Pure Pflanzenkraft in Bechern: Die Aufstriche des Lebensmittelproduzenten Noa verzichten auf Konservierungsstoffe, Aromen oder sonstige Zusatzstoffe.

Bild: iStock, panom73

Lebensmittelproduktion Neue Verpackungsanlage für vegane Aufstriche

14.09.2020

Der Lebensmittelhersteller Noa suchte nach einer Lösung, um seine frisch abgefüllten veganen Aufstriche direkt aus der Produktion vollautomatisch in Display-Kartons zu verpacken. Dabei ist allerdings höchste Vorsicht geboten, damit der warme, noch flüssige Inhalt nicht aus den Kunststoffverpackungen schwappt. Ein Verpackungsspezialist löste die Herausforderung mit einer Anlage, in der jeder Becher einzeln schonend angesaugt und absolut waagerecht gehalten wird.

Hinter dem unabhängigen Tochterunternehmen Noa stehen eigentlich die auf Molkereiprodukte spezialisierten Karwendel-Werke Huber. Der namhafte Allgäuer Familienbetrieb wird in dritter Generation von Dr. Wilfried Huber geführt und hat sich seit 2016 mit der Marke Noa eine zweite, pflanzliche Produktwelt aufgebaut.

Bereits für die Verpackung seiner Milchprodukte, zu denen auch Frischkäse wie Exquisa und Miree gehören, arbeitete Karwendel mit dem Crailsheimer Verpackungsmaschinenhersteller Schubert zusammen. Daher wurde Schubert schon vor der Markteinführung der Noa-Aufstriche für die Planung des Verpackungsprozesses mit ins Boot geholt.

Becher nicht überlaufen lassen

Noa verbindet vegane Vielfalt mit purem Geschmack: Der Hersteller legt großen Wert auf natürliche Zutaten und verzichtet vollständig auf Konservierungsstoffe, Aromen oder sonstige Zusatzstoffe. Alle Produkte sind rein pflanzlich, glutenfrei und werden ohne Einsatz von Gentechnik produziert. Die sieben leckeren Aufstriche – von aromatischen Hummus-Varianten bis zu pikanten Sorten wie Linse-Curry oder Bohne-Paprika – verlocken auch Nicht-Vegetarier zum Probieren und Genießen.

Um Kontaminierungen der Produkte auszuschließen, ist die Herstellung der pflanzlichen Lebensmittel vollständig von der Milchverarbeitung getrennt. Beim Start der veganen Marke hat Noa deshalb die komplette Produktionskette mit sämtlichen Maschinen neu aufgebaut. In der neuen Verpackungsanlage, die online läuft, also direkt an die Produktion angedockt ist, müssen die verschiedenen Aufstriche für den Verkauf sortenrein in Display-Kartons verpackt werden. Wichtigste Anforderung bei der Automatisierung war die schonende Handhabung der Becher, damit der noch dickflüssige Inhalt während des Verpackungsprozesses nicht ausläuft.

Jonas Müller, zuständiger Projektleiter bei Schubert, erklärt: „Die Aufstriche werden noch warm in flache 175-g-Becher gefüllt, kommen anschließend sofort in die Verpackungsanlage und dürfen dort während des gesamten Prozesses nicht gekippt werden.“ Im Supermarkt stehen die Becher dann allerdings nicht auf ihrem Boden, sondern senkrecht im Verkaufskarton. Dazu mussten die Kartons hochkant befüllt werden. Eine weitere Anforderung war, dass der Noa-Schriftzug auf dem runden Deckel bei jedem Becher korrekt ausgerichtet ist. „So ist er für die Kunden beim Einkaufen gut lesbar.“

Weniger Mechanik und mehr Intelligenz nutzen

Um die Produkte so schonend wie möglich zu verpacken, verzichtete Schubert auf sämtliche Gruppierhilfen und mechanischen Teile, welche die Primärverpackung möglicherweise beschädigen könnten. Stattdessen wird jeder Becher in dem vollautomatisierten Prozess einzeln übernommen, in waagerechter Position sanft bewegt und ausgerichtet.

Dennoch sollte natürlich eine hohe Maschinenleistung erreicht werden. Dafür nutzen die Experten von Schubert einen besonderen Trick: Statt wie üblich zu gruppieren oder jedes Produkt nacheinander mit einem Pick-&-Place-Roboter umzusetzen, bearbeitet die TLM-Verpackungsmaschine an jeder Station jeweils vier Becher parallel. Trotzdem ist für jeden Noa-Becher bei jedem Schritt ein einzelnes Werkzeug vorgesehen.

