinsel.

Das explosionsgeschützte Wearable vereint eine hohe Kameraqualität und zuverlässige Kommunikationsfeatures in einem ergonomischen Design mit leichtem Gewicht (180 g). In Kombination mit dem eigensicheren Smartphone Smart-Ex 02 als leistungsstarke Recheneinheit sowie einem Pocket Device mit Akku für die Stromversorgung entsteht ein vielseitiges und intelligentes Ökosystem. Insgesamt drei integrierte und passend positionierte Kameras verwandeln die smarte Brille Visor-Ex 01 in ein bionisches Auge, mit dessen Hilfe der Remote Support das Geschehen aus einer natürlichen Perspektive und einem uneingeschränkten Blickfeld betrachtet.

Digital verfügbar

Mit Visor-Ex 01 und Smart-Ex 02 ausgestattet, können Techniker Unterstützung oder Anweisungen von externen Experten genau dann bekommen, wenn sie diese benötigen. Die Informationen werden direkt auf das OLED-Display der Smart Glasses im Sichtfeld des Mobile Workers eingespielt oder sind über die integrierten Lautsprecher oder kombinierte Headsets zu hören.

Für zusätzliche Informationen können Mobile Worker digitale Zeichnungen, Wartungsanleitungen oder Checklisten auf dem Smartphone aufrufen und ins OLED-Display einblenden lassen. Protokolle oder andere Dokumente lassen sich problemlos über das Smartphone anfertigen und digital teilen. Dabei erleichtert die stabile LTE-Konnektivität der ECOM-Devices die Echtzeitkommunikation mit externen Experten.

Smart Glasses – die besten Freunde des Mobile Worker

Gerade im Bereich Data Harvesting konnte Visor-Ex 01 im Praxistest seine Stärken ausspielen. Mithilfe der Kombination aus Kameras und Bildverarbeitung lassen sich QR-Codes von Geräten und Maschinen auslesen, um Zugang zu Sensordaten wie etwa Pumpendruck zu erhalten. Dies eröffnet eine Bandbreite möglicher IoT-Anwendungsszenarien. Auch die Dokumentation von Störfällen verbessern die Smart Glasses nicht nur in punkto Geschwindigkeit und Komfort, sondern auch hinsichtlich der Qualität.

Mobile Worker können die Informationen zu einer Störung mit Foto- oder Videoaufnahmen anreichern und sie auch mit dem Remote Support, mit der Zentrale oder Kollegen auf anderen Bohrinseln teilen. Als großes Plus bewährte sich die Bewegungs- und Sichtfreiheit aus der Nutzung des intelligenten Wearables. Die Mobile Worker haben die Hände frei, um sich etwa sicher auf den Treppen der mehrstöckigen Bohrinsel zu bewegen, und können sich vollumfänglich auf ihre Aufgabe konzentrieren.

Großes Potenzial im Wissensmanagement

Diese Features erleichtern nicht nur Installations-, Wartungs- oder Reparaturaufgaben, sondern auch die Einarbeitung neuer Fachkräfte. Diese können sich von erfahrenen Kollegen Hilfe holen, ohne dass diese sich im selben Bereich aufhalten oder gar eigens zu Schulungszwecken anreisen müssen.

Außerdem können die Smart Glasses gerade in komplexen Anlagen die Orientierung erleichtern. Bei einem Rundgang durch die wichtigsten Bereiche können zugehörige Informationen oder effiziente Routen auf dem OLED-Display eingeblendet werden – oder ein hinzugeschalteter Experte übernimmt die Navigation und beschreibt, worauf in bestimmten Bereichen zu achten ist.

Checklisten aus Papier lassen sich beispielsweise durch QR-Codes in der Anlage oder direkt am jeweiligen Bauteil ersetzen, was Zeit und Ressourcen schont sowie Fehlerquellen auf ein Minimum reduziert. Denn der Mobile Worker kann sich unmittelbar über den Visor-Ex 01 über die erforderlichen Arbeitsschritte informieren. Konkrete Aufgaben wie Bauteilabfragen sowie sicherheitsrelevante Prozessparameter werden unmittelbar in den Wartungs- oder Produktionsprozess eingebunden. So lassen sich auch zeitkritische Prozesse in der Öl- und Gasindustrie sicher und zukunftsfähig digitalisieren.

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