Achema

Siemens präsentierte auf der Achema 2018 erstmals die neue Version V10 der Simulationssoftware Simit aus dem Digital Enterprise-Portfolio für die Prozessindustrie. Damit können zusätzliche Funktionen wie Bibliotheken, der Component Type Editor und Virtual Controller flexibel ergänzt werden.

Bild: Siemens

Datenmodelle, Simulation und digitale Zwillinge Siemens digitalisiert händeschüttelnd die Prozessindustrie

15.06.2018

Wie Unternehmen der Prozessindustrie die Vorteile von Industrie 4.0 heute schon nutzen können, zeigte Siemens gemeinsam mit einer Reihe von Partnern auf der Achema vor.

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Wenn die Achema 2018 eines gezeigt hat, dann ist es die Tatsache, dass die digitale Transformation der Prozessindustrie in vollem Gange ist. Auch Siemens zeigte an seinem Messestand, wie Unternehmen der Prozessindustrie schon heute die Vorteile der Industrie 4.0 nutzen können. Das Portfolio des Unternehmens umfasst integrierte Hard- und Software und Services für Unternehmen jeder Größe und Branche aus der Prozessindustrie.

Das Unternehmen bietet ein durchgängiges Datenmodell entlang des gesamten Anlagen-Lebenszyklus, vom Integrated Engineering zu Integrated Operations und bis zu datenbasierten Services. Dieser digitale Zwilling ermöglicht es Anwendern, während des laufenden Betriebs eine höhere Flexibilität, kürzere Time-to-Market, gesteigerte Effizienz und verbesserte Qualität zu erreichen.

Die Vorteile der Digitalisierung in Brown- und Greenfield-Anlagen zeigte Siemens auf der Messe an spezifischen Kundenbeispielen. So hat der australische Farbenproduzent Dulux mit dem Siemens-Lösungsportfolio seine erste Digital Paint Plant realisiert. Wichtig war es Dulux, konstant höchste Qualität zu produzieren und flexibel genug zu sein, um individuelle Kundenwünsche zu erfüllen. Die digitale Lösung ermöglichte die Fertigung in Losgröße 1 und bedeutet für Dulux 100 Liter Farbe anstelle von früher 5.000 Liter pro Batch.

Bei Pfizer in Freiburg wurde die Produktion von Tabletten und Kapseln für die Behandlung von Krebs-, Schmerz- und Herzpatienten mit Siemens-Lösungen weiter automatisiert und digitalisiert. Ziel war, schnell auf veränderte Marktanforderungen reagieren zu können – und das bei konstant hoher Qualität. Bei veränderten Volumina wurden in der Vergangenheit bis zu vier Monate für Anpassungen benötigt. Heute kann sich Pfizer in wenigen Minuten auf einen neuen Markt einstellen.

Basierend auf seinem weltweit führenden Automatisierungs- und Antriebs-Portfolio bietet Siemens mit seinem Digital Enterprise neue technologische Konzepte auf Basis von Industrie-Standards an, beispielsweise für den modularen Anlagenbau, der Zulieferern wie Anlagenbetreibern hohe Flexibilität bietet. Konkrete Applikationen und Referenzen zeigen, wie Anwender das volle Potential der Digitalisierung ausschöpfen können.

Auf der Messe zeigte Siemens Ansätze für neue Dimensionen der Konnektivität für die skalierbare und offene vertikale und horizontale Integration – so zum Beispiel basierend auf dem Namur Open Architecture (NOA) Standard oder mit Sidrive IQ. Die NOA-Komponenten ermöglichen einen sogenannten Second Data Channel, der eine direkte Verbindung von der Feldebene bis in die Cloud-Lösung ermöglicht. Mit Sidrive IQ bietet Siemens eine neue digitale Plattform für die Erfassung und das Analysieren von Antriebsdaten auf Basis des cloud-basierten, offenen und branchen-übergreifenden IoT-Betriebssystems Mindsphere.

Software-Update für mehr Flexibilität in der Simulation

Eine Premiere auf der Messe war die Vorstellung der neuen Version V10 der Simulationssoftware Simit aus dem Digital Enterprise-Portfolio für die Prozessindustrie. Damit können zusätzliche Funktionen wie Bibliotheken, der Component Type Editor und Virtual Controller flexibel ergänzt werden. In Kombination mit der neuen Lizenzstruktur ergibt sich daraus eine verbesserte Skalierbarkeit der Software zugeschnitten auf die jeweilige Projektgröße.

