Nach 10 Jahren wurde die IEC 61400-1-Norm überarbeitet.

Bild: pixabay; David Mark

IEC 61400-1 wurde überarbeitet Neue Norm für die Konstruktion von Windenergieanlagen

20.05.2019

Nach fast zehn Jahren erhält die IEC 61400-1 eine grundlegende Überarbeitung. Die international anerkannte Norm beschäftigt sich mit den technischen Anforderungen für die Konstruktion von Windenergieanlagen und wird von der International Electrotechnical Commission (IEC) herausgegeben.

Als Mitglied der IEC übernahm TÜV Nord eine leitende Rolle bei der Neufassung der Norm und wurde als eine der weltweit ersten Zertifizierungsstellen erfolgreich dafür akkreditiert. „Die letzte Überarbeitung der Norm erfolgte vor rund zehn Jahren und das auch nur in Form eines Amendments“, erklärt Mike Wöbbeking, Leiter des Segments Renewables bei TÜV Nord und Geschäftsführer von TÜV Nord EnSys. „Mit den neuen Auslegungsanforderungen trägt die überarbeitete Norm den rasanten Weiterentwicklungen in der Windenergiebranche der vergangenen Jahre Rechnung.“

Anpassungen an extreme klimatische Bedingungen

Weltweit steigt der Anteil an Strom aus Windenergieanlagen – 2018 nahm die Windkraftkapazität laut World Wide Energy Association um rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Parallel steigt auch die Anzahl an Windturbinen, die sich in Regionen befinden, die durch extreme Wetterbedingungen wie Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt oder starke Winde geprägt sind. So berücksichtigt die neue Edition 4 der IEC 61400-1 nun zum Beispiel auch Auswirkung von niedrigen Temperaturen, erhöhter Luftdichte oder Eisansatz, insbesondere an Rotorblättern. „Die überarbeitete Norm passt sich an die neuen Gegebenheiten an und bietet so mehr Klarheit und Sicherheit bei der Konzeption und Auslegung von Windenergieanlagen“, erklärt Wöbbeking.

Integration schafft neue Möglichkeiten

Bisher betrachtete die IEC 61400-1 das Betriebsführungs- und das Sicherheitssystem maßgeblich als voneinander getrennte Systeme. Mit der Überarbeitung besteht neben der bisherigen Vorgehensweise die Option, ein sicherheitsgerichtet programmiertes Betriebsführungssystem, das die Aufgaben des Sicherheitssystems direkt in die Betriebsführung integriert, zu berücksichtigen. „Dies bietet neue Möglichkeiten um die Auslegung, insbesondere im Rahmen der Lastberechnung turbinenspezifischer zu gestalten“, erklärt Wöbbeking.

Als Mitglied der IEC war TÜV Nord aktiv an der Überarbeitung der Richtlinie, zusammen mit einem internationalen Team aus Wissenschaft und Wirtschaft, beteiligt. Aufgrund des großen internationalen Interessenskreises fand die mehrjährige fachliche Überarbeitung der Auslegungsanforderungen überwiegend in nationalen, sogenannten Spiegelgremien statt, die über ihre aktive Mitarbeit den Normentext mitbestimmten. Dabei sorgte das dazugehörige deutsche Spiegelgremium DKE/AK 383.0.1 der Deutschen Kommission Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik, unter Leitung von TÜV Nord, für einen wichtigen Beitrag in der Richtlinienarbeit.

Als eine der weltweit ersten Zertifizierungsstellen wurde TÜV Nord zur Anwendung der neuen IEC 61400-1 unter der Akkreditierung der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) qualifiziert.

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