Feierliche Vertragsunterzeichnung von links: Prof. Dr. Jörg Steinbach (Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg), Dr. Anja Sternberg (Wayss & Freytag Ingenieurbau), Thomas Herr (Projektleiter), Uwe Wenzel (Logsok), Stefan Korb (Stadt Cottbus), Thomas Paetzold (Wayss & Freytag Ingenieurbau), Martin Ritterbach (Arcadis Germany), Konrad Schnyder (Rhomberg Sersa Rail Holding), Prof. Dr. Matthias Sundermeier (TU Berlin)

Bild: TU Berlin

Umwelt- und klimaschonende Verkehrsinfrastruktur Neues Bauen: schnell, effizient, kostensparend und umweltschonend

27.06.2022

Zur Verkehrswende gehört vor allem das flächendeckende Ausbauen des Schienennetz in Deutschland. Doch um dies effizient und möglichst kostensparend umzusetzen, benötigt es eine andere Herangehensweise wie bisher. An der TU Berlin wurde daher ein neues Schienenbauprojekt ins Leben gerufen.

Verkehrswende – zu diesem langfristigen Ziel der Bundesregierung gehört auch die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene und auf das Wasser. Insbesondere im Schienennetz wird dafür künftig eine erhebliche Zunahme der Bautätigkeit erforderlich. Derzeit sind rund 100 ICE 4 in Deutschland unterwegs. Bis zum Jahr 2024 will die Deutsche Bahn diese Flotte auf 137 Züge erweitern.

Dafür werden weitere Kapazitäten in der schweren Instandhaltung dringend benötigt, was den Bau und Ausbau von Werkshallen erfordert. Doch überlange Projektlaufzeiten und erhebliche Kostensteigerungen insbesondere bei komplexen Großprojekten sind hier symptomatisch. Im Fachgebiet Bauwirtschaft und Baubetrieb der TU Berlin wurde zusammen mit Wirtschaftspartnern das „Partnerschaftsmodell Schiene“ entwickelt, um komplexe Bauvorhaben termin- und kostensicher umzusetzen. Bundesweit erstmalig angewendet wurde dieses Modell im Pilotprojekt der Deutschen Bahn „Neues Werk Cottbus“, ein mehrjähriges Großprojekt, zu dem am 10. Mai 2022 der erste Spatenstich einen wichtigen Meilenstein markierte.

Von der nationalen Wichtigkeit dieses Vorhabens zeugte die Gästeliste des Events, allen voran Bundeskanzler Olaf Scholz und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. 500 rote Luftballons kennzeichneten den Grundriss auf der Baustelle in Cottbus, wo 2024 bereits eine von zwei großen Werkhallen stehen soll, in denen künftig die 400 m langen ICE 4-Züge instandgehalten werden.

Während die Luftballons die ersten 500 neuen Industrie-Arbeits- und Ausbildungsplätze symbolisierten, handelt es sich bei dem „Neuen Werk Cottbus“ (NWC) um das modernste Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn, eines der ersten und bedeutendsten Vorhaben zur Strukturstärkung in der Kohleregion Lausitz. Es sei ein Leuchtturmprojekt für den Strukturwandel in der Lausitz hin zu einer Modellregion für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum, sagt Ministerpräsident Dietmar Woidke. Die Schaffung guter und zukunftsfähiger Arbeitsplätze durch ein solches Innovationsprojekt hob auch Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Rede hervor. „Der Bau des neuen Bahnwerks in Cottbus zeigt, wie Strukturwandel gelingen kann.“ Die Schiene sichert in Deutschland mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze.

Projektallianz auf Augenhöhe

Gleichzeitig werde mit der Anwendung des „Partnerschaftsmodells Schiene“ auf dieses Bauprojekt, ein Paradigmenwechsel in der Realisierung komplexer Großbauvorhaben eingeleitet, sagt Prof. Dr.-Ing. Matthias Sundermeier, der das TU-Fachgebiet Bauwirtschaft und Baubetrieb leitet. Dort wurde das Modell zusammen mit der Deutschen Bahn und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie entwickelt.

„Bauherrin, Planer und Bauunternehmen arbeiten als Wertschöpfungspartner auf Augenhöhe in einer Projektallianz zusammen und errichten das ‚Neue Werk Cottbus‘ in gemeinschaftlicher Verantwortung“, erklärt er. „Alle Projektentscheidungen werden auf Basis gemeinsamer Zielsetzungen nach dem Grundsatz ‚Best for Project‘ getroffen. Am wirtschaftlichen Erfolg des Projekts partizipieren alle Partner.“

Neue Wege zu einer umwelt- und klimaschonenden Verkehrsinfrastruktur

Das „Partnerschaftsmodell Schiene“ stellt ein Modell mit verschiedenen Varianten für die Gestaltung von Bau- und Planungsverträgen dar und geht dabei auf Aspekte der Auftragsvergabe, des Projektmanagements sowie des allgemeinen Ablaufs von Planungs- und Bauprozessen von Schieneninfrastruktur ein. Durch eine ganzheitliche Betrachtung sämtlicher Prozesse im jeweiligen Projekt werden fortlaufende Optimierungen des gesamten Ablaufs erreicht.

„Das Modell sichert damit nicht allein eine kostenstabile und qualitätsgerechte Fertigstellung von Großbauvorhaben wie das NWC im Rekordtempo, sondern ist auch ein Motor ingenieurtechnischer Innovationen für einen nachhaltigen und digitalisierten Werkebetrieb“, sagt Sundermeier. „Das NWC hat damit Pilotcharakter für ein wirklich ‚neues Bauen‘ und es eröffnet neue Wege für die Schaffung einer umwelt- und klimaschonenden Verkehrsinfrastruktur.“

Und Matthias Sundermeier ist sehr zuversichtlich, dass das Partnerschaftsmodell von Wirtschaft und Industrie gut angenommen wird: „Die Deutsche Bahn hat beispielsweise bereits ein weiteres Pilotprojekt in Köln gestartet, das die Grundinstandsetzung zweier Eisenbahnüberführungen am Bahnhof Süd umfasst.“

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