Der Einsatz von Simulation kann damit von Beginn an wirtschaftlich betrieben werden, da der Preis sich ab der Version 10 an der Größe des zu simulierenden Projektes in Simit orientiert. Ebenfalls neu ist das Dongle-Konzept, durch das die Anzahl der Dongles künftig je nach Anwendungsfall deutlich reduziert werden kann. Neben dieser grundlegenden Lizenzinnovation profitieren die Anwender mit Simit V10 auch von einigen funktionalen Erweiterungen. Dazu gehören die Unterstützung des S7 Redundanz Protokolls beim Virtual Controller für die Simatic S7-400 und die neuen Komponenten innerhalb der Chembasic Bibliothek für die Simulation verfahrenstechnischer Prozesse.

Ankündigungen und Partnerschaften

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Digital Enterprise markierte die Gründung der Process Industries Academy auf der Achema, die Siemens mit seinen Divisionen Process Industries and Drives und Digital Factory und Bentley Systems mit dem Bentley Institute bekanntgab.

In der Akademie sollen Best-Practice-Ansätze für das Engineering und den Betrieb von Anlagen vermittelt werden. Die Akademien befinden sich an den strategischen Standorten Karlsruhe, Deutschland (Siemens Process Automation World), Houston, Texas/USA (Digital Advancement Academy von Bentley) und Shanghai, China (Siemens Process Industry Centre for Excellence), um die Prozessindustrie weltweit zu unterstützen. Die erste Veranstaltung findet in der zweiten Jahreshälfte 2018 in der Siemens Process Automation World in Karlsruhe statt.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen in den Prozessindustrien zum Beispiel auf den Öl-, Gas- und globalen Energiemärkten und den sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Anlagenproduktion, werden immer wieder etablierte Arbeitsweisen über den gesamten Anlagenlebenszyklus hinweg in Frage gestellt. Weniger Investitionen in Green-Field-Projekte und ein erhöhter Fokus auf die Optimierung von Produktivität, Leistung und Nutzung bestehender Anlagen veranlassen Anlagenbetreiber, nach neuen Wegen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Betriebserträge zu suchen.

Ein ganzheitlicher Ansatz zur kontinuierlichen Verbesserung von zugrundeliegenden Geschäftsprozessen muss sich mit der Interaktion der zur Verfügung stehenden Unternehmensressourcen sowie aller am Projekt beteiligten Mitarbeitern in Verbindung mit den neuesten Technologien beschäftigen. Ein Einblick darüber, wie Bentley und Siemens gemeinsam mit neuen cloud-basierten Technologien das Anlagenengineering und den Betrieb optimieren, ist kürzlich in einem Whitepaper von ARC Advisory Group dargelegt worden.

Basierend auf der Erfahrung und dem Wissen der führenden Branchenexperten wird die Process Industries Academy Seminare und Symposien anbieten, die anhand von praktischen Beispielen die wesentlichen Aspekte durch die Digitalisierung für eine effizientere Planung und Erstellung sowie einen erfolgreichen Betrieb von Anlagen aufzeigen. Die Teilnehmer erfahren, wie die Entwicklung einer klaren digitalen Strategie die Zusammenarbeit, Kommunikation und Koordination zwischen den einzelnen Projektteams verbessert und eine ideale Umgebung für die Optimierung der Informationserstellung und digitalen Arbeitsabläufe schafft.

Weitere Kooperationen und Partnerschaften, die auf der Achema verkündet wurden, zeigt die Bildergalerie.

Bildergalerie

  • Siemens und der Industriedienstleister Bilfinger vertiefen ihre Kooperation (v.l.n.r.): Jürgen Brandes, CEO der Siemens Division Process Industries and Drives, Eckard Eberle, CEO der Siemens Business Unit Process Automation und Tom Blades, Vorstandsvorsitzender von Bilfinger. Im Rahmen der Kooperation wird Bilfinger die Digitalisierung seiner weltweiten Unternehmensstandorte und -Gesellschaften mit der Engineering & Maintenance Plattform Comos vorantreiben. Die Software aus dem Digital Enterprise-Portfolio von Siemens ermöglicht zum einen die enge Zusammenarbeit von verschiedenen Bilfinger-Standorten und -Kunden auf einer gemeinsamen Datenbasis und bietet zudem genügend Flexibilität für individuelle Projektanforderungen. Siemens erhält durch den Einsatz von Comos bei Bilfinger wertvolles Feedback zur Verwendung der Engineering & Maintenance Plattform – gerade auch aus dem Mittelstand – und kann so die Entwicklung von Comos anhand dieses Feedbacks gezielt vorantreiben.