Unterstützung liefert das Transmodul, der Transportroboter von Schubert. Die einzelnen Module führen jeweils vier aufgerichtete Display-Kartons gleichzeitig zu, sodass jeder Karton bei jedem Füllvorgang jeweils einen Becher aufnehmen kann. Die große Flexibilität des Transportroboters bietet in diesem Fall noch einen weiteren Vorteil: Beim Aufrichten, Beleimen und Verschließen arbeitet die Anlage nicht mit vier Elementen gleichzeitig, sondern nur paarweise.

Dennoch wartet das Transmodul durch die intelligente Steuerungstechnik an jeder Station so lange, bis auch das zweite Paar bearbeitet ist. Kanellos Tzinieris, Area Sales Manager bei Schubert, erklärt: „So benötigt die Anlage weniger Werkzeuge und erreicht trotzdem die gleiche Leistung. Damit erfüllen wir einmal mehr unsere Schubert-Prämisse: weniger Mechanik, mehr Intelligenz.“

Einzeln bearbeiten im Vierertakt

Auf nur 5,9 m Länge richtet die neue TLM-Anlage in drei Gestellen die Display-Kartons auf, befüllt sie je nach Format mit vier, sechs oder zwölf Bechern, verleimt und verschließt sie. „Die Maschine ist so kompakt, dass wir sie innerhalb einer einzigen Woche aufstellen und in Betrieb nehmen konnten“, erinnert sich Müller.

Sämtliche Formate der Display-Kartons verfügen über einen integrierten Deckel sowie einen halbrunden Ausschnitt. Sie werden paarweise aus dem Magazin zugeführt und von einem F2-Roboter hochkant aufgerichtet, damit sie von oben befüllt werden können. Jeweils vier Stück zugleich befördert das Transmodul anschließend durch den Verpackungsprozess.

Parallel werden die Kunststoffbecher ungeordnet auf einem Band in die Anlage geführt. Ein Schubert-Scanner liest bereits beim Einlauf die Schriftzüge auf den Deckeln und sendet die Informationen schon an die Ausrichtstation.

Für die Aufnahme der Produkte vom Band wählte Schubert einen sogenannten Springsauger. Bei diesem F2-Roboter sitzen vier Sauger in Reihe an einem Roboterarm, die sich aber nicht synchron, sondern nacheinander bewegen. Jeder Sauger fährt einzeln in flexiblem Takt nach unten und nimmt einen der Becher vom Band auf. Sind alle vier Sauger belegt, setzt der Roboterarm die Becher auf die vier separaten Drehstative der Ausrichtstation. Dort werden die Becher so gedreht, dass die Schriftzüge identisch ausgerichtet sind.

Anschließend nimmt ein weiterer F2-Roboter die Produkte auf und setzt sie von oben in die bereitgestellten Display-Kartons. So lässt sich jeder Kunststoffbecher einzeln bearbeiten und dennoch ein Takt von vier Produkten pro Station erreichen. Abschließend werden die Kartons paarweise verleimt, verschlossen und über ein weiteres Band aus der Anlage geführt.

Junge Marke weiter ausbauen

Mithilfe der neuen TLM-Verpackungsmaschine kann Noa die Produktionskapazitäten für seine veganen Leckereien erweitern. Neue Formate wie Trays mit separatem Deckel oder andere Becher sind mit der Anlage realisierbar.

Die bisherige gute Erfahrung von Karwendel mit dem innovativen Verpackungsmaschinenhersteller Schubert hat sich auch für das Unternehmen Noa bewahrheitet. Das unterstreicht Andreas Kuisel, Technischer Leiter der Karwendel-Werke Huber: „Die intensive und kooperative Zusammenarbeit mit Schubert hat sich als die richtige Entscheidung für uns herausgestellt. Wir sind sehr zufrieden mit der neuen Anlage und können jetzt unsere noch junge Marke weiter erfolgreich ausbauen.“

Bildergalerie

  • Die TLM-Anlage verarbeitet jeden Noa-Becher einzeln. Durch den Einsatz spezieller Roboter und des Transmoduls erreicht die Maschine dennoch eine sehr hohe Leistung.

    Bild: Frieder Daubenberger, Schubert

  • Jedes Werkzeug des sogenannten Springsaugers fährt einzeln in flexiblem Takt nach unten und nimmt einen der Becher vom Band auf. Sind alle vier Sauger belegt, setzt der Roboterarm die Becher in die Ausrichtstation um.

    Bild: Frieder Daubenberger, Schubert

  • Während des Verpackens müssen die Becher mit dem noch flüssigen Inhalt stets waagerecht gehalten werden. Daher werden die Display-Kartons hochkant gestellt und von oben befüllt.

    Bild: Frieder Daubenberger, Schubert

  • Die einzelnen Transmodule führen immer vier aufgerichtete Display-Kartons gleichzeitig zu, sodass jeder Karton bei jedem Füllvorgang jeweils einen Becher aufnehmen kann.

    Bild: Frieder Daubenberger, Schubert

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