In der Studie wurden auch die Strategien der IT-Anbieter im Hinblick auf Plattformfähigkeit und der Unterstützung neuer Geschäftsfelder näher analysiert.

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Studie zu Meter-to-cash Plattform-Gedanke als Lösung

25.06.2020

In Zeiten mit erhöhten Kundenanforderungen hinsichtlich der Flexibilisierung von Geschäftsmodellen und Trends wie Cloud Computing und Multi-Channel-Zugang setzen die IT-Anbieter vermehrt auf Plattformlösungen sowie auf Unterstützung beim Ausbau neuer Geschäftsfelder. Das ergab eine Analyse des Branchenverbands BEMD.

Für die Energiewirtschaft und ihre Dienstleister sind die Anforderungen an ihre IT-Lösungen Meter to Cash in den vergangenen Jahren weiter kontinuierlich gestiegen – Tendenz anhaltend. Anbieter von Software-Lösungen sind gefordert, mit Herausforderungen wie einem zunehmenden Wettbewerb sowie der Entstehung neuer, plattformbasierter Systeme Schritt zu halten, um sich selbst am Markt zu behaupten. In welcher Form ihnen dies gelingt, hat der Bundesverband der Energiemarktdienstleister (BEMD) in seiner Neuauflage der Transparenzinitiative für den Meter-to-Cash-Prozess untersucht; mit nunmehr 21 Anbietern und insgesamt 22 IT-Lösungen deckt sie den deutschen Markt nahezu vollständig ab. Neben der Kernfrage, welche IT-Lösungen es für den kompletten Abrechnungsprozess im deutschen Markt derzeit gibt, wurden auch die Strategien der IT-Anbieter im Hinblick auf Plattformfähigkeit und der Unterstützung neuer Geschäftsfelder näher analysiert.

Weg von monolithischen Lösungen

Die Komplexität von Anforderungen der EVU nimmt stetig zu. Dieser Komplexität kann aber in der Regel eine einzelne Lösung nicht mehr gerecht werden. In der Analyse der Transparenz­initiative lässt sich bei den 21 IT-Anbietern dementsprechend eine Entwicklung weg von monolithischen Lösungen hin zu Plattformen beobachten. Diese Entwicklung wird durch Trends wie Cloud-Lösungen und Service-orientierte Architekturen verstärkt. Im Rahmen der Transparenzinitiative wurde daher – neben vielen anderen Kriterien – auch das Thema Plattformfähigkeit der Lösungen analysiert und in einer Größe „Plattformstärke“ zusammengefasst.

Für den Einsatz als Komponente in einer Plattform sind verschiedene Eigenschaften einer Software-Lösung entscheidend, die sich in sieben Kategorien unterteilen. Im Rahmen der Basiseigenschaften werden grundlegende Merkmale wie Modularität, die Verfügbarkeit eines WebClients oder Mehrmandantenfähigkeit beleuchtet. Für die reibungslose Integration verschiedener Stammdatenmodelle ist die Transparenz des Datenmodells entscheidend. Eine gekapselte Bereitstellung von Daten über eine API ist hier einer Offenlegung der SQL-Datenbankstruktur vorzuziehen. Lösungen, die eine größere Vielfalt an Datenbanken unterstützen, bieten Vorteile hinsichtlich Flexibilität.

Analog hierzu erleichtert eine Vielzahl an offenen Schnittstellen die Anbindung von weiteren Komponenten und reduziert die Anzahl notwendiger Adapter-Lösungen. Lösungen, die echtzeitfähige Kommunikation via Web-Services unterstützen, bieten Vorteile gegenüber einer Stapelverarbeitung, etwa via CSV-Schnittstelle. Darüber hinaus werden die eingesetzten Programmiersprachen und Frameworks für die Applikation als auch die Middleware sowie die Entwicklungsplattform betrachtet. Hierbei sind Softwarelösungen auf Basis höherer Programmiersprachen als geeigneter für die Integration in Plattformen eingestuft.

Umdenken im IT-Lösungsdesign

Der Markt der Lösungen im Meter to Cash-Prozess hat sich in den letzten Jahren stetig entwickelt. Die steigenden Bedürfnisse der Kunden nach einer erhöhten Flexibilisierung der Geschäftsmodelle und Trends wie Cloud Computing und Multi-Channel-Kundenzugang erfordern ein Umdenken im IT-Lösungsdesign. Diese Marktbewegung wird aus Sicht des BEMD durch diverse Initiativen und Ansätze für Plattformlösungen als Integrationsplattformen für unterschiedlichste Speziallösungen und Cloud-Ansätze bedient.

Eine hohe Integrationsfähigkeit der Lösungsanbieter in derartige Plattformkonzepte ist demnach ein wichtiger Indikator für die Zukunftsfähigkeit der Lösungen. Dabei können jedoch nicht nur die alleinigen technischen Möglichkeiten einbezogen werden, sondern auch die Referenzbasis und die Leistungsfähigkeit der Anbieter. Diese lässt sich auf Basis der vorliegenden Erhebung an der Anzahl der Mitarbeiter für das jeweilige Produkt indizieren.

Zurückhaltend bei innovativen Themen

Neben der Abbildung der „klassischen“ Prozesse im Meter to Cash wie Abrechnung oder Kundenservice wurde im Rahmen der Neuauflage der Transparenzinitiative an verschiedenen Stellen beleuchtet, inwieweit die Anbieter den Kunden im Auf- und Ausbau neuer Geschäftsfelder zu unterstützen. Relevant ist hierbei, ob der Anbieter die Kundenprozesse gut unterstützt, NON-Commodities abbilden kann, welche Lösungen für heute bereits etablierte Themen im Bereich Energiedienstleistungen existieren und ob neue innovative Ansätze wie Blockchain abbildbar sind.

Konkret ergeben sich neben der Gegenüberstellung der Anbieter einige Ableitungen, die den Markt Meter to Cash heute kennzeichnen. So haben 82 Prozent der Anbieter fertige Lösungen zum Thema Mieterstrom, 91 Prozent sind fähig Non-Commodity-Produkte abzubilden und nur 27 Prozent haben Erfahrungen mit Voicebots und 41 Prozent mit Chatbots. Neue, innovative Themen sind insgesamt noch zurückhaltend abgebildet: so bieten zwar schon 64 Prozent der Anbieter Lösungen für die Ladesäulen-Abrechnung aber erst 23 Prozent haben Erfahrungen mit Smart Contracts (Blockchain).

Bildergalerie

  • Plattformstärke der 22 analysierten IT-Lösungen. Dafür sind verschiedene Eigenschaften einer Software-Lösung entscheidend, die sich in sieben Kategorien unterteilen.

    Bild: BEMD

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