Digitale Zwillinge sollen Rechenzentren schneller ans Netz bringen

Rechenzentren im Stau: Warum der Bau aus dem Takt gerät

Der Bau neuer Rechenzentren erfodert Planung und Transparenz auf allen Ebenen. Ein digitaler Zwilling hilft, Risiken zu minimieren und den Überblick zu behalten.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit ChatGPT
27.10.2026

Der Bau von Rechenzentren boomt, doch Netzanschlüsse, Lieferengpässe und Vertragsstrafen erhöhen die Risiken. Octave zeigt, wie digitale Zwillinge Bauabläufe simulieren, Kollisionen vermeiden und Projektdaten bis zur Übergabe zusammenführen.

Aktuell werden so viele Rechenzentren gebaut wie noch nie in der bisherigen IT-Geschichte. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass gut ein Viertel der Vorhaben für 2025 nicht rechtzeitig fertiggestellt wurden. Für 2026 sieht es noch schlechter aus, hier könnten es 30 bis 50 Prozent betreffen. Und das hat Folgen: In Europa wurden in 2025 weniger Rechenzentren fertiggestellt als im Jahr zuvor.

Hinzu kommt, dass sich solche Bauvorhaben technisch gesehen in zwei Jahren umsetzen ließen, Bauträger dafür aber im Schnitt vier Jahre benötigen. Das liegt vor allem an den Netzanschlusskapazitäten, die ein Stromnetzbetreiber zur Verfügung stellen muss. An Knotenpunkten wie Frankfurt, Paris oder London können dafür Wartezeiten von bis zu 10 Jahren entstehen.

Besondere Risiken beim Rechenzentrumsbau

Großprojekte haben immer etliche Risiken, bei Rechenzentren spielen die rechtlichen Konstrukte, unter denen sie entstehen, allerdings eine besondere Rolle. Um das rechtliche Risiko für die Auftraggeber zu senken, werden für die Entwicklung und den Bau der Data Center eigene Unternehmen gegründet. Diese statten die Auftraggeber mit dem nötigen Kapital aus; sie besitzen den Grund, vermieten das Gebäude, gehen Verträge mit den Kunden ein und nehmen dafür Kredite auf.

Während der Bauzeit gibt es allerdings keine Einnahmen. Die Ausgaben deckt das Unternehmen aus der Rücklage und Krediten, die schrittweise höhere Belastungen erzeugen. Einnahmen fließen erst, wenn die Anlage in Betrieb geht und vom Kunden vollständig abgenommen ist. Faktoren wie Rohstoffengpässe, lange Lieferzeiten für Transformatoren, die mittlerweile 24 bis 36 Monate betragen, oder sogar Proteste der Bevölkerung und Wetterereignisse können die Projektwirtschaftlichkeit stark beeinträchtigen. Je länger der Bau dauert, um so heftiger drücken die finanziellen Belastungen auf die Rentabilität.

Als wäre das nicht genug, können üblicherweise vereinbarte Vertragsstrafen diese Entwicklungen noch verschlimmern. Da häufig mehrere Rechenzentren gleichzeitig in Entwicklung sind und Engpässe bei benötigten Maschinen oder Materialien sich auf alle Projekte gleichzeitig auswirken können, kann das für Bauträger schnell kritisch werden und sie sogar in die Insolvenz treiben.

Bessere Planung und Inbetriebnahme mit digitalen Zwillingen

Um die Risiken zu minimieren, ist eine umfangreiche und detaillierte Planung essenziell, die nicht nur technische, sondern auch wirtschaftliche Risiken analysiert und passende Szenarien im Vorfeld vollständig durchrechnet. Dafür bietet sich ein digitaler Zwilling an, wie ihn Octave auch für den Betrieb und Erweiterungen von Data Center entwickelt und einsetzt.

Während der Projektierung entsteht so aus CAD-, BIM- und 3D-Modellen ein Sollbild der Gebäude, Räume, Anlagen und deren Abhängigkeiten. Dazu zählen beispielsweise auch Rackflächen, Stromversorgung, Klimatechnik, Leitungen und Wartungszugänge. Planungsalternativen lassen sich mit diesem digitalen Zwilling bereits vorab bewerten und durchspielen.

Bei einem Rechenzentrum treffen viele Gewerke auf engem Raum und unter hohem Termindruck zusammen. Ein einzelner Plan kann dabei korrekt aussehen, während die zusammengeführten Pläne nicht realisierbar sind: Ein Kühlungsstrang beansprucht denselben Raum wie eine elektrische Trasse, eine Einbringöffnung ist für ein Aggregat zu klein oder nach einer Planänderung fehlt der Zugang für spätere Wartung. Hier löst der digitale Zwilling mit BIM-Koordination, geprüfter Baubarkeit und Kollisionsprüfungen Probleme im Vorfeld, die später größere Verzögerungen nach sich ziehen würden.

Jedes Bauteil in der digitalen Repräsentation hat neben der Zielposition, wo es verbaut werden soll, auch weitere Daten wie Orderstatus, Zieltermin für den Einbau und Kosteninformationen hinterlegt. Somit lässt sich ermitteln, ob ein Bauauftrag ausführungsbereit ist und die Reihenfolge der Gewerke sicher funktioniert.

Während des Baus fließen permanent Daten zum Baufortschritt, Aufnahmen der Baustelle, Daten aus Laserscans sowie Inspektions- und Testergebnisse in den digitalen Zwilling ein. Das ist wichtig, weil der gebaute Zustand vom freigegebenen Plan abweichen kann. Solche Veränderungen wirken sich häufig auf später auszuführende Gewerke aus und sind häufig der Grund für ärgerliche Verzögerungen.

Im digitalen Zwilling lassen sich darüber hinaus auch alle Informationen zu Inspektionen, Comissioning-Daten, Inbetriebnahmetests und Nachweisen erfassen. Der Auftraggeber erhält damit am Tag der Übergabe eine vollständige Dokumentation über das Rechenzentrum.

Wie die Beispiele zeigen, ist ein digitaler Zwilling nicht nur für den laufenden Betrieb eines Rechenzentrums ein nützliches Werkzeug, sondern gerade auch in der Bau- und Planungsphase unverzichtbar, um Verzögerung und die damit verbundenen finanziellen Nachteile zu vermeiden. Für Bauträger ist es damit das Tool der Wahl, um Investitionen bestmöglich zu nutzen und Umsätze abzusichern.

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