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  • Siemens und Evonik vereinbaren eine Technologiepartnerschaft zum Datenmanagement in Comos (v.l.n.r.): Dr. Wilhelm Otten, Head of Process Technology and Engineering, Evonik Technology & Infrastructure, und Eckard Eberle, CEO der Business Unit Process Automation, Siemens. Ziel der Partnerschaft ist die Entwicklung und Integration eines Asset-Lifecycle-Datenmodells in die Siemens-Softwarelösung Comos. Das Asset-Lifecycle-Datenmodell wurde von Evonik auf Basis des internationalen Standards DEXPI, ISO 15926 und weiterer international gültiger Normen definiert. Es deckt dabei die für Chemieindustrieanlagen relevanten Elemente und Strukturen in einem durchgängigen Datenmodell über den gesamten Lebenszyklus ab – von der Produktentwicklung über Anlagenplanung und -betrieb bis schließlich zur Stilllegung. Siemens und Evonik entwickeln die Anwendung zur softwareseitigen Unterstützung des gesamten Engineering- und Operation-Prozesses. Die Ergebnisse dieser Kooperation werden dabei Bestandteil des Comos Software-Portfolios.

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  • Siemens und PSE kooperieren bei modellbasierten Lösungen (v.l.n.r.): Costas Pantelides, Managing Direktor von PSE, Eckard Eberle, CEO der Business Unit Process Automation, Siemens. Die Stärken von PSEs Gproms Advanced Process Modelling Technologie stehen damit auch im Rahmen des Siemens-Portfolios für Automatisierung und Digitalisierung in der Prozessindustrie zur Verfügung. Im Rahmen der Kooperation werden neue modellbasierte Lösungen angeboten: Überwachung und Monitoring von Anlagenkomponenten, Soft-Sensoren, Vorausberechnung der Anlagenperformance, Echtzeit-Optimierung und Operator Training auf Basis detaillierter Prozessmodelle. Alle diese Lösungen basieren auf der Kombination von Prozessmodellen, die tiefes Prozesswissen beinhalten, mit Echtzeit- und historischen Prozessdaten. Der Kundennutzen solcher Anwendungen besteht unter anderem in optimierten Produktionsabläufen aufgrund von Echtzeitinformationen, welche eine bessere Entscheidungsgrundlage schaffen. Dies vereinfacht die Instandhaltung, beispielsweise durch die Möglichkeit der Vorausberechnung von Restlaufzeiten, die durch Verschmutzungen oder Verrußungen entstehen können. Darüber hinaus lässt sich durch Echtzeitoptimierung die Wirtschaftlichkeit steigern und der Zustand von Anlagenkomponenten infolge von Monitoring verbessern.
    Diese Technologien bringen neue Produktivitätspotentiale in die Branchen Chemie & Petrochemie, Öl & Gas, Raffinerien, Pharmazie, Nahrungs- & Genussmittel sowie Wasser.

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  • Siemens und die Covestro Deutschland vertiefen strategische Partnerschaft im Rahmen der Digitalisierung (v.l.): Dr. Klaus Schäfer, Chief Technology Officer, Mitglied des Vorstands, Covestro Deutschland, und Eckard Eberle, CEO der Business Unit Process Automation, Siemens. Die Partner haben einen gemeinsamen Joint-Business-Development-Plan abgeschlossen, um die langjährige vertrauensvolle Partnerschaft zwischen beiden Firmen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung, strategisch weiter voranzubringen. Die Basis dafür bildet die innovative und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Unternehmenskultur beider Unternehmen. Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt darin, die Verfügbarkeit sämtlicher Assets in einer Anlage zu erhöhen und dem Anlagenpersonal eine schnelle und aussagekräftige Entscheidungsgrundlage für ihre Arbeit zu geben. Das Ziel ist es, die Anlagen durch bewährte Produkte und innovative Services zuverlässiger zu machen und Entwicklungen zum Zustand der Assets einer Anlage zuverlässiger vorhersagen zu können. Durch den Einsatz von Mindsphere von Siemens werden neue Analysemethoden möglich.

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